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Statt Facebook und Twitter: Revolutionäre organisieren sich über Hochzeitsportal

Liebevoller Revolutions-Code: Weil der libysche Geheimdienst Facebook und Twitter überwacht, flüchten die Aufständischen in unverdächtige Ecken des Internets. Über eine Online-Partnervermittlung tauschen sie versteckte Botschaften aus.

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Partnervermittlung Mawada: "Möge Dein Tag voller Jasmin sein"

Hamburg - Neue Medien stürzen alte Regime. Zuerst in Tunesien, dann in Ägypten und nun wohl auch in Libyen: Die Revolutionäre organisieren sich übers Internet. Menschen, die Bürger werden wollen, tauschen sich via Facebook und Twitter aus und verabreden sich per SMS, E-Mail oder Posting zu Demonstrationen. Zwar haben nur wenige Menschen in Nordafrika zu Hause einen Internetanschluss - aber viele haben ein Handy.

In seinem Kampf gegen den drohenden Machtverlust hat der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi auch das (mobile) Internet abgeschaltet. So brachial diese Methode auch ist, sie funktioniert meistens nur zeitweise. Deshalb lässt Gaddafi Facebook und Twitter systematisch vom Geheimdienst überwachen.

Allerdings zeigt sich in Libyen auch, dass die vergangenen Regime der medialen Zukunft nur hinterherlaufen können. Denn die Gaddafi-Gegner tauschen sich inzwischen über unverdächtige Portale aus - Geheimsprache inklusive. Das berichtet der Nachrichtensender ABC auf seiner Website.

"Ich will lieben" bedeutet "Ich will Freiheit"

Die Nachrichtenseite schildert das Beispiel von Omar M., der die Bewegung Ekhtlelaf (arabisch "Unterschied") anführt und der sich bei der Online-Partnervermittlung Mawada angemeldet hat. Der Geschäftsmann, der nach eigenen Angaben bislang nicht politisch aktiv war, hat sich das Profil "Wo ist Miriam?" zugelegt und so getan, als suche er eine Frau. M. sagte ABC News, er habe dies für die Freiheit getan - nicht um zu heiraten.

Weil die konservative Online-Site den Austausch zwischen Männern nicht erlaubt, haben sich andere Revolutionäre dem Bericht zufolge als Frauen ausgegeben - mit Pseudonymen wie "Süßer Schwetterling" oder "Das Mädchen aus der Wüste".

In ihren poetisch anmutenden Nachrichten versteckten die Aufständischen revolutionäre Botschaften. So soll der Satz "Möge Dein Tag voller Jasmin sein" eine codierte Referenz für die Jasmin-Revolution, also den Umsturz in Tunesien, sein. Die Antwort "Dein Tag auch. Ich hoffe, Du rufst mich an" bedeutet demnach, für Aktionen bereit zu sein. "Ich will lieben" ("I want love") ist der Code für "Ich möchte Freiheit" ("I want liberty"). Wer den Satz "I LLLLLove you" schreibt, will mit den fünf Ls aussagen, dass er fünf Unterstützer bei sich hat.

In den vermeintlichen Liebesbotschaften sind auch Hinweise versteckt, wenn es brenzlig werden könnte. Um möglichen Überwachern des Geheimdienstes zu entkommen, heißt es dann schon mal, man solle die Unterhaltung doch woanders fortsetzen.

böl

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Danke für den Tipp !!!
liquimoly 27.02.2011
Bei aller journalistischer Freiheit, aber wem will die Redaktion jetzt zuarbeiten?
2. Das ist ja sehr interessant....
alexl1966, 27.02.2011
....aber wieso schicken Sie dem lybischen Geheimdienst nicht direkt eine Mail mit Ihren Erkenntnissen. Die lybische Opposition hat es ohnehin schwer genug, da müssen ausländische Reporter auch noch ihren Beitrag leisten. Unfassbar!
3. äh
problematix 27.02.2011
Zitat von sysopLiebevoller Revolutions-Code:*Weil*der libysche Geheimdienst*Facebook und Twitter überwacht, flüchten die Aufständischen*in unverdächtige Ecken des Internets.*Über eine Online-Partnervermittlung tauschen sie*versteckte Botschaften aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,747981,00.html
Süper-Geheim
4. no title!
psypunk 27.02.2011
Zitat von sysopLiebevoller Revolutions-Code:*Weil*der libysche Geheimdienst*Facebook und Twitter überwacht, flüchten die Aufständischen*in unverdächtige Ecken des Internets.*Über eine Online-Partnervermittlung tauschen sie*versteckte Botschaften aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,747981,00.html
ist es dann sinnvoll, darüber zu berichten? (okay, wir schmieden umsturzpläne natürlich auch über bild.de, ist doch klar... :)
5. Interessant
Skade, 27.02.2011
naja, so geheim kann es nicht sein, wenn sogar der Spiegel darüber berichtet.
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