Spezialeinsatz in Bundeswehrgebiet: US-Militär startet brachiale Taliban-Jagd in Kunduz

Aus Kunduz berichten und Shoib Najafizada

Es war die größte und härteste Offensive in der deutschen Zone Afghanistans: Nahe des Bundeswehrcamps bei Kunduz haben US-Elitetrupps mit afghanischen Soldaten eine Großoffensive gegen Taliban geführt. Fünf Tage und Nächte fielen Bomben, die Rede ist von 133 Toten. Die Deutschen wollten sich nicht beteiligen.

US-Soldaten (bei Offensive im September): Massive Angriffe im Gebiet der Bundeswehr Zur Großansicht
AFP

US-Soldaten (bei Offensive im September): Massive Angriffe im Gebiet der Bundeswehr

Gouverneur Omar ist euphorisch an diesem Samstag. In einem weiten, strahlend weißen Gewand sitzt er lässig auf einem der großen Sofas in seinem Gästehaus im nordafghanischen Kunduz. Sehr gerne will er von "einem großen Erfolg" berichten, sagt Omar, "vom ersten richtigen Schlag gegen die Taliban". Endlich habe man dem Feind einmal gezeigt, wie ein Einsatz aussieht. "Wir haben die Taliban eingekesselt und dann fünf Tage bombardiert. Nur diese Sprache verstehen sie."

Elitekämpfer der US-Armee haben gemeinsam mit einheimischen Einheiten und massiver Luftunterstützung in der vergangenen Woche zugeschlagen - und afghanischen Angaben zufolge 133 Taliban getötet, 13 verletzt und 25 inhaftiert. Es war der bisher folgenschwerste Einsatz in dem Gebiet, das eigentlich Revier der Bundeswehr ist. Angeführt wurde sie von US-Kämpfern im Rahmen der "Operation Enduring Freedom" (OEF), also nicht unter dem Mandat der Schutztruppe Isaf. Ziel war es, hochrangige Taliban-Führer rund um den Ort Gul Tepa nordwestlich des deutschen Armeecamps bei Kunduz zu jagen.

Gouverneur Omar lobt die Härte des Angriffs: "Das erste Mal in den vergangenen fünf Jahren haben wir richtig zugeschlagen", sagt er und macht einen aus seiner Sicht entscheidenden Zusatz: "Das ging nur, weil uns die USA endlich beim Kampf gegen die Taliban geholfen haben." Auch Oberst Abdul Wakil, Chef der afghanischen Einheit, lobt die Effizienz des US-Militärs. "Zum ersten Mal hatten wir Luftunterstützung - das hat den entscheidenden Unterschied gemacht", sagt der Anführer der zweiten Brigade des 209. Corps der afghanischen Armee.

Tatsächlich könnte der brachiale Einsatz in der Region Kunduz einen Wendepunkt darstellen - auch für die deutschen Soldaten dort.

"Großflächige Operation"

Die Bundeswehr, die in Kunduz ein Camp mit rund 675 Soldaten hat, kennt die Angaben über Tote und Verletzte. Allerdings kann die Truppe sie weder bestätigen noch dementieren. Denn die Deutschen haben bei dem Einsatz nicht mitgemacht. Die USA hatten sie zwar vorab informiert - der deutsche General Jürgen Setzer, der das Regionalkommando Nord führt, lehnte jedoch eine Beteiligung ab.

Die US-Armee bestätigte SPIEGEL ONLINE das Ausmaß des Einsatzes. Sprecherin Elizabeth Mathias wollte keine genauen Zahlen zu Opfern nennen, allerdings seien die Angaben der afghanischen Quellen über getötete Kämpfer und Festnahmen jenen der US-Armee "sehr ähnlich". Sie bestätigte außerdem, dass bei der "großflächigen Operation" Kämpfer aus der Luft angegriffen wurden. Bisher gebe es "keine Hinweise" auf zivile Opfer. Eine Bilanz über den Einsatz liege aber noch nicht vor.

Afghanische Militärs berichten, dass die Initiative für den Einsatz von einem US-Major ausging, der die Aktivitäten der US-Spezialkräfte im Norden des Landes koordiniert. Er sei auf die Führung des in Kunduz stationierten einheimischen Militärs zugekommen und habe eine "Reinigungsoperation" in Gul Tepa vorgeschlagen, das als Rückzugsgebiet der Taliban bekannt ist - noch vor der geplanten und dann abgesagten Präsidentenstichwahl am 7. November. Gemeinsam wurde eine Strategie entwickelt und ein Kommandozentrum aufgeschlagen. Der afghanische Geheimdienst NDS lieferte Zielkoordinaten einschlägiger Taliban-Kommandeure.

"Unzählige Bomben, fünf Tage lang 24 Stunden lang"

Am vergangenen Dienstag begann der Einsatz dann. Beteiligt waren rund 800 afghanische Soldaten, gut 300 Spezialkräfte der US-Armee und von ihnen ausgebildete Afghanen, rund 130 Polizisten und mehrere Dutzend NDS-Agenten. Nach übereinstimmender Darstellung kreisten Soldaten das von zwei Flüssen durchzogene und selbst mit Geländewagen sehr schwer zugängliche Gebiet zuerst ein. Dann begannen gezielte Bombardements aus Kampfjets und aus unbemannten Drohnen der US-Armee.

Die Angriffe waren heftig. In Kunduz berichten Anwohner, Tag und Nacht habe man Detonationen gehört. Eine lokale Politikerin sagte, die Einschläge seien sehr nah am Stadtkern gewesen. Auch im Camp der Bundeswehr waren sie zu hören. Gouverneur Omar sprach von "unzähligen Bomben, die fünf Tage lang 24 Stunden lang" abgeworfen worden seien. Allerdings habe es sich um genau gezielte Treffer gehandelt: "Glücklicherweise hat es keine zivilen Opfer gegeben." Eine Überprüfung dieser Aussage war nicht möglich.

Der NDS schätzt den Einsatz als wichtigen Schlag gegen die Strukturen der Taliban im Raum Kunduz ein - das teilte der Geheimdienst bei einem Treffen mit deutschen Militärs mit. So wurde einer der meistgesuchten Kommandeure der Region, der etwa 35-jährige Mullah Qari Baschir, schon zu Beginn der Angriffe getötet. Nach Angaben der Militärs starben sechs weitere hochrangige Kommandeure. Der wohl meistgesuchte Mann von Kunduz, der sogenannte Schattengouverneur Mullah Abdul Salam, entkam den Raketen nur knapp. Er soll verletzt worden sein.

Heikles Thema für Guttenberg

Dass die OEF-Einheiten des US-Militärs immer häufiger im Einsatzgebiet der Bundeswehr aktiv sind, ist kein Geheimnis. Gut ein Dutzend Mal wurde dies 2009 sogar öffentlich. Mehrfach kam es wegen unangekündigter und teils sehr harter Zugriffe oder gezielter Tötungen zu Reibereien zwischen deutschen und US-Militärs. Kleine Trupps der in Masar-i-Scharif stationierten US-Spezialeinheit 373, deren Existenz das Militär noch nicht einmal bestätigen würde, waren fast jede Nacht im Raum Kunduz aktiv. Kürzlich kam bei einem Raketenangriff ein unschuldiger Schäfer ums Leben, als die US-Soldaten den berüchtigten Mullah Abdul Salam jagten und eine Rakete auf den Zivilisten abfeuerten.

Doch der jetzige Einsatz mit 133 Toten und massiven Luftschlägen über fünf Tage hinweg sprengt die bisherigen Vorstellungen über die Aktionen des US-Militärs. Die Bundeswehr befand sich in der unwirklichen Lage, die massivsten Kämpfe seit Beginn ihres Einsatzes in der Region nur als Zuschauer beobachten zu können - obwohl sie in unmittelbarer Nähe des eigenen Camps stattfanden. Nur wenn US-Soldaten schwer verletzt worden wären, hätten die Sanitäter der Bundeswehr sie aus der Gefahrenzone gebracht.

Wie die Deutschen mit dem offensiven Verhalten der US-Eliteeinheiten umgehen, ist ein heikles Thema, auch für den neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Die Bundeswehr muss einen Stimmungsschwenk in der Bevölkerung fürchten, wegen der vielen Opfer. Bisher sind es nur unbestätigte Hinweise - doch im Bundeswehrcamp denken viele, dass der Einsatz kaum ohne tote Zivilisten abgegangen sein kann. Diese hätte am Ende Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal zu verantworten. Er ist auch der Chef der "Operation Enduring Freedom".

In der ursprünglichen Fassung des Artikels wurde Afghanistan als Zweistromland bezeichnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Was ist die richtige Strategie für Afghanistan?
insgesamt 5467 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
SaT 08.11.2009
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
2. Westlich und Islam ...
Ökopit 08.11.2009
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
3. Nur Siegen?
ewspapst 08.11.2009
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden „Sie “ diesen Krieg auch gewinnen, „wir “ Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
mark anton 08.11.2009
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
5.
Stahlengel77 08.11.2009
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Afghanistan-Krieg
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Karzai und Afghanistan
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.