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Starthilfe für die Autobranche: Britische Regierung kopiert Abwrackprämie

Eine Idee macht Schule: Um der notleidenden Autoindustrie zu helfen, will jetzt auch der britische Schatzkanzler Darling eine Abwrackprämie einführen - nach deutschem Vorbild. 2000 Pfund soll es für jeden geben, der ein mindestens neun Jahre altes Auto verschrotten lässt.

London - Schatzkanzler Alistair Darling hat sich Zeit gelassen mit seinen Überlegungen und die britischen Medien monatelang spekulieren lassen. Wird es auch auf der Insel eine Abwrackprämie geben? Starthilfe für die britische Autoindustrie, die wie die Branche weltweit mit enormen Einbrüchen beim Absatz zu kämpfen hat? Auch in England drohen Entlassungen.

Altautos bei einem Verwerter in Leverkusen: Abwracken macht Schule
DPA

Altautos bei einem Verwerter in Leverkusen: Abwracken macht Schule

Doch jetzt hat sich Darling offenbar zu einer Entscheidung durchgerungen. Wie die britische "Times" am Sonntag meldet, will der Schatzkanzler bei der Vorlage seines neuen Budgets am 22. April den Entwurf für ein "scrappage scheme", also eine Abwrackprämie, nach deutschem Vorbild vorstellen.

Minister und ihre Beamte, schreibt das Blatt, seien sehr beeindruckt gewesen, welche Wirkung solche Programme in anderen europäischen Ländern entfaltet hätten. Während Großbritannien im vergangenen Monat bei den Neuzulassungen einen Einbruch von mehr als 30 Prozent zu verzeichnen hatte, seien in Deutschland 40 Prozent mehr Autos verlauft worden als im Vorjahresmonat. Dort habe man es geschafft, den Trend zu drehen.

Die Details der britischen Abwrackprämie werden der "Times" zufolge noch zwischen den zuständigen Ministerien für Wirtschaft und Finanzen ausgehandelt, aber ganz offenbar orientiert man sich an den Zahlen aus Berlin: 2000 Pfund soll es beim Kauf eines Neuwagens geben, etwa 2220 Euro, und zwar wie in Deutschland für jedes Auto, das älter als neun Jahre ist.

Anders als die Bundesregierung haben sich Alistair Darling und Wirtschaftsminister Mandelson aber noch bemüht, die Industrie an der Finanzierung des Programms zu beteiligen - oder wenigstens eine verbindliche Zusage zu erhalten, dass bestehende Rabatte nicht gestrichen werden. Doch die britische Autoindustrie habe sich außerstande gezeigt, meldet die "Times", eine Ankurbelung der Nachfrage mit eigenen Mitteln zu unterstützen. Weniger als die angekündigten 2000 Pfund vom Staat würden nicht genügen, um den gewünschten Effekt zu erzielen, habe der Verband britischer Automobilhersteller (Society of Motor Manufacturers and Traders, SMMT) verlauten lassen.

Der SMMT habe seit Monaten für ein entsprechendes Prämiensystem gewoben, heißt es in der "Times", und sich über das Zögern der Regierung beschwert. Außer Deutschland hätten auch Österreich, Frankreich, Italien, Portugal, Rumänien und Spanien längst Hilfen für die einheimische Autoindustrie beschlossen - mit messbarem Erfolg. Auch China und Brasilien sei es gelungen, die Zulassungszahlen wieder zu steigern. "Eine Abwrackprämie ist genau der Anstoß, den wir brauchen", zitiert die "Times" SMMT-Chef Paul Everitt. "Die Programme, die in Europa bereits angelaufen sind, beweisen doch, dass die Nachfrage reagiert. Das Königreich ist der einzige wichtige Markt in Europa, der bisher kein vergleichbares Programm aufgelegt hat." Der SMMT schätzt die Kosten für das erste Jahr eines Prämiensystems auf rund 160 Millionen Pfund.

Erst vergangene Woche hatten sich auch die USA die Erfolgsidee aus Europa für den eigenen Markt zu Eigen gemacht: In einer dramatischen Rede an die Autobranche lobte US-Präsident Barack Obama die Abwrackprogramme als vorbildlich und "erfolgreich" und versprach, solche auch in den USA einzuführen - und zwar nicht irgendwann, sondern "rückwirkend ab heute". Er wird allerdings einen deutlich höheren Betrag dafür in sein Budget einstellen müssen als die Engländer: Auf Amerikas Straßen fahren schätzungsweise 250 Millionen Autos und leichte Trucks. Davon sind rund 30 Prozent mindestens 15 Jahre alt, allein das wären 75 Millionen Abwrackkandidaten.

oka

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