Sprengsatz am Straßenrand Neun Soldaten bei Attentat in Türkei getötet

Terror in der Türkei: Bei einem Bombenanschlag im Südosten des Landes sind neun Soldaten getötet worden. Der Sprengsatz war am Straßenrand versteckt - er wurde gezündet, als die Soldaten vorbeifuhren.


Istanbul - Die Explosion einer Bombe im Südosten der Türkei hat am Mittwoch neun türkische Soldaten in den Tod gerissen. Unter den Opfern sind auch zwei Offiziere, berichtete der Nachrichtensender CNN-Türk. Zunächst hatte der Sender über zehn getötete Soldaten berichtet.

Ziel des Sprengstoffanschlags war ein Vorauskommando eines Militärkonvois, sagte der türkische Generalstabschef Ilker Basbug in Ankara. Der hundert Kilogramm schwere Sprengsatz sei neben einer Straße zwischen Diyarbakir und Bingöl versteckt gewesen, hieß es weiter. Die Bombe sei per Kabel gezündet worden, als die Soldaten die Stelle in einem Fahrzeug passierten.

Nach Medienberichten wird die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK für den Anschlag verantwortlich gemacht. In der Region um Diyarbakir liefert sich die türkische Armee immer wieder Kämpfe mit PKK-Rebellen.

Die PKK wird auch in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit Anfang der achtziger Jahre für eine Unabhängigkeit oder größere Autonomie der Kurdengebiete von der Türkei. In dem Konflikt wurden nach Angaben der türkischen Armee bisher mindestens 35.000 Menschen getötet.

Zuletzt war es im Herbst 2008 zu den bislang folgenschwersten Kämpfen zwischen der türkischen Armee und der PKK gekommen: Tagelang flog die Luftwaffe Vergeltungsschläge gegen Rebellen, die einen türkischen Grenzposten angegriffen hatten.

Chronik des Grauens: Anschläge in der Türkei
AFP
29. April 2009: Bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi im Südosten des Landes kommen neun Soldaten ums Leben.

27. Juli 2008: 17 Menschen werden getötet und mehr als 150 weitere verletzt, als in Istanbul zwei Sprengsätze explodieren.

9. Juli 2008: Drei Polizisten werden bei einem Angriff auf das US-Konsulat in Istanbul getötet.

3. Januar 2008: Im kurdischen Diyarbakir werden bei einem Anschlag fünf Schüler getötet und weitere 110 Menschen verletzt.
22. Mai 2007: Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Einkaufszentrum in Ankara werden sechs Türken getötet, 91 weitere werden verletzt.
12. September 2006: Bei einem Bombenanschlag werden in Diyarbakir zehn Menschen getötet, darunter acht Kinder.

28. August 2006: Im südtürkischen Antalya werden bei einem Attentat drei Menschen getötet und 87 weitere verletzt. Die Kurdischen Befreiungsfalken (TAK) bekennen sich zu der Tat.

27. August 2006: Sieben Briten und sechs Türken werden verletzt, als ihr Kleinbus im Küstenort Marmaris in die Luft gesprengt wird.

25. Juni 2006: Bei einem Anschlag in einem Urlaubergebiet rund hundert Kilometer westlich von Antalya werden vier Menschen getötet und weitere 28 verletzt. Die TAK bekennen sich.
6. Juli 2005: Fünf Menschen werden bei einem Anschlag auf einen Minibus in dem Ferienort Kusadasi im Westen getötet. Unter den Opfern sind eine britische und eine irische Frau.

2. Juli 2005: PKK-Kämpfer zünden eine Bombe in einem Zug in der östlichen Provinz Bingöl. Sechs Menschen werden getötet, 15 weitere verletzt.
24. Juni 2004: Vor einem Besuch von US-Präsident George W. Bush verüben Unbekannte einen Bombenanschlag in Istanbul. Vier Menschen werden getötet und 15 weitere verletzt.
20. November 2003: 32 Menschen werden getötet und zahlreiche weitere verletzt, als die radikal-islamische al-Qaida binnen fünf Tagen zum zweiten Mal zuschlägt und zwei Attentate auf britische Ziele in Istanbul verübt. Die Landeszentrale der Bank HSBC wird zerstört, das britische Konsulat beschädigt.

15. November 2003: Autobomben zerstören zwei Synagogen in Istanbul. 30 Menschen werden getötet, 146 weitere verletzt. Al-Qaida bekennt sich zu den Anschlägen.

amz/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.