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Spionage-Schiffe: Israelischer Milliardär soll Spezialeinheiten nach Iran geschleust haben

Es klingt wie aus einem Agenten-Thriller: Ein milliardenschwerer Schiffsmagnat aus Israel betreibt verbotene Geschäfte mit Iran - die aber nur der Tarnung dienen. Eigentlich schmuggelt er Spione, die Teherans Atomprogramm ausspähen sollen. Dann stirbt er.

Milliardär Ofer (im Mai): Bericht über mögliche Spionage-Transporte Zur Großansicht
DPA

Milliardär Ofer (im Mai): Bericht über mögliche Spionage-Transporte

Tel Aviv - Als Sammy Ofer am 3. Juni 2011 nach langer Krankheit in Tel Aviv stirbt, gilt der 89-Jährige als einer der reichsten Männer Israels. Was die Öffentlichkeit erst jetzt erfährt: Er war offenbar in eine Spionage-Affäre verwickelt. Laut der britischen "Sunday Times" sollen die Frachter des Schiffsmagnaten Spione, Spezialeinheiten und militärisches Gerät nach Iran transportiert haben.

Dort sollten die Einheiten, unter anderem vom israelischen Geheimdienst Mossad ausgesandt, Informationen über das umstrittene Atomprogramm der Regierung in Teheran sammeln, so das Blatt.

Doch nicht nur Personal könnte auf den Frachtern der Ofer Brothers Group an die iranische Küste gebracht worden sein. Laut der "Sunday Times" transportierten die Schiffe zusätzlich Militärhubschrauber vom Typ Black Hawk. Diese seien in modifizierten Containern an Deck versteckt gewesen. Damit hätten die Spionage-Trupps praktisch eine schwimmende Basis für ihren Einsatz besessen.

Laut der Schiffsdatenbank Equasis liefen mindestens 13 verschiedene Tanker und Frachtschiffe des Unternehmens in den vergangenen zehn Jahren den südiranischen Hafen Bandar Abbad und den Öl-Terminal Kharg Island an. Die genaue Anzahl der Besuche ist jedoch nicht bekannt. Ebenfalls unklar ist, unter welcher Flagge die Schiffe unterwegs waren.

Ofers Name war im vergangenen Monat in die Schlagzeilen geraten. Die US-Regierung hatte eine seiner Firmen mit Sanktionen belegt, weil diese einen Öltanker an Iran geliefert haben soll. Nach US-Informationen hatte die asiatische Ofer-Tochter Tanker Pacific das Geschäft eingefädelt. Das Unternehmen sprach offiziell von einem "Fehler", man habe sich von einer Tarnfirma täuschen lassen.

Netanjahu bestreitet jede Beteiligung

Der Vorgang war für Israel äußerst peinlich, hatte sich doch die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seit langem für härtere Sanktionen gegen Iran eingesetzt.

Medien im Land hatten seitdem gerätselt, warum die Ofer Gruppe, die beste Verbindungen zur Regierung pflegt, auf solch drastische Weise gegen Sanktionen verstoßen haben soll.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bestritt in der vergangenen Woche offiziell jede Beteiligung des Staates an Ofers umstrittenen Geschäften: "Es gab keine Erlaubnis für irgendeinen Kontakt oder für Lieferungen nach Iran. Wir haben hier eine klare Position."

Zusammen mit seinem Bruder Juli besaß Ofer die Zim Integrated Shipping Services, eines der weltgrößten Frachtunternehmen. Zudem kontrollierten die Ofers die Israel Corp. Das Vermögen der Brüder wurde von "Forbes" auf 10,3 Milliarden Dollar geschätzt.

Nachbarstaaten fürchten Irans Nuklearprogramm

Iran verfolgt seit Jahren ein Nuklearprogramm, das offiziell der zivilen Nutzung der Atomkraft gilt, von verschiedenen Nachbarstaaten aber mit großer Sorge verfolgt wird. Im Juli 2011 soll die Stromerzeugung in der Anlage Buschehr anlaufen. Internationale Beobachter vermuten hinter der iranischen Kernforschung den Versuch, nukleare Waffen herzustellen.

Am Mittwoch hatte das Regime in Teheran angekündigt, seine umstrittene höhere Urananreicherung noch auszuweiten. Ziel sei es, die Kapazitäten zur Herstellung von auf 20 Prozent angereichertem Uran zu verdreifachen, verkündete der Chef des iranischen Atomprogramms an, Fereidun Abbassi Dawani. Dazu solle die Produktion von Natans in die neue Atomanlage Fordo verlagert werden.

US-Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel hatten am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit neuen Sanktionen gedroht, falls Teheran seine internationalen Verpflichtungen weiter ignoriere. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte bereits mehrfach Strafen gegen Iran erlassen, weil das Land seit Jahren nicht ausreichend mit den internationalen Inspekteuren zusammenarbeitet.

Bizarrer Artikel auf iranischer Web-Site aufgetaucht

Offiziell hat es bisher noch keinen iranischen Atomtest gegeben, das Thema Kernwaffen gilt im Land als Tabu. Umso überraschender erscheint in diesem Zusammenhang ein Artikel auf der Website der Revolutionsgarde, die dem Regime unterstellt ist. Darin wird der Tag nach dem ersten Atomtest hypothetisch beschrieben. Einige Auszüge:

  • "Heute ist ein Tag wie jeder andere. Es ist ein guter Tag."

  • "Die Nachricht von dem Test bringt das Leben in Iran nicht durcheinander. Manche Angestellte kommen pünktlich zur Arbeit, manche zu spät - so wie immer"

  • "In unseren Augen liegt ein neuer Glanz - ein Schimmer von Stärke und Nationalstolz."

Analysten werten das Dokument als möglichen ersten Schritt der Regierung, die Bevölkerung auf einen Nukleartest vorzubereiten - und die Angst vor der internationalen Reaktion zu zerstreuen.

jok

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1. .
sir.viver 09.06.2011
Zitat von sysopEs klingt wie aus einem Agenten-Thriller: Ein milliardenschwerer Schiffsmagnat aus Israel betreibt verbotene Geschäfte mit Iran - die aber nur der Tarnung dienen. Eigentlich schmuggelt er Spione, die Teherans Atomprogramm ausspähen sollen. Dann stirbt der Hauptdarsteller. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767601,00.html
Bitte ganze Saetze, danke.
2. Naja
CAJ, 09.06.2011
Zitat von sysopEs klingt wie aus einem Agenten-Thriller: Ein milliardenschwerer Schiffsmagnat aus Israel betreibt verbotene Geschäfte mit Iran - die aber nur der Tarnung dienen. Eigentlich schmuggelt er Spione, die Teherans Atomprogramm ausspähen sollen. Dann stirbt der Hauptdarsteller. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767601,00.html
Hauptsache irgendwie den Israelis was angehängt oder was ist der Sinn hinter dieser Nachricht ? Ein Artikel darüber wie es sein kann das nach dem Wochenende deutsche Medien 1 zu 1 syrische Propaganda verbreiten über Israel das angeblich über 20 "Demonstranten" erschoßen haben soll als diese die Grenze zu "besetztem" (in jedem anderen Konflikt der Erde wäre von umstrittenen Gebieten die Rede gewesen)Gebiet überqueren (also stürmen in Wahrheit) wollten. Eine Nachricht das dem nicht so war, es ca. 5 Tote gab (statt über 20) und diese in ein syrisches Minenfeld geraten sind und eben nicht von den bööösen Isralis erschossen wurden sucht man irgendwie vergebens. Aber syrischen Medien wird wohl mehr vertraut als israelischen, zumindestens wens gegen Israel geht, ansonsten wird der bisher immer Präsident genannte Diktator Syriens ja mittlerweile voller Heldenmut in deutschen Medien sogar ab und an "Despot" genannt.
3. weniger ist mehr
spon-1277755831106 09.06.2011
wenn dem so ist, sollte man es nicht verpetzen!
4. Der Iran
dslr_noob 09.06.2011
Aus unerfindlichen Gründen ist mein erster Beitrag verloren gegangen, daher weise ich noch einmal darauf hin: Beim Iran handelt es sich um ein Land, dessen Genus ausnahmsweise männlich ist. Daher wird nichts nach Iran, sondern höchstens in den Iran geschleust, und Geschäfte werden mit dem Iran betrieben.
5. Thema
ja-sowieso 09.06.2011
Zitat von CAJHauptsache irgendwie den Israelis was angehängt oder was ist der Sinn hinter dieser Nachricht ? Ein Artikel darüber wie es sein kann das nach dem Wochenende deutsche Medien 1 zu 1 syrische Propaganda verbreiten über Israel das angeblich über 20 "Demonstranten" erschoßen haben soll als diese die Grenze zu "besetztem" (in jedem anderen Konflikt der Erde wäre von umstrittenen Gebieten die Rede gewesen)Gebiet überqueren (also stürmen in Wahrheit) wollten. Eine Nachricht das dem nicht so war, es ca. 5 Tote gab (statt über 20) und diese in ein syrisches Minenfeld geraten sind und eben nicht von den bööösen Isralis erschossen wurden sucht man irgendwie vergebens. Aber syrischen Medien wird wohl mehr vertraut als israelischen, zumindestens wens gegen Israel geht, ansonsten wird der bisher immer Präsident genannte Diktator Syriens ja mittlerweile voller Heldenmut in deutschen Medien sogar ab und an "Despot" genannt.
UUh, schon mal ein vorab-Beißreflex und ein vorab-Dementi, mit Hinweis auf einen anderen Fall, der auch "genau so" war. Dann scheint da wirklich was zu stinken.
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.
Fotostrecke
Iran: Der Streit um das Atomprogramm

Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.
Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).


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