Stadterweiterung Moskaus Megawachstum

Mit mehr als elf Millionen Einwohnern ist Moskau längst die größte Stadt Europas - 2012 erhält sie auf einen Schlag rund 250.000 Neubürger. Der Föderationsrat hat eine riesige Erweiterung der Metropole beschlossen. Das neue Gebiet entspricht der Fläche von Berlin und Hamburg.

REUTERS

Moskau - Es ist ein gigantisches Projekt für die Megametropole Moskau: Die russische Hauptstadt wächst am 1. Juli 2012 auf einen Schlag um 1480 Quadratkilometer auf mehr als das Doppelte. Die Fläche entspricht in etwa der Größe von Berlin und Hamburg. Der Föderationsrat hat die von Präsident Dmitrij Medwedew geforderte Erweiterung am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax beschlossen.

Mit der Erweiterung werden auch etwa 250.000 Menschen im Südwesten der Stadt zu Moskauern. Bereits jetzt hat die Stadt mehr als elf Millionen Einwohner.

Insgesamt 19 Gemeinden im Südwesten Moskaus sollen der Hauptstadt zugeschlagen werden. In dem neuen Gebiet, das bisher zum Umland der Metropole gehört, soll schon bald der Bau von Gleisen, Straßen, Schulen und Kindergärten beginnen. Experten schätzen die Kosten für das Mammutvorhaben auf mehrere Dutzend Milliarden Euro. Die russische Regierung setzt offenbar darauf, dass sich ausländische Investoren an dem Projekt beteiligen.

Der künftige Stadtteil soll unter anderem das von Medwedew geplante Finanzzentrum und ein neues Regierungsviertel beherbergen. Es soll zudem Wohnraum für zwei Millionen Moskowiter geschaffen werden. Kritiker befürchten Zwangsenteignungen, um Platz für die Neubauten zu schaffen.

Medwedew hatte im Sommer angeregt, zentrale Verwaltungsorgane aus dem überlasteten Moskauer Zentrum auszulagern. Der Web-Seite "Russland-Aktuell" zufolge wird damit gerechnet, dass Erschließung und Bebauung des Areals, das bislang landwirtschaftlich geprägt ist, bis zu 20 Jahre dauern könnten.

Derzeit sieht sich die russische Regierung massiven Protesten ausgesetzt: Kritiker werfen dem Kreml massive Fälschungen bei der letzten Parlamentswahl vor. Am Samstag waren rund 100.000 Menschen auf die Straße gegangen. Ministerpräsident Wladimir Putin erteilte der Forderung der Opposition nach einer Überprüfung der Wahlen eine deutliche Absage.

"Die Duma-Wahlen sind abgeschlossen, eine Überprüfung steht nicht zur Debatte", sagte er am Dienstag in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache vor Anhängern. Gleichzeitig spielte er die Bedeutung der Opposition herunter, die weder Ziele noch fähige Anführer habe. In seiner ersten öffentlichen Reaktion auf die Proteste gegen die Staatsführung sah Putin keinen Spielraum für Neuwahlen. "Das Parlament hat mit der Arbeit begonnen", sagte er. Möglich sei lediglich der Weg über die Gerichte.

Zugleich warf der Regierungschef der Opposition vor, die Parlamentswahl "delegitimieren und abwerten" zu wollen. "Sie haben kein einheitliches Programm, keinen Weg, wie sie ihre Ziele erreichen können - die wiederum auch nicht klar sind - und keine Leute, die etwas Konkretes erreichen könnten", sagte er. Daher sei die Opposition dazu übergegangen, den Verlauf der Wahl schlechtzureden. Bei der Wahl am 4. Dezember hatte Putins Partei "Einiges Russland" trotz erheblicher Stimmenverluste ihre absolute Mehrheit verteidigt.

hen/dpa/AFP



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ofelas 27.12.2011
1. Das sollte uns was sagen
Oligarchen bringen ihr Geld ins Ausland!
texas_star 27.12.2011
2. fragt man sich nur....
Zitat von sysopMit mehr als elf Millionen Einwohnern ist Moskau längst die größte Stadt Europas -*2012 erhält sie auf einen Schlag rund 250.000 Neu-Bürger. Der Föderationsrat hat eine riesige Erweiterung der Metropole beschlossen. Das neue Gebiet entspricht der Fläche von Berlin und Hamburg. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805961,00.html
...weshalb das ganze dann noch "Stadt" genannt wird wenn man einfach willkuerlich aussenbezirke dazu addiert. ich meine schon jetzt ist Moskau sehr weitraeumig und eine fahrt innerhalb der "stadt" kann stunden dauern. mit der erweiterung wirds noch arger.... aus "rekordlisten" sollte moskau in bezug auf die einwohnerzahl aber verbannt werden... die spielen nicht fair die russen ;) sonst koennte man auch sagen dass New York auf einer vergleichbaren flaeche 15 millionen einwohner hat und selbst "kleinere staedte" wie philadelphia auf ueber 6 millionen kommen. london waere der definition uebrigens nach (und zwar deutlich) die groesste stadt europas mit knapp 14 millionen einwohnern im grossraum london (welcher immer noch kleiner ist als der neue stadtbezirk moskau).
dregflow 27.12.2011
3. Totales Versagen der oberen Garde
Moskau, Kairo, Mexiko-City, Bangkok, Schanghai, und und und. Hier haben definitiv die Landesfürsten mit ihren Jahrhundertplanern total versagt. Auf dem weiten Land nix los, keine Zukunft - also rein in die Megastädte. Ob es letztendlich dort lebenswert ist wird sich bald herausstellen. Da liebe ich meine ländliche Idylle und da bleib ich. Viele werden mich jetzt für einen Spießer halten. Aber das stört mich nicht in geringsten.
krasmatthias 27.12.2011
4. Stau ist normal
Dann hoffe ich, dass man bald wieder mit dem Wagen fahren kann. Im Moment bleibt einem nur die METRO zu nutzen, sollte man mehr als einen Termin am Tag haben.
Zereus 27.12.2011
5. ...
Das ehrlich ergaunerte Volksvermögen der Russen natürlich ;) Das werden die Herrschaften aber irgendwann auch noch zu spüren bekommen. Gab es nicht neulich die Ankündigung von Medwedew, dass man sich in Zukunft bei Siedlungsprogrammen auf die vorhandenen Großstädte in Russland konzentrieren will und sogar ganze Städte aufgeben will? Einfach weil die bisherige städtische Struktur in den extrem großen Gebieten Russlands ineffizient und viel zu teuer ist. Meine da was gelesen zu haben. @texas_star: Das ist in Deutschland auch nicht anders. Vororte werden immer wieder an die nächste größere Stadt angegliedert. Deswegen wird München ja auch "größtes Dorf der Welt" genannt, einfach weil im Lauf der Zeit die ganzen Kleinstädte und Dörfer mit der Stadt verwachsen sind und sich daher zig verschiedene ehemalige "Dorfzentren" in München verstecken.
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