Spendeneinbruch Clinton muss Wahlkampf-Aktionen einschränken

Clinton knapp bei Kasse: Aus Geldmangel muss die gebeutelte Präsidentschaftsbewerberin in den noch ausstehenden Vorwahlstaaten sparen. Veranstaltungen sollen zweckmäßiger gestaltet, Lieferanten erst später bezahlt werden. Rivale Obama gewinnt zugleich immer mehr Superdelegierte für sich.


Washington - Hillary Clinton war mal Spitze im Spendensammeln. In den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres - ein knappes Jahr vor Beginn des Vorwahlkampfs - nahm sie sagenhafte 26 Millionen Dollar an Spenden ein. Damit brach die frühere First Lady einen historischen Rekord. Noch nie hatte ein Anwärter auf das Präsidentenamt in dieser frühen Phase so viel Geld sammeln können.

Demokratin Clinton: Im Notfall noch mehr Privatgeld
AFP

Demokratin Clinton: Im Notfall noch mehr Privatgeld

Ausgerechnet jetzt, zum für sie ungünstigsten Moment im Kandidatenduell um das Weiße Haus, gehen Clinton offenbar die Spender aus. Noch sechs Vorwahlen sind offen - und die Demokratin hat angekündigt, bis zum Nominierungsparteitag Ende August durchhalten zu wollen. Doch die jüngste verlorene Vorwahl im US-Bundesstaat North Carolina und das nur knapp gewonnene Rennen in Indiana drossele die Spendenbereitschaft ihrer Anhänger deutlich, schreibt die "New York Times" in ihrer Freitagsausgabe.

Hatte Clinton nach ihrem unerwartet klaren Sieg in Pennsylvania Ende April binnen 24 Stunden satte zehn Millionen Dollar über Online-Wahlkampfspenden kassiert, waren es beim Tag nach der Doppelwahl in North Carolina und Indiana gerade mal eine Million Dollar, zitiert die Zeitung den Clinton-Finanzberater Hassan Nemazee.

Mitarbeiter aus dem Stab der Präsidentschaftskandidatin sagten der Zeitung zufolge, Clinton habe sich verpflichtet, im Notfall weiteres Geld aus ihrem Privatvermögen in die Kampagne zu stecken. Wie am Dienstag in US-Medien bekannt geworden war, hat die frühere First Lady bereits über elf Millionen US-Dollar für den Wahlkampf aus der eigenen Tasche bezahlt. Mehrfach hatten US-Medien in den vergangenen Monaten über die knappe Wahlkampfkasse der Demokratin berichtet. Bereits Ende Februar soll das Wahlkampfteam Schulden in Millionenhöhe gemacht haben.

Mehrere Clinton-Strategen sollen der "New York Times" zufolge über "bedeutend gestiegene" Wahlkampfschulden berichtet haben. Besonders die Kosten für riesige Wahlkampfveranstaltungen und für Werbespots im Fernsehen belasten die Kasse demnach massiv. Über genaue Beträge machten sie keine Angaben.

Der Clinton-Stab würde in den anstehenden Vorwahl-Staaten West Virginia, Kentucky und Oregon nun versuchen, die Wahlkampfveranstaltungen etwas "schlichter" zu gestalten. Möglicherweise sollen auch Lieferanten, die die Events vor Ort organisieren, erst später bezahlt werden, schreibt die Zeitung.

Obama gewinnt immer mehr Superdelegierte

Im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur hat der schwarze US-Senator Barack Obama auch bei der Zahl der wichtigen "Superdelegierten" seine Rivalin Clinton fast eingeholt. Nach Angaben des Senders CNN vom Freitag verringerte sich der Vorsprung der Ex-First Lady von einst etwa 100 auf nunmehr vier, nachdem sich zwei weitere Kongressabgeordnete hinter Obama gestellt haben. Einer von ihnen schwenkte von Clinton auf den Senator um.

Es ist der dritte Clinton-"Abtrünnige" seit den Vorwahlen vom Dienstag. Obama hatte in North Carolina mit 14 Prozentpunkten Vorsprung gesiegt, Clinton in Indiana dagegen nur ganz knapp gewonnen. Damit hat sich der Druck auf die nicht gebundenen sogenannten Superdelegierten - zumeist handelt es sich dabei um hohe Parteifunktionäre - erhöht, sich dem Votum der Parteibasis anzuschließen.

Bei den gebundenen Delegierten führt Obama mit rund 170 vor der Ex-First Lady - praktisch uneinholbar, weil nur noch sechs Vorwahlen anstehen. Es wird erwartet, dass beide Bewerber bei jeweils drei von ihnen siegen und sich damit die zu gewinnenden 217 Delegiertenstimmen ungefähr teilen werden. Damit ist auch Obama trotz seiner Führung auf einen weiteren Zulauf von "Superdelegierten" angewiesen, um die für die Nominierung nötige Mehrheit von 2025 Stimmen zu erreichen.

amz/dpa/AP



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