Ex-Berater provoziert Trump Bannon der Barbar

Nach seinem Rauswurf aus dem Weißen Haus wollte Steve Bannon für Donald Trump weiterkämpfen. Es blieb beim Lippenbekenntnis: Längst ist er zum mächtigen Gegner des US-Präsidenten geworden.

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Wenige Tage vor seinem Rauswurf aus dem Weißen Haus beklagte sich Steve Bannon noch bei Freunden über seine Situation. Der Posten als Chefstratege schränke ihn stark ein. Er denke darüber nach, in die reale Welt zurückzukehren. Dort, wo er seinen Kampf gegen das Establishment im Land begonnen habe. Es werde wieder Zeit für "Bannon den Barbaren."

Die Szene stammt aus dem August 2017. Mehrere Medien haben sie beschrieben. Kurze Zeit später tat US-Präsident Donald Trump seinem bis dahin engsten Mitarbeiter den Gefallen - wenn auch eher auf die harte Tour: Er warf ihn raus.

Dafür gab es viele Gründe, im Kern ging es aber wohl vor allem um verletzte Eitelkeiten. Als Bannon dem Präsidenten dann im Atomkonflikt mit Nordkorea öffentlich widersprach und die von Trump ins Spiel gebrachte "militärische Lösung" als falsch bezeichnete, senkte der den Daumen.

Bannon hingegen verbreitete die Version eines freiwilligen Rückzugs. Der 64-Jährige schien sogar ohne Groll zu gehen und kündigte an, gegen Trumps "Widersacher in den Krieg" ziehen zu wollen.

Davon ist vier Monate später nicht mehr viel übrig.

Die Insiderinfos über Trump und die US-Regierung, die Trumps Ex-Berater offenbar an einen Enthüllungsjournalisten weitergab, deuten stark darauf hin: Bannon der Barbar ist wirklich zurück - sein Gegner ist aber nicht mehr nur der vermeintliche Sumpf der Ostküstenelite, sondern nun auch der Präsident selbst.

Die für das Buch gelieferten Infos und Aussagen bedeuten den endgültigen Bruch zwischen Trump und Bannon - das Ende kommt plötzlich, aber nicht überraschend.

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Der Rechtspopulist kann Trump und dessen Familie gefährlich werden. Denn Bannon besitzt mächtige Waffen: Insiderinfos und seine ultrakonservative und reichweitenstarke Nachrichtenseite Breitbart News, zu der er nach seinem Rauswurf aus dem Weißen Haus in leitender Position zurückkehrte.

Doch davon machte Trumps Ex-Weggefährte nach seinem Ende im Weißen Haus nur dosiert Gebrauch. Denn so ganz riss der Kontakt zwischen dem US-Präsidenten und dem 64-jährigen Bannon zunächst nicht ab. Mindestens fünf Mal telefonierten die beiden noch in den Monaten nach seinem Rauswurf, bestätigte das Weiße Haus - ob es auch persönliche Treffen gab, ist nicht bekannt. Der Kitt des gemeinsamen Erfolgs aus dem Präsidentschaftswahlkampf schien zu halten. Noch.

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Enthüllungsbuch über Trump: Drama, Bannon!

Mit der Zeit deutete sich aber an, dass Bannon seinen Ton gegenüber Trump und dessen Familie verschärfen würde. Zum Beispiel auf Breitbart News, also jenem Medium, das lange Trump und seine populistischen Thesen unterstützt hatte: Kurz nachdem der US-Präsident seine Afghanistan-Strategie vorgestellt hatte, in der er auch überraschenderweise eine Truppenaufstockung ins Spiel brachte, poppten auf Breitbart spöttische Überschriften auf. Der "Zickzackkurs" Trumps wurde verrissen.

Hatte Bannon hier schon seine Finger im Spiel? Beweisen ließ sich das nicht. Jedoch hatte er schon kurz nach dem Ende seiner Arbeit für Trump bereits wieder die Breitbart-Konferenz geleitet - zudem galt er als absoluter Gegner einer Truppenaufstockung.

Und danach ging Bannon weiter auf Konfrontationskurs.

In Alabama unterstützten der Präsident und er unterschiedliche Kandidaten der Republikaner für die Senatsnachwahl. Trump setzte auf den eher moderaten Kandidaten Luther Strange, Bannon sprach sich für den christlichen Hardliner Roy Moore aus - dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden. Trump und sein Kandidat verloren den internen Machtkampf, Bannon setzte sich mit Moore durch. Der hatte später gegen seinen demokratischen Konkurrenten aber das Nachsehen.

Steve Bannon und Ivanka Trump
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Steve Bannon und Ivanka Trump

Angriff auf Tochter Ivanka

Kurz vor Weihnachten pestete Bannon dann in einem Interview gegen Trumps Tochter. Ivanka sei die "Königin der Leaks" und "Quell der schlechten Ratschläge". Dass das Verhältnis der beiden als angespannt galt, hatten US-Medien immer wieder berichtet. Beide konkurrierten um die Aufmerksamkeit des Präsidenten.

Die Details aus dem Skandalbuch bilden nun den Höhepunkt der Scharmützel aus den Vormonaten. Und sie könnten den Präsidenten ernsthaft in Bedrängnis bringen: Schließlich wird er in dem Buch "Fire and Fury: Inside the Trump White House" mehrfach mit brisanten Infos zitiert.

So soll Trump über eine Zusammenkunft seines Sohnes Donald junior, Wahlkampfmanager Paul Manafort und Jared Kushner mit einer russischen Anwältin informiert gewesen sein - von dem Treffen hatte sich die Gruppe im Wahlkampf belastendes Material über Konkurrenten Hillary Clinton erhofft. Trump hatte seine Kenntnis davon bisher immer dementiert (mehr zu den möglichen Konsequenzen lesen Sie hier).

Für Trump und seine Präsidentschaft sind diese Angriffe äußerst gefährlich - auch wenn noch nicht klar ist, ob alle Details des Buchs auch korrekt sind. Die Nachrichten sind erst mal in der Welt. Viel schlimmer ist für Trump allerdings: Bannon ist unberechenbar - und niemand weiß, welche Insiderinfos noch an die Öffentlichkeit gelangen könnten.


Zusammengefasst: Steve Bannons Interviews für ein Enthüllungsbuch über das Weiße Haus haben zum endgültigen Bruch mit Donald Trump geführt. Der Ex-Chefstratege des US-Präsidenten wollte nach seinem Rauswurf eigentlich Trump weiterhin unterstützen, schaltete zuletzt aber vermehrt in den Angriffsmodus. Das könnte Trump und seiner Familie gefährlich werden: Bannon weiß viel und führt mit Breitbart News eine Plattform, mit der er viele Menschen erreichen kann.

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