Tunis - Die Chance, dass der ehemalige tunesische Präsident je wieder aus dem Exil zurückkehrt, dürfte mit dieser Forderung noch geringer geworden sein. Fast anderthalb Jahre nach dem Sturz von Zine el-Abidine Ben Ali hat die Staatsanwaltschaft vor einem Militärgericht die Todesstrafe für den Ex-Diktator gefordert.
Ihm wird die Schuld für den Tod von Demonstranten bei den Protesten gegen seine Herrschaft Ende 2010 vorgeworfen, wie die amtliche Nachrichtenagentur am Mittwochabend berichtete. Ben Ali war am 14. Januar 2011 nach 23 Jahren an der Macht nach Saudi-Arabien geflohen.
Ein tunesisches Zivilgericht hatte ihn später in Abwesenheit zu 66 Jahren Gefängnis wegen Drogenschmuggels, illegalen Waffenhandels und Veruntreuung öffentlicher Gelder verurteilt. Er wird von den Saudis vor einer Strafverfolgung in der Heimat geschützt.
Seit seiner Flucht gibt es nur einen kurzen TV-Mitschnitt als einziges Lebenszeichen von Ben Ali. Er zeigt ihn Schulter an Schulter mit dem ehemaligen pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf im Gebet während der Trauerfeier für den verstorbenen saudi-arabischen Kronprinzen Sultan Bin Abd al-Asis Ende Oktober vergangenen Jahres. Der gestürzte Staatschef wirkt auf den Bildern rüstig, das Haar wie stets schwarz gefärbt.
Gerüchte um einen Schlaganfall - und Tonnen von Gold
Dieser Eindruck widerspricht Gerüchten über seinen schlechten Gesundheitszustand. Angeblich soll Ben Ali schon im Februar 2011 einen Schlaganfall erlitten und zeitweise im Koma gelegen haben. Offiziell bestätigt wurden diese Meldungen jedoch nie.
Das saudi-arabische Königshaus gibt sich alle Mühe, den Exilanten und seine Ehefrau abzuschirmen. Nur wenig dringt über das Leben des gestürzten Diktators nach außen. Die Herrscher in Riad hüten die genauen Umstände von Ben Alis Aufenthalt in ihrem Land wie ein Staatsgeheimnis.
Als gesichert gilt, dass Ben Ali in einer Luxussiedlung in der Hafenmetropole Dschidda lebt und unter dem Schutz der Königsfamilie steht. Angeblich versüßen anderthalb Tonnen Gold, die Präsidentengattin Leila im Flugzeug außer Landes geschmuggelt haben soll, das Leben des Paares in Dschidda.
Bei den Protesten wurden damals mindestens 338 Menschen getötet, mehr als 2100 verletzt. Tunesien bemühte sich bereits mehrmals um eine Auslieferung Ben Alis.
jok/dapd
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