Video Terrormiliz IS enthauptet offenbar weitere US-Geisel

Ein neues Video im Internet soll die Hinrichtung eines US-Journalisten zeigen: Die Terrormiliz IS hat nach eigenen Angaben den Gefangenen Steven Sotloff getötet.


Kairo - Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) behauptet, den verschollenen US-Journalisten Steven Sotloff getötet zu haben. In einem am Dienstag im Internet veröffentlichten Video ist angeblich die Hinrichtung des Reporters zu sehen. Das meldet die Organisation Site Monitoring Service, die auf Online-Foren von Dschihadisten spezialisiert ist.

In dem Video präsentieren die Entführer Sotloff im orangefarbenen Overall, eine Anspielung auf die Häftlingskleidung im US-Gefangenenlager Guantanamo. Die Geisel muss sich selbst vorstellen, ein Mikrofon steckt am Revers, die Kameraperspektive wechselt - alles deutet auf eine sorgfältige Inszenierung hin. Der Akt des Tötens selbst wird nicht gezeigt.

Die Echtheit der Aufnahmen lässt sich bis jetzt nicht verifizieren. Auch das Weiße Haus meldete, die Echtheit des Videos könne nicht bestätigt werden.

Vor zwei Wochen sorgte ein ähnliches Video für Empörung: Darin wurde die Hinrichtung des Journalisten James Foley gezeigt, der seit 2012 in Syrien verschollen war. Der IS begründete seinen Tod damit, dass US-Präsident Barack Obama Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak angeordnet hatte. Britische Geheimdienste machten eine Woche später einen britischen Rapper als mutmaßlichen Täter aus.

Enthauptung war angekündigt

Am Ende dieses Videos war bereits ein weiterer Gefangener zu sehen: Der Henker stellte ihn als den Journalisten Steven Sotloff vor. Damals drohte der IS bereits damit, auch Sotloff zu töten. Es hänge von den zukünftigen Entscheidungen des US-Präsidenten ab, ob auch dieser Amerikaner sterben müsse, heißt es.

In der Woche darauf richtete sich Sotloffs Mutter mit einer Videobotschaft an dessen mutmaßlichen Entführer: In ihrer Nachricht, die unter anderem von der "New York Times" veröffentlicht wurde, appellierte Shirley Sotloff direkt an den Anführer der IS-Terrormiliz, Abu Bakr al-Bagdhadi, ihren Sohn freizulassen. "Mein Sohn Steven ist in Ihren Händen", sagte sie. "Als Kalif können Sie ihm Gnade gewähren."

Der 31-jährige Sotloff arbeitete als freier Mitarbeiter für "Time" und "Foreign Policy". Im Dezember 2012 berichtete er etwa über die Situation der Bevölkerung in Aleppo. Er schrieb über die politische Entwicklung in Ägypten, Syrien, Bahrain sowie aus Libyen und aus der Türkei. Er wurde zuletzt im August 2013 in Syrien gesehen, dann verschwand er.

Auch in dem neuen Video, in dem mutmaßlich der Tod von Sotloff gezeigt wird, zeigt ein maskierter Mann eine weitere Geisel. Dabei soll es sich um den britischen Gefangenen David Haines handeln. Der Entführer drohe in dem Video, die "böse amerikanische Allianz" gegen den "Islamischen Staat" solle nicht weiter unterstützt werden. "Du, Obama, musst für dein Handeln mit dem Leben eines weiteren amerikanischen Bürgers zahlen", wandte der mutmaßliche Henker sich direkt an den US-Präsidenten. "So wie deine Raketen weiter unsere Leute treffen, werden unsere Messer weiter die Nacken deiner Leute treffen."

Insgesamt werden noch immer 30 bis 40 Europäer und Amerikaner in der Hand von IS in Syrien vermutet. Nicht nur Journalisten wurden entführt, sondern auch Entwicklungshelfer. Eine der prominentesten Geiseln in der Hand von IS ist der italienische Jesuitenpriester Paolo Dall'Oglio, der Jahrzehnte in Syrien gewirkt hat und sich für die syrische Aufstandsbewegung einsetzte.

ras/vek/Reuters/AP



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