GroKo-Verhandlungen SPD registriert nach Parteitag Hunderte Neueintritte

Im SPD-Basisentscheid sehen die Jusos ihre letzte Chance, die Große Koalition zu verhindern. Sie werben nun verstärkt um kritische Neumitglieder. Tatsächlich schnellt die Zahl der Eintritte in die Höhe.

Juso-Chef Kevin Kühnert (Mitte) mit anderen Delegierten beim SPD-Parteitag
DPA

Juso-Chef Kevin Kühnert (Mitte) mit anderen Delegierten beim SPD-Parteitag


Die SPD-Spitze geht in Koalitionsverhandlungen mit der Union - so hat es der Parteitag in Bonn mit knapper Mehrheit beschlossen. Allerdings gibt es noch eine weitere Hürde bei den Sozialdemokraten: Am Ende sollen die Mitglieder über einen vorliegenden Vertrag abstimmen. Genau darauf setzen jetzt die Jusos, die seit Wochen eine Kampagne gegen die Große Koalition fahren. Sie wollen bis zur Abstimmung möglichst viele kritische Neumitglieder werben, die dann gegen das Bündnis mit der Union votieren.

Noch lässt sich nicht sagen, wie aussichtsreich diese Strategie ist. Allerdings registrierte die SPD kurz nach dem Parteitag in Bonn vermehrt Parteieintritte. Bei den nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten seien bis Dienstagmorgen mehr als 520 Aufnahmeanträge online eingegangen, sagte ein Parteisprecher. Dem stehe "eine Handvoll" Austritte gegenüber. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 waren es in NRW rund 8000 Neueintritte. Schon das war der höchste Wert seit Jahren.

Auch in Bayern und Berlin schnellte die Zahl der Beitritte in die Höhe: In Bayern gab es im Laufe des Montags allein online 100 Neueintritte, in Berlin wurden 70 Aufnahmeanträge gestellt, wie Sprecher beider Landesverbände mitteilten.

Kaum Austritte

Auf dem Parteitag in Bonn hatten sich nur 56,4 Prozent für Koalitionsverhandlungen ausgesprochen. Bislang hat die SPD etwa 440.000. In Berlin vermutete eine Sprecherin der Landespartei, dass die Neumitglieder nun entweder über den Koalitionsvertrag mit abstimmen wollen oder die Entscheidung des Parteitags unterstützen wollen.

In Baden-Württemberg verzeichnete der SPD-Landesverband nach dem Parteitag einige Dutzend Neueintritte. Ein Parteisprecher sagte, die Austritte könne man dagegen an einer Hand abzählen.

In den kleinen SPD-Landesverband Brandenburg traten seit Sonntag 15 neue Mitglieder ein. Austritte habe es keine gegeben, sagte Generalsekretär Erik Stohn. Damit setze sich ein positiver Trend seit der Bundestagswahl fort. Seit Anfang Oktober seien knapp 160 Brandenburger in die Partei eingetreten, Austritte habe es nur knapp 40 gegeben. Auch die meisten anderen Parteien hatten im Jahr der Bundestagswahl vermehrt Neueintritte registriert.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

kev/dpa



insgesamt 79 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fm2004 23.01.2018
1. Das wird interessant....
hoffentlich bleiben die Leute auch in der Partei, dann kann man mit dieser Partei auch endlich wieder etwas bewegen. Mit Mitgliedern im Durchschnitt über 60 und Pflegestufe II aufwärts war da ja nicht mehr viel drin. Es muss eine gute Mischung werden. Dann gibt es einen Aufbruch in die neue, digitale Zeit. Ein paar interne Kämpfe um Generationengerechtigkeit, zu viele Flüchtlinge und was zeitgemäß ist, wird es allerdings auch geben. Alles ist besser als diese Groko-Agonie.
fm2004 23.01.2018
2. Das wird interessant....
hoffentlich bleiben die Leute auch in der Partei, dann kann man mit dieser Partei auch endlich wieder etwas bewegen. Mit Mitgliedern im Durchschnitt über 60 und Pflegestufe II aufwärts war da ja nicht mehr viel drin. Es muss eine gute Mischung werden. Dann gibt es einen Aufbruch in die neue, digitale Zeit. Ein paar interne Kämpfe um Generationengerechtigkeit, zu viele Flüchtlinge und was zeitgemäß ist, wird es allerdings auch geben. Alles ist besser als diese Groko-Agonie.
Braveheart Jr. 23.01.2018
3. Jau - ich bin auch so einer ...
und texte gerade eine alte SPD-Hymne um: "Schulzens starker Arm steht still // weil die Basis es so will // sie drängt zur Freiheit und zum Licht // in die GroKo will sie nicht ...!"
ichliebeeuchdochalle 23.01.2018
4.
Fall1: Auf Schalke machten sie das auch jahrzehntelang. Eine Gruppe trat kurz vor der Jahres-Hauptversammlung in den Verein ein und kaperte dann prompt die Versammlung bzw. die Abstimmungen. Dann kam ein neuer Manager (Assauer) und mit ihm eine andere Lösung: Nur wer eine bestimmte Zeit vor dem Tag der Jahres-Hauptversammlung Mitglied war, durfte auch abstimmen. Fall2: Irgendwas mit der FDP, da traten dann auf einmal unzählige Studenten (?) ein, weil es da irgendeine Basisabstimmung in der FDP gab.
spontandemo 23.01.2018
5. Werde ich dann auch bedroht?
Ich würde ja auch eintreten, um mit NEIN zu stimmen, wenn ich mir absolut sicher wäre, dass es einen Sinn macht. Aber die Hoffnung wurde bereits 2013 bei der entsprechenden Abstimmung entäuscht (interessant auch die damals bei Kritikern der GroKo eingegangenen Drohanrufe, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Mitgliedervotum_der_SPD_zum_Koalitionsvertrag_2013#Drohanrufe_bei_Kritikern_des_Koalitionsvertrages).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.