Spezialeinheiten in Afghanistan: Der geheime Krieg der Elitesoldaten

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Sie operieren im Verborgenen und schlagen gern im Schutz der Nacht zu: Spezialeinheiten spielen im Afghanistan-Krieg eine entscheidende Rolle. Von Aufgaben und Methoden der Elitesoldaten aus den USA, Großbritannien oder Deutschland erfährt man erst, wenn der Job erledigt ist - wenn überhaupt.

Spezialeinheiten in Afghanistan: Krieger im Nebel Fotos
Getty Images

Die Kämpfer sind der Stolz ihrer Armeen, aber trotzdem unterliegen ihre Missionen der Geheimhaltung. Ihre Kommandoaktionen können Kriege entscheiden, doch die Namen der Beteiligten bleiben unter Verschluss. Oft sind sie professioneller Killer, Geheimagent und Ausbilder in einer Person. Dass sie im Einsatz sind, merkt die Öffentlichkeit meist erst, wenn etwas schiefgeht: so wie beim Abschuss eines Militärhubschraubersam vergangenen Wochenende. Dabei waren unter anderem 25 Mitglieder der US-Navy-Seals getötet worden.

Spezialeinheiten wie die Navy Seals und Green Berets der US-Streitkräfte, die SAS-Einheit des britischen Militärs, aber auch das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr operieren seit Jahren in Afghanistan.

Doch wer sind diese Krieger, die als moderne, präzise "Kampfmaschinen" glorifiziert werden - und sich manchmal auch selbst so sehen? Wo werden sie eingesetzt? Was sind ihre Aufgaben im Konflikt am Hindukusch?

Die Verschleierungstaktik der befehlenden Regierungen funktioniert. Informationen über die Arbeit von Seals, SAS und Co. sind spärlich und nur selten aus erster Hand zu bekommen.

Die Entsendung von Spezialeinheiten nach Afghanistan jährt sich 2011 zum zehnten Mal. Am 28. September 2001 titelte die Zeitung "USA Today": "Spezialeinheiten jagen Bin Laden".

Washington reagierte damals blitzartig: Schon zwei Tage nach den verheerenden Attentaten, so das Blatt unter Berufung auf Quellen im Pentagon, sei die erste Vorhut nach Pakistan und von dort weiter nach Afghanistan geschickt worden. Ihre Mission: den mutmaßlichen Drahtzieher der Attentate, Talibanfürst Osama Bin Laden, aufspüren und festnehmen - oder töten.

Dieses knappe Briefing umfasst den ersten von vier zentralen Aufträgen an die Spezialeinheiten in Afghanistan:

  • Bekämpfung des Terrorismus: Bei der Jagd nach Kommandeuren der radikalislamischen Taliban und Qaida-Chef Osama Bin Laden bilden die verschiedenen Spezialkommandos die Speerspitze. Unter dem Banner der Aktion " Enduring Freedom", als direkte Reaktion auf die Anschläge des 11. September, durchkämmten zunächst vor allem US-Elitesoldaten entlegene Gegenden des Landes, drangen in Höhlensysteme vor und lieferten sich zahllose Feuergefechte mit den Taliban. Bis zur Ergreifung und Tötung des Hauptziels Bin Laden dauert es trotz der fieberhaften Suche knapp zehn Jahre.

  • Spezielle Aufklärung (Special Reconnaissance): Dabei wagen sich die Soldaten in meist kleinen Einheiten bis weit hinter die feindlichen Linien. Aufgabe ist es, mögliche Ziele für spätere Angriffe auszuspähen. Direkten Feindkontakt meiden diese Aufklärungstrupps. Stattdessen dokumentieren die Soldaten das Gelände um ein Angriffsobjekt, bewerten die zu erwartende Gegenwehr und platzieren manchmal sogar Sender, die bei einer späteren Attacke das Ziel markieren.

  • Unkonventionelle Kriegsführung (Unconventional Warfare): Schon zu Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen in Afghanistan suchten ausländische Spezialeinheiten gezielt den Kontakt zu lokalen Gegnern der Taliban, besonders zur Nordallianz. Dadurch konnte in kürzester Zeit eine schlagkräftige lokale Armee zusammengestellt werden, während eine reine Invasion westlicher Einheiten deutlich mehr Zeit gebraucht hätte. Weitere Varianten der unkonventionellen Kriegsführung sind Sabotage, Guerilla-Taktiken oder Spionage - auch diese wendeten die Spezialeinheiten im Konflikt am Hindukusch an.

  • Ausbildung: Die Zusammenarbeit mit lokalen Gegnern der Taliban beschränkt sich nicht allein auf deren Versorgung mit Waffen, Kommunikationsgerät oder spezieller Kleidung. Praktisch ab dem ersten Tag der Afghanistan-Mission unterrichteten Spezialkräfte die Männer vor Ort im Umgang mit dem neuen Gerät, in Kampfmethoden und taktischer Kriegsführung. Auch viele direkte Kampfhandlungen werden in Kooperation mit einheimischen Kräften durchgeführt.

Federführend bei der Operation "Enduring Freedom" sind die US-Streitkräfte. Doch auch andere Nationen schicken speziell ausgebildete Soldaten nach Afghanistan. Diese Elitetruppen wirken im Kampf gegen die Taliban und al-Qaida entscheidend mit:

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insgesamt 88 Beiträge
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1. Und ...
mexi42 11.08.2011
alles verläuft jenseits der Verfassung. Prärogativ veranlasst durch BK Merkel.
2. mmmh....
hördochauf 11.08.2011
...seeehr ausgewogener Artikel das. Alles toll geheim. Na gut... Aber die Sache mit der perfekten Tarnung von Soldaten in Zivil - da wär eine Erläuterung ggf. sinnvol.
3. .
Rainer Helmbrecht 11.08.2011
Au, au, das wird teuer. Wenn ein Gäfgen für die Androhung von Folter schon 3.000€ bekommt, was kostet es dann, wenn ganze Spezialeinheiten nicht nur drohen, sondern ernst machen. MfG. Rainer
4. .
ThomasPr 11.08.2011
Zitat von sysopSie operieren im Verborgenen und*schlagen gern im Schutz der Nacht zu: Spezialeinheiten spielen im Afghanistan-Krieg*eine entscheidende Rolle. Über Aufgaben und Methoden der*Elitesoldaten aus den USA, Großbritannien oder Deutschland erfährt man erst, wenn der Job erledigt ist - wenn überhaupt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777002,00.html
Bevor jetzt Weichgespülte von "keine Transparenz", "alles im Geheimen" oder "undemokratisch" faseln: auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.
5. Doch nicht so ohnmächtig gegen Terror wie es scheint!
adsum 11.08.2011
Zitat von sysopSie operieren im Verborgenen und*schlagen gern im Schutz der Nacht zu: Spezialeinheiten spielen im Afghanistan-Krieg*eine entscheidende Rolle. Über Aufgaben und Methoden der*Elitesoldaten aus den USA, Großbritannien oder Deutschland erfährt man erst, wenn der Job erledigt ist - wenn überhaupt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777002,00.html
Irgendwie ein wenig beunruhigend, aber doch mehr als 99% beruhigend, dass die Welt doch nicht so machtlos ist gegen Terrorismus. Viele gelungene Anschläge der Terroristen, über die natürlich groß in den Nachrichten berichtet wird, geben einem Normalbürger das Gefühl, dass die UNO, die Supermacht USA, China, Russland, Europa und andere Großmächte ohnmächtig am Nasenring herumgeführt werden können. Also, da droht in Deutschland ein Polizeibeamter einem Kindsmörder nur schreckliche Schmerzen an, wenn er das Versteck eines entführten Kindes nicht verrät und wird verurteilt wegen Folterandrohung (Juistisch vielleicht völlig OK) Man stelle sich vor, das Kind wäre lebendig in einem Sarg begraben gewesen und wäre jämmerlich erstickt, weil die Zeit für die Rettung abgelaufen wäre. Hoffentlich passiert so etwas nicht in der Zukunft und hoffentlich lassen sich unsere Beamten nicht abschrecken durch dieses Urteil. Rettung von Menschenlebe4n ist wichtiger, auch wenn man dafür als Beamter verurteilt werden sollte. OK anderes Thema gehört nicht hierher! Kriegsrecht und Friedensrecht dürfen nicht durcheinander gebracht werden. Also wir sollten nicht undankbar sein, dass die USA als einzige Supermacht überlebt hat und wir hier frei unsere Meinung äußern können. Auch China und andere Mächte könnten dankbar sein, dass sie es im Windschatten der USA, es zu einem Wohlstandsstaat gebracht haben. Naja beide haben und hatten Probleme mit den 100%igen Lehren des reinen Kapitalismus und des reinen Kommunismus und die 100%igen Islamisten werden auch Probleme bekommen, aber das ist wieder ein anderes Thema. Jedenfalls ist die Welt doch nicht so ohnmächtig gegen Terrorismus wie dieser Beitrag über die Spezialkräfte im Untergrund zeigt. :-)
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