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Spionagevorwurf gegen Mursi: Ägyptens Ex-Präsident soll Staatsgeheimnisse verraten haben

Häftling Mursi im Staatsfernsehen (2013): Neuer Vorwurf gegen den Führer der Muslimbrüder Zur Großansicht
AFP/ Egyptian TV

Häftling Mursi im Staatsfernsehen (2013): Neuer Vorwurf gegen den Führer der Muslimbrüder

Neuer Schlag gegen Ägyptens Ex-Präsidenten Mursi: Der Anführer der Muslimbrüder soll während seiner Amtszeit Staatsgeheimnisse an das Emirat Katar verraten haben. Zu drei laufenden Verfahren kommt damit ein viertes hinzu.

Kairo - Es ist ein weiterer Schlag der ägyptischen Regierung gegen die für illegal erklärte Muslimbruderschaft: Deren inhaftierter Anführer und Ex-Präsident Mohammed Mursi soll während seiner Amtszeit Staatsgeheimnisse verraten und damit die nationale Sicherheit Ägyptens gefährdet haben.

Die Kairoer Staatsanwaltschaft wirft Mursi vor, als Staatschef Dokumente an das Emirat Katar weitergegeben zu haben, wie die ägyptische staatliche Nachrichten-Webseite "Al-Ahram" am Samstag berichtete. Mursi habe demnach geheime Papiere an den katarischen Nachrichtensender Al Jazeera weitergereicht. Die Staatsanwaltschaft teilte laut Reuters mit, geheime Nachforschungen hätten ausreichende Beweise für eine Anklage wegen Spionage gegen Mursi geliefert. Ebenfalls angeklagt ist ein enger Vertrauter des Ex-Staatschefs. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.

Das Militär unter der Führung des heutigen Präsidenten Abd al-Fattah al-Sisi hatte Mursi im Juli 2013 nach Massenprotesten gegen ihn gestürzt. Seitdem verfolgt der Staat die ägyptischen Muslimbrüder mit großer Härte. Mursi und Tausende weitere Islamisten sitzen in Haft, vielen droht die Todesstrafe. Nach ihrem Verbot haben sich Teile der Organisation weiter radikalisiert und greifen Polizei und Militär vermehrt mit Terroranschlägen an: Die Hochburg der radikalen Islamisten ist die Sinai-Halbinsel. Dort waren Anfang September bei einem Bombenanschlag auf einen gepanzerten Wagen und einem anschließenden Feuergefecht elf Polizisten getötet worden.

Gegen den früheren Präsidenten Mursi laufen bereits drei Verfahren, in denen ihm unter anderem vorgeworfen wird, Demonstranten zu Gewalt angestiftet zu haben. Das Emirat Katar gilt als wichtigster Verbündeter der Muslimbrüder, seit dem Sturz Mursis und dem Verbot der Muslimbrüder haben sich die Beziehungen zwischen den Ägypten und Katar stark verschlechtert. Im vergangenen Juni erhielten mehrere Journalisten des Senders Al Jazeera langjährige Haftstrafen, weil sie die Muslimbruderschaft unterstützt haben sollen.

cht/dpa/Reuters

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insgesamt 20 Beiträge
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1.
meier_7 06.09.2014
Ich will die Muslimbrüder und Mursi nicht verteidigen, aber die Militärherrschaft in Ägypten ist sicherlich keinen Deut besser.
2. Da wird eine demokratisch gewählte Regierung
maynard_k. 06.09.2014
vom Militär aus dem Amt geputscht, verfolgt und zum Tode verurteilt und wir fahren da weiter in Urlaub hin. Wo sind die ganzen verbalen Verteidiger von Demokratie und Gerechtigkeit aus den Foren zur Ukrainekrise.
3. @meier_7: aber berechenbarer als Theokratien
Professor Moriarty 06.09.2014
Militärmachthaber sind in aller Regel berechenbar, während theokratieähnliche Regimes meist unberechenbar sind
4. Doppelmoral
demokroete 06.09.2014
Es zeigt sich wieder die ganze Doppelmoral des sog. Westens. Der demokratisch gewählte Präsident sitzt im Gefängnis, und die Militärdiktatur verhängt reihenweise Todesurteile. Weil das Wahlergebnis dem Westen nicht in den Kram gepasst hat, regt sich dazu keine Stimme, von Sanktionen oder Kriegsdrohungen ganz zu schweigen. In Algerien war es auch schon so. Lieber eine Militärdiktatur als eine demokratisch gewählte islamische Regierung.
5. Ägypten in Not
Fleetenkieker 06.09.2014
So ganz neu ist dieser Vorwurf gegen Mursi nicht, ist das doch auch der Grund, weswegen die Al-Jazeera Korrespondenten seit Monaten gefangen gehalten werden. Al-Sisi ist am Kämpfen, ihm wird Unfähigkeit beim Wiederaufbau des Landes vorgeworfen, nachdem gerade großflächig in Kairo die Stromversorgung ausfällt. Es fehlen ihm z.Zt. 12 Milliarden $, um die Energieversorgung in Ordnung zu bringen und ruft über TV verzweifelt nach Investoren. Wäre doch eine gute Gelegenheit für uns da einzuspringen, mit der Auflage, dass wir die Aufträge bekommen, versteht sich. Das Geld zu beschaffen ist doch kein Problem mehr, seitdem es nicht mehr erarbeitet werden muss, sondern aus Draghis Druckerei kommt.
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Bevölkerung: 85,783 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abdel Fattah el-Sisi

Regierungschef: Sherif Ismail

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