Buch zur Russlandaffäre Steve Bannon attackiert Trump junior

Steve Bannon, Ex-Berater von Donald Trump, hat dessen Sohn Verrat vorgeworfen: Dessen Treffen mit einer russischen Anwältin sei "unpatriotischer, übler Mist" gewesen. Der US-Präsident keilt zurück - und wie.

Steve Bannon (Archiv)
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Steve Bannon (Archiv)


Donald Trumps ehemaliger Chefstratege und Wahlkampfleiter Stephen Bannon hat den Sohn des US-Präsidenten scharf kritisiert. Bannon wertet ein Treffen des 40-jährigen Donald Trump junior mit einer russischen Anwältin im Wahlkampf 2016 als "Verrat, unpatriotisch und üblen Mist".

Seinen Spott und Erstaunen über das Treffen im New Yorker Trump Tower drückte Bannon in dem Buch "Fire and Fury" von Michael Wolff aus, aus dem der britische "Guardian" und die Nachrichtenagentur Reuters vorab zitieren. Das Buch soll das Innenleben des Weißen Hauses behandeln und kommende Woche erscheinen. Es basiert angeblich auf 200 Interviews.

Trump: "Steve verlor nicht nur seinen Job, sondern auch seinen Verstand"

Bannon wird darin zu dem Treffen Trump juniors mit den Worten zitiert: "Die drei ranghohen Herren hielten es für eine gute Idee, in einem Konferenzraum im 25. Stock des Trump Towers eine Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen - ohne Anwälte. (...) Jemand hätte sofort das FBI rufen sollen."

Trumps ältester Sohn hatte im Juli 2017 unter Druck zugegeben, sich mit einer russischen Anwältin getroffen zu haben. Von ihr hatte er sich heikle Informationen über die damalige Gegenkandidatin seines Vaters versprochen, die Demokratin Hillary Clinton. Mit im Raum waren auch Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner sowie der damalige Wahlkampfchef Paul Manafort. Donald junior hatte auf das Angebot, sensible Informationen über Clinton zu erhalten, geantwortet: "Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich es."

Präsident Trump steht wegen mutmaßlich illegaler Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams enorm unter Druck. Mit der Affäre befasst sich unter anderem der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Die Ermittlungen führten bereits zu einer Anklage gegen Manafort. Ihm wird Geldwäsche im Zusammenhang mit seinem Lobbyisten-Job für prorussische Kräfte in der Ukraine vorgeworfen.

Bannon: "Sie werden Don Jr. wie ein Ei knacken"

Sonderermittler Mueller wird sich laut Bannon ganz auf das Thema Geldwäsche konzentrieren. Muellers Team werde versuchen, Trump unter anderem über seinen Sohn zu Leibe zu rücken. "Sie werden Don Jr. im landesweiten Fernsehen knacken wie ein Ei." (Lesen Sie hier mehr zu den Ermittlungen in der Russlandaffäre.)

Bannon hatte die Machtzentrale im August 2017 verlassen. Er kehrte nach eigenen Worten zum rechtspopulistischen Internetportal Breitbart zurück - um von dort aus weiter für Trump zu kämpfen. Nur kurze Zeit später nahm das Portal aber vermehrt den Präsidenten und dessen Außenpolitik ins Visier.

Präsident Trump reagierte aggressiv auf Bannons Worte: "Als er gefeuert wurde, verlor er nicht nur seinen Job, sondern auch seinen Verstand", teilte er mit. Mit seinem Wahlsieg habe Bannon nur wenig zu tun gehabt - er sei stattdessen dafür verantwortlich, dass die Republikaner einen wichtigen Senatssitz im US-Bundesstaat Alabama verloren hätten, den die Partei seit mehr als 30 Jahren kontrolliert habe.

"Steve repräsentiert nicht meine Basis - er ist nur für sich selbst da", heißt es in einer Mitteilung Trumps. Seine Zeit im Weißen Haus habe Bannon nur dafür genutzt, falsche Informationen an die Medien zu geben und sich wichtiger zu machen, als er war. "Das ist das einzige, was er gut kann."

apr/Reuters/dpa/AFP

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