Straßburg Großeinsatz von Anti-Terror-Kräften in Wohnviertel

In einem Straßburger Wohnviertel haben Sicherheitskräfte mit einer Razzia begonnen. Behörden melden, im Zusammenhang mit dem Attentat sei ein fünfter Verdächtiger festgenommen worden.

Französische Polizisten in Straßburg
DPA

Französische Polizisten in Straßburg


Zwei Tage nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt haben Anti-Terror-Kräfte der Polizei eine Razzia in einem Wohnviertel der elsässischen Hauptstadt gestartet. Die Spezialeinheit Raid durchkämmte nach Angaben von Reportern der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters das Viertel Neudorf, wo sich die Spur des mutmaßlichen Attentäters Chérif Chekatt verloren hatte.

Schwer bewaffnete Beamte rückten demnach mit Automatikwaffen im Anschlag in mehrere Häuser vor. Mehrere Straßen waren mit Polizeifahrzeugen abgesperrt. Mit dem Einsatz sollten Zweifel über den Verbleib Chekatts zerstreut werden, sagte Innenminister Christophe Castaner. Der 29-Jährige war nach dem Attentat mit einem Taxi geflohen. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

Der Staatsanwaltschaft erklärte derweil, es sei ein weiterer Verdächtiger aus dem Umfeld des mutmaßlichen Attentäters in Gewahrsam genommen worden. Er gehöre nicht zur Familie Chekatts. Damit seien insgesamt fünf Verdächtige im Gewahrsam, erklärte die Behörde.

Chekatt ist weiter flüchtig. Die französische Polizei war mit 700 Polizisten im Einsatz, um ihn zu fassen. Er soll der Mann sein, der am Dienstagabend mitten in der Weihnachtssaison das Feuer in der Straßburger Innenstadt eröffnet hatte.

Chekatt hatte am Dienstagabend mitten in der Weihnachtssaison das Feuer in der Straßburger Innenstadt eröffnet. Zwei Menschen wurden getötet, darunter ein 45 Jahre alter Tourist aus Thailand. Ein drittes Opfer erlag laut dem Büro der Staatsanwaltschaft nun seinen Verletzungen, ein viertes Opfer sei hirntot. Elf weitere Menschen wurden verletzt. Die französischen Behörden gehen von einem islamistischen Terroranschlag aus.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Inzwischen hat auch die Bundesanwaltschaft Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Straßburger Attentäter aufgenommen. Angesichts der besonderen Bedeutung des Falls sei ein Verfahren gegen ihn wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden, sagte ein Behördensprecher dem SPIEGEL.

Die französische Regierung rief nach dem Anschlag die höchste Terrorwarnstufe aus. Sie gibt den Behörden außerordentliche Befugnisse: Diese reichen von landesweiten Ausgangssperren bis zu Demonstrationsverboten. Präsident Emmanuel Macron ordnete im Zuge dessen mehr Soldaten für die Anti-Terror-Mission "Sentinelle" (Wachposten) an. Ab Donnerstag soll die Zahl der Kräfte um 1800 auf 8800 aufgestockt werden.

mho/AFP/Reuters/dpa



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