Seltenes Interview mit Trumps Chefstratege Bannon bezeichnet rechte Demonstranten als "Clowns"

Er gilt als nationalistische Stimme im Trump-Team. In der Gunst des Präsidenten sank er zuletzt, sogar von Rauswurf war die Rede. Nun gab er ein Interview - ausgerechnet einem linken Medium. War es ein Versehen?

Steve Bannon
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Steve Bannon


Öffentliche Statements oder Interviews mit Journalisten sind bei Donald Trumps Chefstratege in den vergangenen Monaten zur Seltenheit geworden. In Washington wird bereits vermutet, dass Stephen Bannon als Nächster auf Trumps Abschussliste stehen könnte. Umso erstaunlicher ist es, dass der einstige Chef der rechtspopulistischen Nachrichtenseite Breitbart News plötzlich ein Interview gab - und dann auch noch "American Prospect", einem Medium, das politisch eher links verortet wird. Seine Aussagen überraschen.

Auf die rechten Ausschreitungen in Charlottesville angesprochen, sagte Bannon, die rechtsradikale Bewegung sei "unbedeutend". Er bezeichnete sie als "Verlierer" und "Ansammlung von Clowns", die von den Medien zu sehr in den Fokus gerückt wurden.

Eine erstaunliche Bemerkung, gilt Bannon doch selbst als radikaler Meinungsmacher mit starken Sympathien für die rechtsextreme Szene. Schließlich soll sein einstiges Internetportal zum Erstarken der antisemitischen und rassistischen "Alt Right"-Bewegung beigetragen haben, deren Mitglieder auch in Charlottesville demonstrierten.

In dem Interview widersprach Bannon mit Blick auf den Nordkorea-Konflikt außerdem dem Präsidenten: Es gebe "keine militärische Lösung" des Atomkonflikts mit Pjöngjang, sagte er. Trump selbst hatte Nordkorea mit einem militärischen Eingreifen gedroht.

Die Konfrontation mit Nordkorea sei "nur ein Nebenschauplatz", sagte der Stratege. In Wahrheit drehe sich alles um den Handelskonflikt mit China. "Der Wirtschaftskrieg mit China ist alles. Und wir müssen uns wahnsinnig darauf konzentrieren", zitierte "American Prospekt" Bannon. Ansonsten würden die USA gegenüber Peking in spätestens zehn Jahren deutlich an Einfluss verlieren. Bannon erklärte, die USA sollten deswegen hart gegen die Volksrepublik im Handelsstreit vorgehen.

Überraschendes Telefoninterview

Bannons Äußerungen kamen überraschend - und auch die Wahl des Mediums war es. Robert Kuttner, Vizechefredakteur des Magazins "American Prospect", erhielt plötzlich eine Mail der Sekretärin Bannons - mit der Bitte um ein Treffen. Zuvor hatte Kuttner eine Kolumne darüber geschrieben, wie China vom Atomkonflikt mit Nordkorea profitiert. Bannon und Kuttner hatten vorher nach Angaben des Autors nie Kontakt gehabt.

Da Kuttner im Urlaub war, verabredeten sie sich zum Telefongespräch. Wusste Bannon, dass er gerade ein Interview gab? Eine offizielle Absprache gab es zumindest nicht, für den Journalisten hieß das: zur Veröffentlichung erlaubt.

Ob Bannon das wirklich wollte, ist unklar. Nach Veröffentlichung des Interviews kursierten Meldungen, die infrage stellten, dass Bannon damit einverstanden war, berichtet der britische "Guardian". Das Weiße Haus äußerte sich bislang nicht zu dem ungewöhnlichen Interview.

mho

insgesamt 45 Beiträge
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geboren1969 17.08.2017
1. Er nennt die Rechten beim Namen!
Clowns!
Balschoiw 17.08.2017
2. Clowns
bringen in der Regel keine Menschen um, Nazis schon.
Pfaffenwinkel 17.08.2017
3. Bannon
gibt sich m.E. nach als Wolf im Schafspelz.
kospi 17.08.2017
4.
Bannon ist zu clever, um etwas unüberlegtes zu tun oder zu sagen. Die Frage ist jetzt, was er mit diesem Interview erreichen will.
Architectus 17.08.2017
5. ...durchschaubar
Er versucht seine A..... zu retten indem er sich zum schein distanziert. Und er fällt damit Trump in den Rücken um ihn zu schwächen. Zudem ist es ein weiterer Versuch, die rechtsradikale Bewegung zu bagatellisieren.....sind ja nur ein paar Looser und Clowns, die muss man nicht ernst nehmen. Das ist eine leicht durchschaubare, intrigante Aktion......die US-Amerikaner fürchte ich werden aber darauf hereinfallen.
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