Staatsbesuch Nordkorea und Südkorea führen wieder Gespräche

Vorsichtige Annäherung: Nach dem Versprechen Nordkoreas, die strengen Grenzvorschriften zu lockern, folgt jetzt der persönliche Dialog. Am Sonntag will sich Südkoreas Präsident Lee Myung Bank mit hochrangigen nordkoreanischen Funktionären treffen.

Grenzposten zwischen Nord- und Südkorea: Zaghafte Annäherungsversuche
AP

Grenzposten zwischen Nord- und Südkorea: Zaghafte Annäherungsversuche


Seoul - Lange hat Südkorea auf ein versöhnliches Signal aus Nordkorea gewartet, jetzt deuten sich neue Entwicklungen im Konflikt der beiden Staaten an: Im Rahmen eines Staatsbesuchs treffen sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak und eine sechsköpfige Delegation aus Nordkorea.

Die hochrangigen Funktionäre der herrschenden nordkoreanischen Arbeiterpartei waren am Freitag angereist, um an der Trauerfeier für den verstorbenen südkoreanischen Ex-Präsidenten Kim Dae Jung teilzunehmen. Der für die Nordkorea-Politik zuständige Vereinigungsminister Hyun In Taek traf am Samstag gleich zwei Mal Mitglieder der Delegation.

Südkorea hatte angesichts der Spannungen um das nordkoreanische Atomprogramm schon seit Langem die Wiederaufnahme des Dialogs gefordert. Wenn es in den vergangenen Monaten jedoch mal Treffen von Regierungsvertretern gab, ging es dabei vorrangig um die Zukunft des gemeinsamen Industrieparks in Kaesong angesichts der Wirtschaftskrise. In den vergangenen Tagen zeichnete sich dann mit ersten Versöhnungsgesten eine vorsichtige Änderung in der Haltung der kommunistischen Führung in Pjöngjang ab.

Vor den jetzigen Gesprächen in Seoul hatte Nordkorea bereits seine Ankündigung wahr gemacht und die Beschränkungen für den Grenzverkehr zum Industriepark in Kaesong gelockert. Weitere Erleichterungen für grenzüberschreitende Besuche sollen folgen, so sollen wieder mehr Familientreffen und Touristenbesuche aus dem Süden erlaubt werden. Zunächst blieben jedoch direkte Dialogangebote von Seiten Nordkoreas aus.

Proteste: "Nieder mit Kim Jong Il"

Mit der Aufnahme von Gesprächen könnte sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel laut Beobachtern entspannen. Seoul hat jedoch nach den jüngsten Versöhnungsgesten auf Seiten Nordkoreas bereits betont, dass es seinen bisherigen politischen Kurs nicht aufgeben werde. Präsident Lee Myung Bak ist zwar bereit, Nordkorea finanziell zu unterstützen und humanitäre Hilfe zu leisten. Eine bedeutende Ausweitung der Zusammenarbeit will Südkorea jedoch von Pjöngjangs Verzicht auf seine Atomwaffen abhängig machen. So weit ist Nordkorea mit seinen Versöhnungsgesten bisher nicht gegangen.

Am Flughafen und vor dem Hotel, in dem die Nordkoreaner in Seoul untergebracht sind, gab es derweil heftige Proteste. Dutzende Demonstranten skandierten nach Angaben von Augenzeugen "Nieder mit Kim Jong Il" und verbrannten Porträts von ihm und nordkoreanische Flaggen.

can/dpa/AFP



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