Spannungen in Nahost: Israel droht mit Gegenschlag

Im Gaza-Streifen brodelt der Hass auf Israel, in Jerusalem explodiert eine Bombe - die Menschen im Nahen Osten fürchten neue Gewalt in der Region. Die Regierung Netanjahu erwägt nun einen Plan zur "Abschreckung der Terroristen".

AP

Jerusalem/Gaza - Beim ersten Anschlag in Jerusalem seit zwei Jahren sind am Mittwoch eine Frau getötet und Dutzende weitere Menschen verletzt worden. Der Sprengsatz explodierte nach Polizeiangaben in einer Tasche, die ein Unbekannter an einer Haltestelle nahe der zentralen Busstation abgestellt hatte. Nach Angaben von Sanitätern wurden insgesamt 35 Menschen in Krankenhäuser gebracht, unter ihnen drei Schwerverletzte.

Die Bombe detonierte in der Nähe des Kongresszentrums Binjanei Hauma. Zwei Busse, die gerade vorbeifuhren, wurden beschädigt. "Ich sah eine helle Flamme, und dann wurde der Bus durchgeschüttelt", berichtete ein Augenzeuge dem israelischen Rundfunk.

Der israelische Polizeiminister Izchak Aharonovich teilte mit, die Bombe sei etwa ein bis zwei Kilo schwer gewesen. An der Bushaltestelle war eine große Blutlache zu sehen. Hunderte Schaulustige drängten sich am Ort des Anschlags und behinderten die Rettungsarbeiten.

"Es gab keine Hinweise auf einen geplanten Anschlag", sagte Polizeiminister Aharonovich. Die Gegend werde auf der Suche nach möglichen Tätern und weiteren Sprengsätzen durchkämmt. Spürhunde sind im Einsatz. Zunächst bekannte sich keine Gruppierung zu der Tat. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sagte, man werde es Terroristen nicht erlauben, den Alltag in der Stadt zu zerstören.

Fotostrecke

11  Bilder
Explosion in Israel: Dutzende Opfer in Jerusalem
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu kündigte am Abend eine nicht näher bezeichnete Reaktion an. Die Regierung werde sich nun "zupackend, verantwortungsbewusst und wohl überlegt" verhalten.

Der israelische Innenminister Eli Jischai forderte nach dem Anschlag "Aktionen gegen den Terror". Die Behörden vermuten radikale Palästinenser hinter der Tat. Die Regierung spiele derzeit verschiedene Szenarien durch, sagte Jischai. Zu Details wollte er sich jedoch nicht äußern. Es gebe eine "Eskalation an allen Fronten", fügte er hinzu. "Israel wird reagieren müssen, um die Terroristen abzuschrecken."

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad verurteilte den Anschlag als "Terrorakt". "Es ist schändlich, wenn eine palästinensische Gruppe solche widerlichen Methoden anwendet, die unserem Volk und unserer Sache schon so viel geschadet haben", sagte Fajad.

US-Präsident Barack Obama rief zur Ruhe in der Region auf. "Die Vereinigten Staaten ruft die verantwortlichen Gruppierungen dazu auf, diese Angriffe auf der Stelle zu beenden, und wir betonen, dass Israel wie alle anderen Staaten auch ein Recht auf Selbstverteidigung hat." Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle verurteilte den Anschlag im Namen der Bundesregierung ebenfalls.

Blutigster Zwischenfall seit dem Gaza-Krieg

Bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag in der Stadt Dimona war im Februar 2008 ein Israeli getötet worden. Bei dem letzten Zwischenfall in Jerusalem im März 2009 waren zwei Polizisten verletzt worden. Ein Palästinenser hatte die Polizisten bei einer Amokfahrt mit einem Radlader angegriffen und war dabei erschossen worden.

Hinzu kommt, dass die Gewalt zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas andauert. Nach dem blutigsten Zwischenfall seit dem Gaza-Krieg vor zwei Jahren mit acht Toten setzten beide Seiten ihre Angriffe fort. Militante Palästinenser feuerten zwei Raketen sowie sieben Mörsergranaten auf Israel ab. Auch die israelische Luftwaffe griff wieder Ziele im Gaza-Streifen an.

Am Dienstag waren im Gaza-Streifen bei israelischen Angriffen acht Palästinenser getötet worden, darunter vier unbeteiligte Zivilisten. Drei der Toten waren Jugendliche, ein vierter Jugendlicher schwebt weiterhin in Lebensgefahr. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bedauerte, dass "unschuldige Zivilisten bei einem Angriff der Armee ohne Absicht getroffen wurden".

ffr/dpa/AFP/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Israel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Karte

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Israel-Reiseseite