Sparzwang USA planen kleinste Armee seit Zweitem Weltkrieg

Kampfjets sollen abgeschafft, die Landstreitkräfte stark verkleinert werden: US-Verteidigungsminister Hagel plant offenbar, das Militär radikal zu schrumpfen. Resultat könnte die kleinste amerikanische Armee seit 1940 werden.

REUTERS

Washington - Bisher ist die US-Armee nicht unbedingt für ihre Sparbemühungen bekannt. Im Gegenteil: Mit 600,4 Milliarden Dollar bezifferte das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) Anfang Februar die Ausgaben 2013. Das ist mit großem Abstand der weltweite Höchstwert. Doch das soll sich nun offenbar ändern. Wie die "New York Times" ("NYT") meldet, plant Verteidigungsminister Chuck Hagel eine radikale Kostenkur - die die US-Streitkräfte auf das Level vor dem Zweiten Weltkrieg zusammenschrumpfen könnte.

Das Papier ist noch unter Verschluss, die "NYT" beruft sich jedoch auf namentlich nicht genannte Pentagon-Offizielle, die mit den Entwürfen vertraut sind. Nach deren Angaben wären die Streitkräfte nach den Hagel-Kürzungen zwar immer noch voll handlungsfähig. Bei einem langfristigen Bodeneinsatz an mehreren Fronten - wie etwa in Afghanistan oder dem Irak - stieße das Militär rasch an Grenzen. "Man muss immer gewappnet sein. Aber es macht keinen Sinn, eine große Bodenstreitmacht zu behalten, wenn man keinen Bodenkrieg führt", zitiert die Zeitung einen Pentagon-Vertreter.

Änderungen würden demnach besonders die Landstreitkräfte betreffen.

  • Nach den bisherigen Plänen soll deren Personenstärke auf rund 490.000 sinken, von einem Höchststand von 570.000 nach den Angriffen vom 11. September 2001 und immer noch mehr als 560.000 im Jahr 2011. Hagels Entwurf geht jedoch noch weiter, hier ist eine Zahl zwischen 440.000 und 450.000 Mann angepeilt. Das wäre laut "NYT" die kleinste US-Armee seit dem Jahr 1940.

  • Der Entwurf sieht zudem vor, dass Offiziere zumindest für ein Jahr keine Gehaltserhöhung bekommen sollen. Das Basisgehalt für anderes Militärpersonal soll um ein Prozent steigen. Zudem sollen steuerbegünstigte Privilegien wie etwa Mietzuschüsse wegfallen oder zumindest sinken. Die Rentenbezüge für aktive Mitglieder der Truppe sollen dagegen unangetastet bleiben.

  • Auch die Luftwaffe wird von den Sparmaßnahmen stark betroffen sein. So soll die Flotte der A-10-Kampfflugzeuge komplett stillgelegt werden. Die noch zu Zeiten des Kalten Krieges entwickelten Jets spielen in zukünftigen Planungen des Pentagon keine Rolle mehr. Auch die U-2-Spionageflugzeuge sollen wegfallen und von der ferngesteuerten "Global Hawk" ersetzt werden.

  • Die Flotte der Flugzeugträger soll laut dem Papier elf Schiffe stark bleiben - Ideen für die Stilllegung eines der Träger wurden verworfen.

Die Sparmaßnahmen sind dringend nötig. Für das Jahr 2015 sollen die Rüstungsausgaben gedeckelt werden - auf 496 Milliarden Dollar. Trotzdem kann mit erbittertem Widerstand gerechnet werden. Besonders Lobbygruppen der Waffenindustrie und Veteranenverbände dürften den Kürzungen mit Unbehagen entgegenblicken. Gleiches gilt für Kongressmitglieder, die Gebiete mit einflussreicher Rüstungsindustrie vertreten.

jok

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 148 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ontologix II 24.02.2014
1. SPIEGEL-Neudeutsch?
Der US-Verteidigungsminister plant, die Streitkräfte zu VERKLEINERN. Später kann man sagen, dass sie geschrumpft sind.
orthos 24.02.2014
2. Mit oder ohne Drohen?
Mit oder ohne Drohen?
analyse 24.02.2014
3. Die Chinesen planen in die entgegengesetzte Richtung,
haben natürlich auch noch Nachholbedarf.
sudiso 24.02.2014
4. optional
wenn man sich das budget mal anschaut, gehen von den ca 683 milliarden, allein 283milliarden für operationen und instandhaltung drauf. und weitere 150 für das personal und weitere 140 für beschaffung drauf. also allein fast 425 milliarden für operationen, instandhaltung und beschaffung. und warum sollte man grad am personal sparen anstatt mal die flotte zu verkleinern, oder mal die Fahrzeugzahl der armee oder die flugzeuge der airforce`? aber ganz zu schweigen davon, geht wohl auch ein großteil für die verwaltung drauf...... wie immer.
dr.d.magoge 24.02.2014
5. Die nächste Wahl kommt...
und schon werden die Ausgaben wieder erhöht... das geht ganz schnell.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.