Stichwahl Christofias ist neuer Präsident Zyperns

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Kommunist Demetris Christofias hat die Stichwahl um die Präsidentschaft in Zypern knapp gewonnen. Der Parlamentspräsident setzte sich gegen seinen Rivalen, den früheren konservativen Außenminister Ioannis Kasoulides, durch.


Nikosia - Der 61-jährige Generalsekretär der Kommunistischen Partei (AKEL) kam bei der Stichwahl auf 53,4 Prozent der Stimmen. Sein Gegenkandidat, der 59-jährige Ioannis Kassoulidis, kaum laut amtlichen Endergebnis auf 46,6 Prozent.

Demetris Christofias bei der Stimmabgabe: Erste Umfragen sehen ihn als Sieger der Stichwahl
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Demetris Christofias bei der Stimmabgabe: Erste Umfragen sehen ihn als Sieger der Stichwahl

Beide hatten beim ersten Wahlgang vor einer Woche jeweils etwa 33 Prozent der Stimmen erhalten und damit den als Hardliner geltenden Amtsinhaber Tassos Papadopoulos aus dem Rennen geworfen. Christofias lag im ersten Durchgang nur 980 Stimmen hinter seinem Kontrahenten zurück. In der zweiten Runde startete er gestützt auf die Wahlempfehlungen von Sozialdemokraten (EDEK) und Papadopoulos' Mitte-Rechts-Partei DIKO in der Favoritenrolle.

Beide Kandidaten kündigten für den Fall ihres Sieges einen Politikwechsel an. Bei ihrer Stimmabgabe versicherten sie, Gespräche mit den türkischen Zyprern im Norden der Insel zur Überwindung der Teilung aufzunehmen. Im Norden der Insel liegt die von türkischen Truppen besetzte und nur von Ankara anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die Mittelmeerinsel ist seit einem Staatsstreich griechisch-zyprischer Nationalisten und einer anschließenden türkischen Militärintervention 1974 geteilt.

"Botschaft der Freundschaft" an die türkischen Zyprer

Nach seiner Stimmabgabe in Nikosia sagte der 61-jährige Christofias, er richte eine "Botschaft der Freundschaft" an die türkischen Zyprer. Er wünsche sich einen "gemeinsamen Kampf zur Wiedervereinigung des Vaterlandes, damit wir unsere eigenen Angelegenheiten ohne äußere Einmischung regeln können". Der 59-jährige Kasoulides sagte, bei der Wahl gehe es darum, ob Zypern ein vollwertiges Mitglied der Europäischen Union mit allen dazu gehörenden Rechten werde.

Der für fünf Jahre gewählte zyprische Präsident ist mit umfangreichen Befugnissen ausgestattet; er ist Staatsoberhaupt und Regierungschef in einer Person. Kasoulides und Christofias treten in der Zypernfrage für einen Bundesstaat mit zwei Zonen ein.

Völkerrechtlich ist die ganze Mittelmeerinsel seit 2004 Mitglied der EU, doch findet deren Regelwerk in dem von türkischen Truppen besetzten Norden keine Anwendung. Ihre Einwohner nahmen nicht an der Wahl teil. An der durch Nikosia verlaufenden Demarkationslinie halten nach wie vor Soldaten der Vereinten Nationen Wache.

2004 billigten fast zwei Drittel der Zyperntürken in einem Volksentscheid einen Plan des damaligen Uno-Generalsekretärs Kofi Annan zur Wiedervereinigung. Die Zyperngriechen hingegen votierten mit einer Drei-Viertel-Mehrheit gegen das Vorhaben. Zur Begründung für ihre Ablehnung verwiesen sie unter anderem darauf, dass der großen Mehrheit der damals vertriebenen griechischen Zyprer die Rückkehr in ihre nördlichen Heimatorte verwehrt bleibe. Für die rund 500.000 Stimmberechtigten herrschte Wahlpflicht. Die Wahllokale wurden um 17 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) geschlossen.

han/AFP/dpa



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