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Steuererklärung: Clintons legen Millionen-Klüngel offen

Von , New York

109 Millionen Dollar in sieben Jahren - die Clintons haben kräftig kassiert, seit sie das Weiße Haus verlassen haben. Pikant für Hillary Clintons Wahlkampf: Die jetzt offengelegten Steuererklärungen enthüllen ein Netz aus Geschäftspartnern - das bei ihren Anhängern für Irritationen sorgen dürfte.

New York - Sie nennen es "document dump" - Akten-Entsorgung. Es ist ein Trick, den Bill Clinton schon als US-Präsident perfektionierte: Lästige Dokumente werden am späten Freitagnachmittag freigegeben, als geballter Informationsschwall - in der Hoffnung, dass die Story versandet und die Folgen minimal bleiben.

Ehepaar Clinton: Dichtes Netz an Geschäftspartnern
DPA

Ehepaar Clinton: Dichtes Netz an Geschäftspartnern

Denn erstens sind dann viele Redaktionen schon halb verwaist. Und zweitens interessieren sich am Wochenende weniger Amerikaner für Nachrichten.

So auch diesmal. Am Freitag um 16.01 Uhr - während alle US-Nachrichtensender live mit den Gedenkfeiern zum 40. Todestag Martin Luther Kings beschäftigt waren - stellten Bill und Hillary Clinton 221 potentiell brisante Aktenseiten ins Internet: ihre Steuererklärungen von 2000 bis 2006 sowie eine Zusammenfassung fürs vergangene Jahr, für das sie Fristverlängerung beantragt haben.

Es waren Zahlen, nach denen Clintons Vorwahlrivale Barack Obama seit Wochen gerufen hatte - der erste Einblick überhaupt in die Finanzen des Paars, seit sie 2001 das Weiße Haus verließen. Die Gesamtsumme der Einkünfte verschlug vielen den Atem - 109,2 Millionen Dollar. "Goldene Jahre für die Clintons", schlagzeilte der "Boston Globe" und zitierte dazu den Ökonom Dean Baker: "Wow!"

So ganz gelungen war das Timing diesmal freilich nicht. Denn am selben Tag wurden die neuesten, miserablen US-Arbeitsmarktzahlen publik. Woraufhin die "New York Times" gestern mit einer cleveren Doppelschlagzeile aufmachte. Rechts: "80.000 Jobs verloren." Links: "Clintons verdienten 109 Millionen."

Kaum ein wünschenswertes Bild, so kurz vor der nächsten Vorwahl in Pennsylvania, bei der Clinton auf die Stimmen einfacher Wähler setzt. "Die Summe könnte ein politisches Risiko für Senatorin Clinton werden", schrieb das "Wall Street Journal", "falls die Wähler glauben, dass ihr Reichtum sie von den Belangen gewöhnlicher Amerikaner entfernt."

Ähnlich kritische Kommentare gab es auf vielen Blogs. "Das Vermögen der Clintons zerstört Hillarys populistische Message", konstatierte der Obama-freundliche Blogger Richard Silverstein. "Ich wette", lästerte ein User auf dem Polit-Blog "Politico", dass "die armen Leute in Pennsylvania jetzt Mitleid mit ihr haben". Doch nicht nur die reine Summe könnte ein Stolperstein für Clinton werden. Bei näherem Hinsehen offenbaren die Formulare - die von Jahr zu Jahr immer länger werden, mit immer elaborierteren Anlagen - außerdem einen eng verwobenen Klüngel aus Finanziers, Geschäftspartnern und Wahlkampfspendern. Und deren Interessen widersprechen dem volksnahen Wahlkampf-Image Clintons ebenfalls oft krass.

Etwa der Name Yucaipa, der ab 2003 durch die Clinton-Steuerklärungen geistert - verbunden mit achtstelligen Einkommensposten. Yucaipa ist eine Private-Equity-Firma, und ihr Chef, der kalifornische Supermarktmagnat Ron Burkle, ist ein enger Freund der Familie.

Ein cleverer Freund: Burkle hat die Yucaipa-Einlagen teils auf den Cayman Islands geparkt - eine Offshore-Steueroase, wie sie Hillary Clinton im Wahlkampf gern verteufelt. Einer seiner Top-Investoren ist Scheich Muhammad ibn Raschid Al Maktum, der Herrscher von Dubai. Als der 2006 sechs US-Seehäfen kaufen wollte, war Hillary Clinton eine der schärfsten Kritiker des Deals, der schließlich am Widerstand des Kongresses platzte.

Privat sieht das alles anders aus. Da sitzen die Clintons mit dem Scheich und den Offshore-Anlegern in einem Boot: Seit 2003 dient Bill Clinton Yucaipa als "Berater" und Aushängeschild, um mit seinem Namen Investoren anzulocken. Das war zwar schon bekannt, doch hatte Clinton bisher nur zugegeben, damit "mehr als 1000 Dollar" verdient zu haben.

Die Steuererklärungen enthüllen nun erstmals die wahre Summe dieses Gegengeschäfts: Clinton bekam dafür von 2003 bis 2006 mindestens 12,6 Millionen Dollar - plus weitere 2,7 Millionen Dollar in 2007, die jedoch in der vorläufigen Zusammenfassung nur quellenlos als "Beteiligungseinkünfte" vermerkt sind.

Eine Hand wäscht die andere: Burkle ist zugleich einer der emsigsten Wahlkampf-Finanziers Hillary Clintons. Als "Hillraiser" hat er mehr als eine Million Dollar für sie gesammelt. Er gab Fundraising-Dinner in seiner Villa in Beverly Hills und überwies sechsstellige Summen an politische Interessengruppen, die Clinton unterstützen.

Bill Clinton hat angekündigt, seine suspekte Yucaipa-Beteiligung abzuwickeln, sollte seine Frau tatsächlich Präsidentschaftskandidatin werden. Das dürfte ihm wiederum einen weiteren Geldsegen bringen, der aber erst mit der Steuererklärung 2008 verbucht würde.

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