Spenden im US-Wahlkampf Big Business for President

Die US-Präsidentschaftskandidaten haben kaum Zeit für ihr Volk. Sie sind auf der Jagd nach Spendergeld und versuchen, Mitfluggelegenheiten in Firmenjets zu erhaschen. Allein das Einsammeln der Spenden verschlingt Millionen. Die Hälfte der Kandidaten im Rennen ums Weiße Haus ist bereits pleite.

Von Gabor Steingart, Washington


Washington - Kürzlich meldete sich bei mir Michelle. Sie ist eine raffinierte Frau, wie sich herausstellte, denn sie interessierte sich vor allem für mein Geld. Sie ist zugleich eine sehr moderne Frau, weil sie aus diesem Spezialinteresse keinerlei Geheimnis machte. "Hey", schrieb sie, "ich schreibe Dir nicht oft." Diesmal aber müsse es sein.

Sie, ihr Mann und ich - wir sollten gemeinsam "ein unmissverständliches Zeichen" setzen. Mein Anteil an diesem Zeichen wäre eine kleine Geldspende. Der Einsatz sei lohnend, schrieb sie, denn hinterher werde es dem Land und allen Menschen auf der Welt besser gehen. Dann verabschiedete sie sich höflich: "Dankeschön, Michelle."

Michelle Obama ist die Ehefrau des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama. Weil das amerikanische Wahlsystem eine nur kärgliche öffentliche Wahlkampffinanzierung vorsieht, schickt der Senator aus Illinois nun auch seine Gattin mit der Spendendose los. Wer zum mächtigsten Mann der USA aufsteigen will, muss offenbar vorher hausieren gehen.

Sich klein machen, um groß zu werden

Dabei ist das Handaufhalten bei potentiellen Kleinspendern noch das harmloseste, was den Kandidaten abverlangt wird. Big Business ist anspruchsvoller und fordernder. Die Manager und Eigentümer großer Firmen werden derzeit nach allen Regeln der Kunst umschnurrt und umschmeichelt. Der Weg ins Weiße Haus führt durch die Wohnzimmer von Filmbossen, Wall Street Financiers, Rüstungslobbyisten, Ölmagnaten und Konzernstrategen aller Art. Die Bewerber ums höchste Staatsamt müssen sich klein machen, bevor sie groß werden.

Pausenlos organisieren die Kandidaten in dieser frühen Wahlkampfphase Grillfeste, Kamingespräche und Candle-Light-Dinner, um das Geld und die politischen Wünsche der Reichen entgegen zu nehmen. Senken diese Großspender, im Jargon der Kampangenmanager "fat cats", dicke Katzen, genannt, den Daumen, sind die politischen Karrieren der Bewerber schnell beendet. Auf den Konten der wirtschaftlich Erfolgreichen lagert jener Rohstoff der aus Politikern Präsidenten macht. Das gemeine Volk darf erst später mit einem Besuch rechnen. Und selbst der ist nicht mehr überall kostenlos.

Obama, der derzeit im Wettlauf um Spenden mit Hillary Clinton gleichauf liegt, verlangt für seine Auftritte bereits 25 Dollar, Studenten bekommen bei Vorlage ihres Ausweises eine Ermäßigung.

In der Öffentlichkeit ist der Erfolg des Spendensammeln mittlerweile das beherrschende Wahlkampfthema. Wer bringt mehr? Wer übertrifft wen? Wer verfolgt welche Sammelstrategie? Fast könnte man meinen, in Amerika würde nicht der Präsident des Landes sondern der Vorsitzende eines Wohltätigkeitsvereins gewählt.

Der amerikanische Porsche heißt Learjet oder Gulfstream

Die Big Bosse werden nicht nur um Geld angegangen, scharf sind die Kandidaten auch auf deren Fluggerät. Private Jets sind unter Amerikas Reichen so selbstverständlich wie in Deutschland der Drittwagen für Firmenvorstände. Der amerikanische Porsche heißt Learjet oder Gulfstream.

Mittlerweile lassen sich viele Präsidentschaftskandidaten durch die Lüfte chauffieren wie Touristen im Taxi durch New York. Keiner fliegt so gern wie John Edwards, der ehemalige Senator aus North Carolina und heute einer der demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Fred Baron, ein prominenter Rechtsanwalt und Freund, stellt ihm seine "Hawker 800" zur Verfügung. Diese Flüge müssen die Kandidaten zwar regulär bezahlen, meist kostet sie das aber weniger, als einen Flug zu buchen.

New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph W. Giuliani, derzeit die Nummer eins bei den Republikanern, benutzt bevorzugt die Maschine der Firma Elliott Asset Management, eine Unternehmung, die dem Hedgefonds-Manager Paul E. Singer gehört. Mitt Romney, in Umfragen meist die Nummer drei auf der Beliebtheitsskala der republikanischen Kandidaten, ist stolz darauf, die Firmenjets von eBay und Oracle benutzen zu dürfen.

"Eine Schlüsselfunktion beim Kleinhalten unsere Wahlkampfkosten spielt die Erweiterung unseres Pools an verfügbaren Maschinen ", schrieb er in einer E-Mail an potentielle Unterstützer.

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yato, 08.10.2007
1. US Wahlkampf - ein Pokerspiel - der Reichste gewinnt
Zitat von sysopDie US-Präsidentschaftskandidaten haben kaum Zeit für ihr Volk. Sie sind auf der Jagd nach Spendergeld und versuchen, Mitfluggelegenheiten in Firmenjets zu erhaschen. Allein das Einsammeln der Spenden verschlingt Millionen. Die Hälfte der Kandidaten im Rennen ums Weiße Haus ist bereits pleite. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,509957,00.html
Kann man die USA eigentlich schon in die Diktaturen der Welt einreihen, seit dem "Bush-Putsch"? Die Industrie und die oberen 10000 kaufen sich die Politik die sie möchten und wenn die Republikaner wegen zu großen mentalen Defiziten ihres Königs out sind, dann kauft man eben die Demokraten. Man wechselt den Namen, aber der Inhalt bleibt (fast) gleich. Ich fände es absolut Super, wenn da einmal eine neue Partei Zünglein an der Waage spielen würde und dann für etwas Demokratie im verkauften System sorgen würde. Eine Partei, die z.B. aus der MoveOn.org Bewegung herausgehen könnte, oder die US Grünen, oder vielleicht mal Lafontaine statt Schwarzenegger, oder... Tja ich weiß schon - alles Utopie!?
Bernd Paysan 08.10.2007
2. USA bleibt Plutokratie
Die USA bleiben eben eine Plutokratie, denn wieso sollte das Geld die Macht wieder aus den Händen geben? Wenn man mit vergleichsweise lächerlichen Summen einen Kandidaten aufs Podest heben kann, der dann ein vielfaches an Profit zurückbringt - warum soll man das abschaffen? Jeder Politiker wird immer eine Floskel im Ärmel haben, um das "dem Volk" zu erklären - wie Ron Paul im Artikel. Dass in der Vergangenheit die besten Spendensammler nicht ans Ziel gelangt sind, zeigt, dass das Volk auch noch ein bisschen zu sagen hat, aber viel ist es nicht. Schließlich sind auch die weniger guten Spendensammler 100% abhängig von ihren Großspendern. Und die Illusion "weniger Staat" ist sehr populär, auch wenn der typisch konservative "weniger Staat" immer mehr Rüstungsausgaben, mehr Geheimdienste, mehr mehr mehr (nur nicht mehr Sozialabgaben) heißt. Das wird aber immer als "patriotische Pflicht", nicht als Teil des Staates verstanden. Man muss nur wissen, wie man etwas verkauft. Und das wissen die Plutokraten auf jeden Fall.
radde, 08.10.2007
3. Ron Paul
Wurden für diesen Artikel eigentlich auch Spenden gesammelt? Vllt. von Clinton, Obama oder Giuliani? Dann hätte man es doch dazuschreiben sollen. ..."Diese Frage stellte ich am Freitag im Washingtoner Mayflower Hotel Ron Paul, der allen Grund hätte nach öffentlichem Wahlkampfgeld zu rufen. Denn die Privatwirtschaft meint es nicht gut mit ihm. Der Arzt und texanische Kongressabgeordnete tritt als Präsidentschaftskandidat an und ist im Wettlauf um Spendergeld weit abgeschlagen. Man tritt ihm wohl nicht zu nah, wenn man feststellt: Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird nicht Ron Paul heißen."... Entweder mies recherchiert oder Absicht? siehe http://online.wsj.com/article/SB119146668063148662.html (Wall Street Journal Online) Aber ist ja auch konsequent: Ein FED- und Kriegsgegner verträgt sich natürlich nicht mit der derzeitigen politischen Marschrichtung.
larry1977 08.10.2007
4. Ron Paul weit abgeschlagen?
Also wenn ich die US-Medien lese dann habe ich den Eindruck als wäre Ron Paul die Positivüberraschung im 3.Quartal des Vorwahlkampfes. 5 Mio. Euro Spendensammlung, dabei kein Großspender sondern Durschnittsspenden von 40 $ je Spender. Die letzte Million hat er in kürzester Zeit bei einer Online-Sammel-Aktion gesammelt. Woher hat der Spiegel seine konträren Infos? Wunschdenken? ronpaul.blog.de
Bettelmönch, 09.10.2007
5.
Zitat von raddeWurden für diesen Artikel eigentlich auch Spenden gesammelt? Vllt. von Clinton, Obama oder Giuliani? Dann hätte man es doch dazuschreiben sollen. ..."Diese Frage stellte ich am Freitag im Washingtoner Mayflower Hotel Ron Paul, der allen Grund hätte nach öffentlichem Wahlkampfgeld zu rufen. Denn die Privatwirtschaft meint es nicht gut mit ihm. Der Arzt und texanische Kongressabgeordnete tritt als Präsidentschaftskandidat an und ist im Wettlauf um Spendergeld weit abgeschlagen. Man tritt ihm wohl nicht zu nah, wenn man feststellt: Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird nicht Ron Paul heißen."... Entweder mies recherchiert oder Absicht? siehe http://online.wsj.com/article/SB119146668063148662.html (Wall Street Journal Online) Aber ist ja auch konsequent: Ein FED- und Kriegsgegner verträgt sich natürlich nicht mit der derzeitigen politischen Marschrichtung.
Es ist auch ein Widerspruch zu dem, was vorher steht: "(...)Das einzig beruhigende ist der Blick zurück: Es waren meist nicht die emsigsten Geldsammler der frühen Wahlkampfphase, die am Ende die Nominierung ihrer Partei gewannen. Der Demokrat Howard Dean lag zwischenzeitlich beim Spendensammeln um Längen vor John Kerry - und verlor die Nominierung. Hinter dem begnadeten Spendensammler Dean war der Politiker Dean kaum mehr zu erkennen. Auch der Wahlkämpfer Ronald Reagan war in beiden Wahlkämpfen chronisch geldknapp. Selbst Sunnyboy Bill Clinton, flossen als noch weithin unbekannter Politiker aus Arkansas bei seiner ersten Nominierung nicht die großen Millionenbeträge zu.(...)" Wie kann man dann ein Urteil fällen, daß einem Kandidaten die Aussicht auf das Präsidentenamt kategorisch abspricht??
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