Bürgerkrieg Jemen-Friedensgespräche sollen in Stockholm beginnen

Mehr als 10.000 Menschen sind im jemenitischen Bürgerkrieg gestorben, das Land erlebt eine Hungerkatastrophe. In Schweden wollen die Konfliktparteien nun über ein Ende des Krieges sprechen - dafür gibt es Hoffnung.

Geflohene Kinder aus der Hafenstadt Hudaida
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Geflohene Kinder aus der Hafenstadt Hudaida


In Stockholm ist eine Delegation der Huthi-Rebellen angekommen. In der schwedischen Hauptstadt wollen die Rebellen mit Gegnern im seit Jahren wütenden Bürgerkrieg im Jemen über einen Ausweg aus dem bewaffneten Konflikt beraten. Die vom Uno-Sondergesandten Martin Griffiths begleitete Delegation sei am späten Abend eingetroffen, teilte die schwedische Außenministerin Margot Wallström mit.

Auch die Delegation der jemenitischen Regierung hat sich mittlerweile auf den Weg zu den geplanten Friedensgesprächen gemacht. Die Delegation sei aus der saudi-arabischen Hauptstadt Riad abgereist, hieß es aus jemenitischen Regierungskreisen.

Im Jemen kämpfen die Huthis gegen die Regierung, die von einer saudi-arabisch geführten Militärkoalition unterstützt wird. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen Verbündeten seines schiitischen Erzfeindes Iran. Das Bündnis trug mit seinen Luftangriffen maßgeblich zur Eskalation des blutigen Konflikts bei. Seit 2014 starben in dem Bürgerkrieg mehr als 10.000 Menschen.

Makkia Ahmad-Mahdi

Vor den Friedensgesprächen riefen die USA die Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Gewalt auf. "Die Menschen im Jemen haben viel zu lange gelitten", teilte US-Außenamtssprecherin Heather Nauert mit. Die USA unterstützen Griffiths bei seinen Friedensbemühungen.

"Hoffentlich werden die Beratungen bald stattfinden", teilte Wallström mit. Vor den geplanten Verhandlungen waren 50 verletzte Rebellen "aus humanitären Gründen" aus dem jemenitischen Sanaa ausgeflogen worden. Ihre Behandlung im benachbarten Oman war eine Bedingung der Huthis für die Teilnahme an Friedensgesprächen.

Huthi-Sprecher Mohammed Abdul Salam sagte: "Unsere Hände sind zum Frieden ausgestreckt." Man wolle die Konsultationen mit der international anerkannten jemenitischen Regierung zu einem Erfolg führen. Dem schwedischen Sender SVT zufolge flogen die Rebellen mit einem Flugzeug von Kuwait aus. Das Land vermittelt in dem Konflikt. An Bord der Maschine habe sich zusammen mit den Rebellen auch ein schwedischer Diplomat und der kuwaitische Botschafter im Jemen befunden.

Vertrauen aufbauen

Die Hoffnungen auf einen Durchbruch sind nach einer Reihe von Entspannungssignalen dieses Mal größer als bei anderen Jemen-Treffen in der Vergangenheit. Einen offiziellen Starttermin der Vereinten Nationen zum genauen Beginn der Verhandlungen gibt es aber immer noch nicht. Auf Schloss Johannesberg rund 50 Kilometer nördlich von Stockholm wird es Beobachtern zufolge erst einmal darum gehen, Vertrauen aufzubauen. Mehrere Friedensgespräche waren in den vergangenen Jahren wegen der aufgeheizten Stimmung und gegenseitigen Schuldzuweisungen gescheitert.

Verhandlungsort Schloss Johannesberg
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Verhandlungsort Schloss Johannesberg

Zuletzt war neben dem Ausfliegen der verletzten Rebellen auch ein umfassender Gefangenenaustausch zwischen den Konfliktparteien im Gespräch. Es wäre laut Uno die erste unterschriebene Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien in dem fast vier Jahre andauernden Konflikt.

Im rund 28 Millionen Einwohner großen Jemen hoffen Millionen notleidender Menschen auf ein Ende des Bürgerkrieges. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Situation in dem armen Land als derzeit schwerste humanitäre Krise der Welt. Zwölf Millionen Menschen stehen laut Uno vor einer Hungersnot, alle elf Minuten stirbt ein Kind. "Jemen ist mitten in einer Katastrophe", sagte David Beasley vom Uno-Welternährungsprogramm WFP.

Hafenstadt Hudaida als Knackpunkt

Nun haben auch die Vereinigten Arabischen Emirate, selbst Teil der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition, die anstehenden Treffen als "wegweisende Gelegenheit" für eine tragfähige politische Lösung begrüßt. Große Bedeutung bei den Gesprächen dürfte der Status der besonders umkämpften Hafenstadt Hudaida haben.

Unterhändler der Huthi-Rebellen am Flughafen in Sanaa
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Unterhändler der Huthi-Rebellen am Flughafen in Sanaa

Über den Küstenort Hudaida am Roten Meer läuft ein Großteil des Nachschubs für die Gebiete unter Huthi-Kontrolle im Norden des Landes. Die heftigen Kämpfe dort waren in den vergangenen Wochen abgeflaut, nachdem auch die USA nach dem Mord am saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi auch verstärkt auf ein Ende des jemenitischen Bürgerkrieges gedrungen hatten.

apr/dpa

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