US-Presse zu Bannon-Rücktritt "Chefstratege eines strategielosen Weißen Hauses"

Auf den Rücktritt von Stephen Bannon reagieren US-Kommentatoren erleichtert: Manche sehen ihn gar als späte Antwort auf die Gewalt von Charlottesville. Doch die Zeitungen warnen auch, Bannon könne künftig noch gefährlicher sein.

Stephen Bannon
REUTERS

Stephen Bannon


"Wall Street Journal"

"Herrn Bannon wird zugeschrieben werden, dass er Trump zur Wahl verhalf, nachdem er zusammen mit Kellyanne Conway spät Teil der Kampagne wurde und ihr mehr Disziplin und Fokussierung verpasste. Im Weißen Haus gehörte er zu den Unterstützern von Herrn Trumps beiden größten Erfolgen - Deregulierung und die Berufung von Neil Goruch in den Supreme Court. Doch der Rest der Bannon-Präsidentschaft ist nach allen Maßstäben kolossal gescheitert."

"Washington Post"

"Stephen K. Bannon hat Ärger im Weißen Haus verursacht. Draußen könnte er noch größeren Einfluss haben. (…...) Falls ein verbitterter Bannon in die Medien zurückkehrt und Enttäuschung unter Trumps Anhängern verbreitet, könnte er zum Problem für Trump werden. Der frühere Breitbart-Mitarbeiter Ben Shapiro hat einen erbitterten Kampf vorhergesagt. (…...) Noch ein möglicher Nachteil für Trump: Bannon war zum Teil ein nützliches Schutzschild. Die Kritiker des Präsidenten machten manchmal Bannon und nicht Trump allein für politische Fehler verantwortlich. Bannon selbst schien sich die Rolle zu eigen zu machen, als er der "Daily Mail" am Donnerstag sagte, sein Anruf beim "American Prospect" habe Trump "aus der Schusslinie gebracht".

"Chicago Tribune"

"Bannons Abschied ist eine willkommene Nachricht für das Land, weil er eine spalterische und abstoßende Art von Politik vertritt. Als ehemaliger Chef von Breitbart News war Bannon die Verbindung der Trump-Kampagne zur bösartigen Alt-Right-Bewegung. Als hochrangiger Mitarbeiter der Trump-Regierung erinnerte Bannon daran, dass manche weiße Nationalisten und andere Schurken Teil von Trumps Basis sind. Eine Woche nach der Gewalt in Charlottesville musste Trump eine Botschaft senden, um seine vermasselte, verquere Reaktion auf den dort gezeigten Rassismus und Intoleranz zu kontern. Bannons Absetzung könnte diese Botschaft sein, auch wenn Bannon sagt, er habe noch vor den Charlottesville-Unruhen gekündigt."

"New York Times"

"Es wäre schön zu glauben, dass der Abschied von Steve Bannon, Chefstratege eines strategielosen Weißen Hauses, bedeutet, dass Präsident Trump sich ganz langsam von weißen Nationalisten-Gefühlen verabschiedet. Aber dazu müsste man vergessen, dass Herr Trump "Birther"-Lügen und rassistische Memes schon lange vor seiner Zusammenarbeit mit Herrn Bannon gepflegt hat" (…...) Doch Herr Bannon, der am Freitag umgehend als Vorstandschef zu Breitbart zurückkehrte, stellt immer noch eine Bedrohung unserer Politik im Allgemeinen dar. Außerhalb des Weißen Hauses hat er mehr Freiheit, seine Truppen gegen jeden zu mobilisieren, der sich nicht seiner nationalistisch-protektionistischen Linie beugt. Ein von Bannon angeführter, rechter Gegenschlag gegen Trump, der die schlimmsten Impulse von Nationalisten selbst im Amt entfesselt hat, wäre eine passende Strafe."

"San Francisco Chronicle"

"Er wird nicht vermisst werden. Aber mit jedem Rauswurf wächst die Gefahr für Trump. Bald wird niemand mehr übrig sein, den man für das Chaos, das moralische Vakuum und die Verwirrung im Weißen Haus verantwortlich machen kann - außer dem Chef an der Spitze."

dab

insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
franxinatra 19.08.2017
1. Bannons Abgang wird eher die GOP spalten
denn Frieden ins Weiße Haus bringen. Trump-Anhänger aus meiner Verwandtschaft demonstrieren mir mit ihren FB-Statements eine bemerkenswerte Sicht auf die Welt. Obwohl diese Rechtsaussen nur wenige Prozent der Wahlberechtigten ausmachen ist doch erschütternd wie in den USA der Schwanz mit dem Hund wedelt...
Prinzen Paule 19.08.2017
2. Strategy los für die US Wirtschaft ...
So Strategielos wie Donald Trump ist genauso Strategilos ist auch die meiste der US Wirtschaft. Bis auf ganz wenige Konzerne denk die amerikanische Wirtschaft nur quartalsmäßig was sie dadurch immer ins Hintertreffen gegen strategisch langfristige Unternehmen stellt. Und das ist genau der Nachteil den Trump nicht kapiert. Sollten uns ein Vorteil nutzen und gemeinsam mit den Amerikanern langfristig denken damit die auch Resourcen retten und nicht nur wie blöd Produkte produzieren die man dann nach 18 wieder weg wirft
sun+sail 19.08.2017
3. Strategielos?
Man kann über die Trump Regierung sicherlich vieles sagen. Aber strategielos ist sie mit Sicherheit nicht.
die-metapha 19.08.2017
4.
Zitat von franxinatradenn Frieden ins Weiße Haus bringen. Trump-Anhänger aus meiner Verwandtschaft demonstrieren mir mit ihren FB-Statements eine bemerkenswerte Sicht auf die Welt. Obwohl diese Rechtsaussen nur wenige Prozent der Wahlberechtigten ausmachen ist doch erschütternd wie in den USA der Schwanz mit dem Hund wedelt...
Diese Präsidentschaft treibt enorm viele rechtslastige Kräfte unter den Steinen hervor. Die Frage ist nicht, ob das eine USA aushält, sondern ob sie dies aushalten muss. Die enorme Energie wird dort in gesellschaftlicher Spaltung freigesetzt und die Probleme der USA werden in keinster Weise kleiner - sie nehmen täglich zu. Weltsicht hin, Weitsicht her - eine solche ersetzt nun mal nicht einen nötigen Realismus und den normalen menschlichen Verstand. Dies nicht zu erkennen und nicht in der Lage zu sein, Vorgänge miteinander verbinden zu können und dadurch etwas zu abstrahieren ist aus meiner Sicht ein Zeichen dafür, dass hier wenig Bildung und wenig Intellekt miteinander symbiosenhaft verschmelzen. Es wäre daher höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen.
HaPeGe 19.08.2017
5. Strategie ?
Wenn Donald Trump eine Strategie hat, dann ist sie zumindest nicht sofort erkennbar. Die amerikanische Politik ist alle Fälle nicht berechenbar, sie ist nicht vorhersehbar. Für die übrige Welt, aber auch für das eigene Land eher eine Belastung. Fortschritte hat es bisher nicht gegeben. Was Stephen Bannon angeht, ... seine Sicht der Dinge dieser Welt sind weit weg von den Realitäten dieser Welt. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Amerikaner so gut wie gar nichts wissen über die Welt um sie herum. Erschreckend !
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