Stimmung in Iran: Auftrieb für die Feinde des Westens

Von , Islamabad

Israels Falken trommeln gegen Irans Atomprogramm, drohen mit einem Militärschlag. Wie reagieren normale Iraner? Eine Umfrage unter Studenten und Dozenten zeigt: Selbst Gegner von Präsident Ahmadinedschad wenden sich gegen den Westen - und wähnen ihr Land als Opfer feindlicher Mächte.

Atomkonflikt: Säbelrasseln zwischen Israel und Iran Fotos
REUTERS

Mahmud Ahmadinedschad hetzt gegen die USA, Israel und den Westen. Er präsentiert sich stolz als Förderer der Atomkraft in seinem Land. Der stellvertretende Kommandeur der iranischen Streitkräfte droht den Feinden Irans mit einem Präventivschlag. In Indien, Georgien und Thailand explodieren mutmaßlich iranische Bomben. Iran schickt als Demonstration seiner Macht Kriegsschiffe ins Mittelmeer. Das aggressives Großmachtgebaren beherrscht fast täglich die Nachrichten. Der Westen wiederum verschärft seine Sanktionen. Israel diskutiert einen Militärschlag gegen Iran.

Aber was denken eigentlich Menschen in Iran darüber? Wie sehen sie die Eskalation des Konflikts?

Es ist schwierig, das Meinungsbild in der iranischen Bevölkerung zu erforschen. Es gibt eine strenge Zensur, Journalisten werden kaum in das Land gelassen. Doch man kann trotzdem zu einigen Iranern Kontakt aufnehmen. Wenn man mit ihnen spricht, ergibt sich ein erstaunliches Bild: Diese Iraner - auch Gegner des radikalen Präsidenten Ahmadinedschad - sehen ihr Land vor allem in der Opferrolle. Auch sie sehen den Westen als Feind, differenzieren kaum, nehmen die gravierenden Unterschiede zwischen den Kriegsbefürwortern in Israel und den Kriegsgegnern in der Regierung Obama nicht wahr.

"George W. Bush hat unser Land nach dem 11. September systematisch zu einem Feindbild aufgebaut. Jetzt ist das wieder der Fall: Ich habe noch keine Beweise gesehen, dass wir an einer Atombombe bauen", sagt ein Professor aus Teheran. Seinen Namen will er nicht genannt wissen, so wie alle Gesprächspartner die Öffentlichkeit scheuen. In Iran gibt es keine Meinungsfreiheit, falsche Worte können einem Ärger einhandeln - vor allem, wenn es um die Atompolitik des Landes geht.

Flugzeugträger, ermordete Forscher, Sanktionen

Iran rüstet seinen Waffenbestand auf, sabotiert die Arbeit unabhängiger Atom-Inspekteure - warum? Und warum die Installation neuer Zentrifugen in unterirdischen Anlagen zur effizienteren Urananreicherung? Iranische Akademiker weichen diesen Fragen aus, beteuern trotz aller Indizien dagegen, das Atomprogramm diene zivilen Zwecken. "Dazu haben wir das Recht, wie jedes andere Land auch", kritisiert ein Teheraner Student.

Dabei brüstet sich Präsident Ahmadinedschad in den Medien immer wieder mit seinem Nuklearprogramm - dass er nur friedliche Zwecke verfolgt, erscheint unglaubwürdig. Das Mullah-Regime hetzt seit der islamischen Revolution gegen Israel und streitet ein Existenzrecht des israelischen Staates ab. Trotzdem sehen sich auch aufgeklärte Menschen in Teheran in der Position des Angegriffenen, wähnen sich von Feinden umgeben. Verschwörungstheorien allerorten.

Die Iraner sehen im - streng zensierten - Fernsehen, dass inzwischen drei amerikanische Flugzeugträger im Persischen Golf kreuzen. Sie sehen auf Landkarten, wie viele US-Stützpunkte es in der Region gibt. Sie hören die anti-westliche-Propaganda ihrer Regierung. Aber natürlich leiden sie auch unter den Sanktionen, die der Westen ihnen auferlegt hat.

Die Iraner registrieren die militärischen Übungen Israels. Sie hören, dass israelische Politiker ihnen mit Krieg drohen. Sie lesen von den Morden an iranischen Nuklearwissenschaftlern. Einer Gallup-Umfrage zufolge sehen 87 Prozent der US-Amerikaner Iran als Feind Nummer eins.

Dass die Regierung in Washington die Israelis vor Kriegsabenteuern warnt, die Falken in Tel Aviv zu bremsen versucht - das registrieren die Menschen in Teheran nicht oder kaum. Zu verhärtet sind anti-amerikanische und anti-israelische Feindbilder, auch in der Intelligenzia.

"Wir sollen Kriegstreiber sein?", fragt ein Medizinstudent von der Universität in Ghom. Die Anschläge in Indien, Georgien und Thailand verteidigt er als Reaktionen auf die Gewalt, die Iran angetan werde. Er betont, es gebe "genug Kräfte in Iran, die für Verhandlungen mit dem Westen" seien, allerdings seien die durch die Kriegsrhetorik radikaler Politiker in den USA und in Israel "mächtig geschwächt" worden.

Die Macht in Iran haben die Mullahs, mit Ajatollah Ali Chamenei an der Spitze. Gleichwohl repräsentieren sie, die Erben der islamischen Revolution, nur einen Teil der Bevölkerung. "Statt die reformorientierten Kräfte zu stützen, hat der Westen die Macht der Kleriker noch gestärkt", warnt der Student.

"In Wahrheit ein Krieg gegen die islamische Welt"

Seit dem Einmarsch in Afghanistan und dem Krieg gegen Irak glauben mehr Menschen denn je in der Region, dass die USA in Wahrheit einen Krieg gegen die islamische Welt führen und ansonsten ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgen. "Von Demokratie und Menschenrechten reden sie viel, führen das aber nicht im Sinn", sagt ein Deutsch-Student aus Teheran.

Nach Afghanistan und Irak, so die Wahrnehmung, seien Iran und Pakistan die nächsten auf der Liste. Gegen Pakistan wage Washington den offenen Konflikt nicht, weil Pakistan Atommacht ist. Selbst gemäßigte Kräfte in Iran haben durchaus Sympathien für die Idee, dass auch Iran möglichst schnell Atommacht werden sollte. "Das heißt aber noch lange nicht, dass Iran es auch tut. Weiß jemand, dass Iran sich um eine Atombombe bemüht?", fragt der Professor. "Vielleicht sind diese Erkenntnisse ja so realistisch wie die irakischen Massenvernichtungswaffen?"

Kritisch sehen viele, dass ausgerechnet die USA, jenes Land mit den meisten einsatzfähigen Nuklearsprengköpfen, von Iran ein Ende des Atomprogramms verlangen.

"Mit solchen Worten schwächt man demokratische Kräfte"

Ein Krieg, da sind sich Menschen in Iran und in den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan einig, hätte nicht nur möglicherweise eine Vernichtung Israels zur Folge, sondern bedeutete einen Bruch zwischen West und Ost. Er wäre ein atomares Risiko, eine Gefahr für die ohnehin geschwächte Weltwirtschaft. Kurz: Ein Krieg wäre ein Irrsinn.

Trotzdem ließen sich Politiker zu fatalen Aussagen hinreißen. Westliche Politiker seien da nicht besser als Mahmud Ahmadinedschad, finden sie an der Universität von Teheran. "Unser Präsident ruft immer wieder zur Vernichtung Israels auf, um die Hardliner hinter sich zu scharen. Das ist Wahnsinn", sagt ein Dozent. Umgekehrt böte eine Forderung nach einem Militärschlag gegen Iran in den USA im Präsidentschaftswahlkampf der Republikaner die Chance, Härte und Entschlossenheit zu beweisen.

Diese Rhetorik zeige, dass das Risiko eines Kriegs unterschätzt werde. "Mit solchen Worten schwächt man nur die demokratischen Kräfte in der Region." Welchen Rückhalt fänden Befürworter demokratischer Prinzipien in Iran noch, wenn die Forderung nach einem Krieg gegen Iran Teil eines demokratischen Wahlkampfes sei? "Wieder erreichen amerikanische Politiker das Gegenteil dessen, was im Interesse der USA ist", sagt ein Teheraner Student.

Mit Besorgnis nehme man zur Kenntnis, dass selbst westliche Wissenschaftler und Experten sich "im Krieg der Worte" rekrutieren ließen. Matthew Kroenig, ein 34-jähriger Nahost-Experte und bis 2011 Sonderberater des US-Verteidigungsministers, überschrieb seinen Artikel in der Zeitschrift "Foreign Affairs" mit der Zeile "Zeit, Iran anzugreifen". Und Niall Ferguson, ein Wirtschaftshistoriker, behauptete in seiner "Newsweek"-Kolumne, dass alle Argumente gegen einen Krieg gegen Iran falsch seien. Die jetzige Zeit, so Ferguson, fühle sich an "wie am Vorabend einer kreativen Zerstörung".

So etwas zu schreiben, da sind die Studenten und Dozenten in Iran einig, sei "einfach verantwortungslos". Die Mehrheit im Westen würde ihnen da sicher Recht geben. Doch die Feindbilder leben weiter, auf beiden Seiten.

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insgesamt 449 Beiträge
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1. Ja der Kampf gegen den Terror
huberwin 21.02.2012
hat diesen nur gestärkt.....wollen die Falken das?
2.
ColynCF 21.02.2012
Man muss auf jeden Fall verhindern, dass der Iran an Nuklearwaffen kommt.
3.
pförtner 21.02.2012
Die Angst vor einem Krieg ist nur all zu verständlich. Und wer wie ich einen Krieg und die Flucht danach miterlebt hat ,ist wie mit einem Brandeisen gezeichnet und kann nur Warnen. Und sie spielten mit den atomaren Feuer,wie kleine Kinder mit Streichhölzer, dann aber konnten sie den Brand den sie entfacht hatten nicht Löschen
4. wie wahr ...
frozen 21.02.2012
Erfahrungen mit den Aussagen der USA durften wir in den Jahren reichlich sammeln ... Aber auch die scheinbare Tatsache, das keine Inspektoren ins Lang gelassen werden, Anlagen möglichst Bombensicher unter die Erde gebracht werden, und zu guter Letzt die reichlichen Drohungen des iranischen Präsidenten, runden das Bild ab. Wer will da denn noch sagen, was richtig und was falsch ist??? Mich würde interessieren, ob die iranischen Menschen die gleiche Meinung hätten, wenn sie Zugang zu anderen Medien haben ... ob diese ehrlicher sind, weiß keiner ... aber die eigene Meinung könnte freier gebildet werden.
5. Zündler
stilicho1 21.02.2012
Zitat von sysopIsraels Falken rüsten zum Präventivschlag gegen Irans Atomprogramm, auch in den USA drängen Politikberater zum Angriff - wie reagieren normale Iraner? Eine Umfrage zeigt: Selbst Gegner von Präsident Ahmadinedschad wenden sich gegen den Westen, warnen vor Kriegshetze und sehen ihr Land als Opfer. Israelische Angriffspläne: Iraner in Angst vor dem Krieg - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816372,00.html)
Langsam aber sicher wird mir sehr mulmig zumute. Da gehen anscheinend einige Herrschaften mit brennenden Lunten durch noch vorhandene Benzin-/ Öllager.... zumindest fuchteln sie mit selbigen in der Nähe herum. Jeder Präventivschlag würde den gesamten Nahen Osten , wenn nicht mehr , in Brand setzen und auch NATO und UN massiv mit einbeziehen. Eine Beeinflussung der Zündler ist dringend notwendig , wobei ich insbesondere Russland , USA und China in der Pflicht sehe ( und hoffentlich einmal einig ) , aber auch die arabischen Staaten . Hier geht es nicht um ein paar Taliban (entschuldigung ) , sondern um zwei Staaten , die eine zutiefst indoktrinierte und radikalisierte Bevölkerung vorweisen. Ja , auch in Israel . Und ich habe keine Lust , einen neuen world-shoot-out zu erleben...
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei, und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit 2005 Mahmud Ahmadinedschad.
Leute
Corbis
Iran hat rund 72 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 84 (Deutschland ist auf Platz 22). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 70 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 79 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).
Chronik
Aufstieg von Mohammed Resa
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.
Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution
Getty Images
1978 mobilisieren Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte Massenproteste gegen den Schah. Zur Leitfigur des Protests wird Ajatollah Chomeini. Den landesweiten Streiks und Massendemonstrationen in Teheran schließen sich Hunderttausende an. Armee und Polizei gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Dennoch enden die Proteste mit dem Sturz des Schahs am 16. Januar 1979. Nach Chomeinis Rückkehr aus dem Exil in Frankreich, wohin er 1978 gedrängt worden war, spricht sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Islamische Republik aus, deren oberster Führer der Großajatollah selbst wird.

Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.
Phase der Islamisierung
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Im Laufe des Kriegs treibt die Regierung die Islamisierung des Landes voran. Für Frauen gilt eine strenge Kleiderordnung, in öffentlichen Verkehrsmitteln die Geschlechtertrennung. Chomeini lässt linksgerichtete politische Häftlinge ermorden, vor allem Anhänger der Volksmudschahidin, die noch während der Revolution auf Seiten Chomeinis standen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.
Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad
AFP
Der als liberaler Geistlicher geltende Mohammed Chatami gewinnt 1997 die Präsidentschaftswahl. Seine innenpolitischen Reformbemühungen geraten allerdings ins Stocken, da er versucht, zu viele politische Lager zusammenzubringen, und die nach wie vor einflussreichen konservativen Hardliner erheblichen Widerstand leisten. Im Juni 2005 erobert der frühere Bürgermeister Teherans und konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad das Amt des Präsidenten. Außenpolitisch sorgt er vor allem durch Vorantreiben eines Atomprogramms und harsche verbale Angriffe gegen Israel für Ärger.