Spekulation um Berlusconi-Rücktritt Endspiel für den Cavaliere

Griechenlands Premier Papandreou gibt sein Amt auf, muss jetzt auch Italiens Berlusconi gehen? Die Märkte wetten gegen ihn, in Rom wird über einen Rücktritt binnen weniger Stunden spekuliert. Der Cavaliere dementiert, doch seine Karriere neigt sich dem Ende entgegen.

DPA

Rom - Er hat Rom verlassen, seine politischen Freunde sprechen schon von einem bevorstehenden Rücktritt: Silvio Berlusconi ringt in diesen Stunden darum, als italienischer Regierungschef weiter im Amt zu bleiben.

Nach einer nächtlichen Krisensitzung hinter verschlossenen Türen mit seinem Vertrauten Gianni Letta und seinem Parteichef Angelino Alfano kehrte der umstrittene italienische Regierungschef am Montagmorgen Rom und dem Parlament erst mal den Rücken, um sich bis zum Abend nach Mailand zurückzuziehen. Wegen privater Termine, wie es hieß.

"Eine Atempause", urteilten italienische Medien vor der für Dienstag erwarteten Feuerprobe. Dann soll die Abgeordnetenkammer erneut über den bereits einmal durchgefallenen Rechenschaftsbericht 2010 abstimmen. Eine Niederlage Berlusconis würde nach Ansicht von Beobachtern den Sturz der Regierung bedeuten - die Mehrheit in der Kammer hat er nach mehreren Fraktionswechseln in den vergangenen Tagen verloren.

Berlusconi dementiert bevorstehenden Rücktritt

Zwei Berlusconi nahestehende Journalisten teilten am Mittag mit, der Premier könne bereits am Montag zurücktreten - die Börsen in Mailand reagierten umgehend mit Kursgewinnen auf diese Gerüchte. Giuliano Ferrara von der Berlusconi-freundlichen Zeitung "Il Foglio" verkündete auf seiner Website: "Es ist klar, dass Berlusconi zurücktreten wird. Es ist eine Frage von Stunden, wenn nicht gar Minuten." Auch Franco Bechis, vom Berlusconi-treuen Blatt "Il Libero" schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, Berlusconi werde Montagabend oder Dienstagvormittag zurücktreten.

Der Cavaliere selbst ließ am Montagmittag erklären, die Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt seien unbegründet. Er verstehe nicht, wie solche Gerüchte in Umlauf geraten können, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa am Montag Äußerungen des Regierungschefs.

Auffällig ist allerdings, dass in allen wichtigen Zeitungen des Landes vom nahen Ende der Regierung Berlusconi die Rede ist. Die rechtsliberale Zeitung "Corriere della Sera" schreibt, die Regierung stehe auf der Kippe. Die oppositionelle "Repubblica" titelt auf ihrer Website gar die "letzten Stunden der Regierung".

Zwar hatte insbesondere die "Repubblica" schon mehrfach über einen bevorstehenden Rücktritt Berlusconis spekuliert - ohne dass dieser je Anstalten gemacht hätte, wirklich abzutreten. Diesmal allerdings könnte es für den Premier wirklich eng werden.

Druck der Märkte so stark wie nie

Tatsache ist, dass der Druck auf Italien von Seiten der Finanzmärkte steigt. Investoren trennten sich am Montag von italienischen Staatsanleihen, was die Renditen auf den höchsten Stand seit 1997 trieb. Italien muss Anlegern nun für zehnjährige Papiere Zinsen von 6,59 Prozent bezahlen.

Die Risikoaufschläge - verglichen mit deutschen Staatsanleihen - waren damit so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro.

Angesichts seiner schwindenden Regierungsmehrheit gelang es Berlusconi trotz der Verabschiedung von zwei drastischen Sparpaketen und allen Versprechungen gegenüber Brüssel bislang nicht, die Märkte zu beruhigen. Die internationalen Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Regierung blieben bestehen.

Obwohl er zurzeit keine absolute Mehrheit im Parlament mehr hat, sträubte sich Berlusconi bisher konsequent gegen einen Rücktritt.

fab/dpa/Reuters

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insgesamt 81 Beiträge
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dongerdo 07.11.2011
1. -
Zitat von sysopGriechenlands Premier Papandreou gibt sein Amt auf, muss jetzt auch Italiens Berlusconi gehen? Die Märkte wetten gegen ihn, in Rom wird*über einen Rücktritt binnen weniger Stunden spekuliert. Die Karriere des Cavaliere neigt sich dem Ende entgegen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,796291,00.html
Ich muss sagen, das Bild für den Aufmacher ist sehr, sehr schön gewählt... ;-)
Matthias Hofmann 07.11.2011
2. Berlusconi und kein Ende!
WEnn ich ihn sehe, dann denke ich immer an eine Barbie-Puppe. Genau so hohl genauso künstlich eben nur Plastik... Unglaublich, daß wir so etwas im Europa des 21. JH erleben müssen. Sein Spiel ist gefährlich. Viele seiner Vorgänger wurden zuweilen einen Kopf kürzer, wenn sie nicht wußten, wann es an der Zeit ist zu gehen.... (Pardon B. Mussolini wurde öffentlich erhängt-)
regensommer 07.11.2011
3. Immunität
Vielleicht muß er ja schnell noch ein Gesetz zur nachträglichen und lebenslangen Immunität schaffen.
Wasnun 07.11.2011
4. Aber lustig war er doch
Im egensatz zu seinen Amtskollegen und -kolleginnen mit den heruntergezogenen Mundwinkeln. Schade eigentlich, nur als Politiker nicht geeignet.
silenced 07.11.2011
5. <->
---Zitat von www.spiegel.de--- Die *Märkte* wetten gegen ihn ---Zitatende--- Das steht ganz oben. ---Zitat von www.spiegel.de--- Angesichts seiner schwindenden Regierungsmehrheit gelang es Berlusconi trotz der Verabschiedung von zwei drastischen Sparpakten und allen Versprechungen gegenüber Brüssel bislang nicht, *die Märkte zu beruhigen*. Die internationalen Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Regierung blieben bestehen. ---Zitatende--- Das steht ganz unten. Beides steht im Widerspruch zueinander, er kann die 'Märkte' (naja, kein Kommentar) die GEGEN Italien Wetten laufen haben nicht beruhigen, egal was er macht, denn diese 'Märkte', lasst sie uns 'Kräfte' nennen, passt besser, also diese Kräfte wollen ihre Wetten keinesfalls verlieren. Somit kann sich Berlusconi ein Bein ausreißen und auf einer Hand Walzer tanzen, es wird sich nichts ändern bis diese Kräfte ihren Willen durchgesetzt haben, was auch immer damit bezweckt wird. Es ist ein Kampf auf verlorenem Posten. So langsam dürfte jedem klar sein, wer die Mächtigen in der Welt sind, Politiker sind es nicht, eigentlich noch nie gewesen.
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