Sparprogramm Obama schrumpft Amerikas Militär

"Wir werden schlanker, aber bleiben überlegen": US-Präsident Obama verordnet dem Militär ein hartes Sparprogramm über 450 Milliarden Dollar. Der Schwerpunkt verschiebt sich auf Asien - Europa verschwindet nach und nach von der Landkarte des US-Militärs.

AP

Washington - US-Präsident Barack Obama will angesichts leerer Staatskassen ein schlankeres Militär und richtet den Blick verstärkt nach Asien. "Wir schlagen nach einem Jahrzehnt der Kriege ein neues Kapitel auf", sagte Obama am Donnerstag bei der Vorstellung eines neuen Strategiepapiers im Pentagon. Die Sicherheit der USA soll künftig durch weniger Bodentruppen gewährleistet werden. Der langfristige, von massiver Militärpräsenz begleitete Aufbau von Nationen wie dem Irak oder Afghanistan komme indes zu einem Ende.

Die Welt müsse aber wissen, dass "die Vereinigten Staaten die militärische Überlegenheit behalten werden". Die US-Streitkräfte seien auch künftig "agil, flexibel und bereit für die volle Bandbreite von Eventualitäten und Bedrohungen", betonte Obama.

Verteidigungsminister Leon Panetta merkte an der Seite Obamas allerdings an, kleinere Verteidigungsetats in der Zukunft bedeuteten kleinere Streitkräfte und damit auch größere Risiken. Obama verkündete, die Präsenz in der asiatisch-pazifischen Region werde verstärkt. Zugleich würden die USA weiterhin in ihre Bündnisse und Allianzen investieren, darunter auch die Nato.

27.000 Soldaten weniger

Im Sommer hat sich das Pentagon bereit erklärt, seine Ausgaben in den nächsten zehn Jahren um insgesamt 450 Milliarden Dollar (346 Milliarden Euro) zurückzufahren.

Der Haushalt für 2012 sieht nach Angaben des Weißen Hauses bereits jetzt den Abbau von 27.000 Stellen für Soldaten und noch einmal 20.000 für Marineinfanteristen über die nächsten vier Jahre vor.

Das neue Strategiepapier geht allerdings nicht ins Detail. Aus Regierungskreisen hieß es jedoch, es sei wahrscheinlich, dass 3000 bis 4000 Soldaten aus Europa abgezogen würden. Ob damit auch US-Standorten in Deutschland die Schließung droht, ist bislang unklar.

Sorge vor Chinas Aufrüstung

Befeuert wird die Debatte von der rasanten Modernisierung der chinesischen Streitkräfte. Vor genau einem Jahr hat Peking einen eigenen Stealth-Kampfjet vorgestellt - viel früher, als die Amerikaner das erwartet hatten. Zugleich hat China seit 2006 Dutzende Zerstörer, Fregatten und U-Boote in Dienst gestellt und einen ehemals sowjetischen Flugzeugträger gekauft, modernisiert und zu einer ersten Testfahrt in See stechen lassen.

Erst im November hatte Obama die Verstärkung der wirtschaftlichen und militärischen Präsenz der USA im Pazifikraum angekündigt. Drastische Einschnitte bei der Air Force und der Marine würden dazu kaum passen. Zwar soll die Zahl der Flugzeugträger laut "New York Times" auch nach den aktuellen Einsparungen bei elf bleiben. Doch ob das ausreicht, ist offen. Philip Breedlove, Vize-Stabschef der US-Luftwaffe, warnte bereits im Sommer 2011, dass der "anhaltende fiskalische Druck" es schwierig mache, den technologischen Vorsprung vor den Chinesen zu halten. "Wir fliegen schon jetzt die älteste Luftwaffe, die wir jemals hatten", hatte der General gesagt.

Die USA werden laut Beobachtern künftig nicht mehr in der Lage sein, zwei Kriege gleichzeitig zu führen und zu gewinnen. Man werde nur noch einen größeren Konflikt siegreich zu Ende bringen können und in einem weiteren in der Lage sein, den Gegner vom Erreichen seiner Ziele abzuschrecken. Zusätzlich werde man eine Reihe weiterer kleiner Operationen durchführen können, etwa die Durchsetzung einer Flugverbotszone.

fab/mbe/dpa/Reuters

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
ted211 05.01.2012
1. Wie meint er das?
Zitat von sysop"Wir werden schlanker, aber bleiben überlegen": US-Präsident Obama verordnet dem Militär ein hartes Sparprogramm*über*450 Milliarden Dollar.*Der Schwerpunkt verschiebt sich auf Asien - Europa verschwindet nach und nach von der Landkarte des US-Militärs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807451,00.html
Wen wollen denn die US-Streitkräfte bedrohen?
LemonCurry?? 05.01.2012
2.
Zitat von ted211Wen wollen denn die US-Streitkräfte bedrohen?
Die Chinesen, Dummkopf. Haben sie den Artikel überhaupt gelesen?
Hape1 05.01.2012
3. ...
Zitat von sysop"Wir werden schlanker, aber bleiben überlegen": US-Präsident Obama verordnet dem Militär ein hartes Sparprogramm*über*450 Milliarden Dollar.*Der Schwerpunkt verschiebt sich auf Asien - Europa verschwindet nach und nach von der Landkarte des US-Militärs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807451,00.html
Ist das nun gut oder schlecht? :-)))
whocaresbutyou 05.01.2012
4.
Zitat von ted211Wen wollen denn die US-Streitkräfte bedrohen?
Ich denke mal eher, da waren Bedrohungen der USA durch die (anderen) Bösen gemeint... ;o)
Atheist_Crusader 05.01.2012
5.
Zitat von sysop"Wir werden schlanker, aber bleiben überlegen": US-Präsident Obama verordnet dem Militär ein hartes Sparprogramm*über*450 Milliarden Dollar.*Der Schwerpunkt verschiebt sich auf Asien - Europa verschwindet nach und nach von der Landkarte des US-Militärs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807451,00.html
Das sind die zentralen Sätze. Sparen? Dass ich nicht lache. Wenn man wirklich Geld einsparen wollte, dann sollte man lieber die Airforce und die Navy zurechtstutzen. Das ist doch der Ort, wo pervers aufgeblähte Geldsummen verschleudert werden. Und das auch noch sinnlos, weil man hier mehr als überall sonst die internationale Konkurrenz aussperrt oder in unfairen Wettbewerben aus dem Feld drängt. Stattdessen werden bald 47.000 Männer und Frauen ohne Job dastehen. Und zwar keine gut ausgebildeten Berufssoldaten, sondern weit eher jene Personengruppe, die außerhalb des Militärs gar keinen Job mehr findet. Super. Ich kann den Chinesen immer nur zu diesem Schachzug gratulieren. Damit haben sie etwas, mit dem sie reale Macht projizieren können. In einem direkten Schlagabtausch gegen die USA ist der natürlich genauso schnell verdampft wie alle US Carrier Battle Groups... aber mit ein bisschen Glück bringen sie damit die Amis dazu, nochmal ein paar Biollionen in ein paar weitere veraltete Superwaffen zu stecken. Bestätigt nur das Vorurteil, dass Chinesen gut rechnen können.
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