Demonstration nach Trauerzug Tote bei Straßenschlachten in der Türkei

Es begann mit einem Trauerzug und endete in Straßenkämpfen. Bei Protesten in der Türkei sind zwei Menschen gestorben - ein Polizist und ein Demonstrant.


Istanbul - Die türkische Metropole Istanbul ist in der Nacht zu Donnerstag erneut von schwerer Gewalt erschüttert worden. Regierungsgegner und Polizei lieferten sich heftige Straßenkämpfe. Der Nachrichtenagentur Dogan zufolge starb ein 22-Jähriger nach Zusammenstößen im Stadtteil Okmeydani an einer Kopfverletzung. Die Tageszeitung "Hürriyet" berichtet dagegen, der junge Mann sei bei einer Prügelei unter Demonstranten ums Leben gekommen sei. Die Polizei sei nicht beteiligt gewesen.

Nach seinem Einsatz in der Stadt Tunceli erlag ein 30-jähriger Polizist im Krankenhaus einem Herzinfarkt, meldet Dogan. Der Mann wurde demnach eingeliefert, nachdem er einer großen Menge Tränengas ausgesetzt war.

Die jüngsten Proteste in der Türkei waren ausgelöst worden, nachdem sich am Dienstag die Nachricht vom Tod eines Jugendlichen verbreitete: Der 15-jährige Berkin Elvan hatte sich vor neun Monaten auf dem Weg zum Bäcker befunden, als er zwischen die Fronten der heftigen Proteste geriet und von einer Tränengasgranate der Polizei am Kopf getroffen wurde. Am Dienstag starb er nach 269 Tagen im Koma in einem Krankenhaus in Okmeydani.

Das Schicksal das Jungen wurde zum Symbol für das harte Vorgehen gegen Gegner des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der derzeit auch wegen eines Korruptionsskandals stark unter Druck steht.

Fotostrecke

11  Bilder
Feuer, Tränengas, Barrikaden: Heftige Straßenkämpfe in der Türkei
Zehntausende Menschen versammelten sich zu einem Trauerzug in Istanbul. Anschließend begannen die Straßenkämpfe. Die Bereitschaftspolizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein, die Demonstranten antworteten mit Zwillen, sie warfen Steine und errichteten Barrikaden. Auf Plakaten wurde Erdogan als "Mörder" beschimpft. Die Menge in Istanbul skandierte: "Schulter an Schulter gegen Faschismus" und "Regierung, Rücktritt". Reporter berichteten, die Polizei treibe Demonstranten über den Taksim-Platz und durch die umliegenden Straßen. Allein rund um den Platz hatte die Polizei mindestens fünf Wasserwerfer im Einsatz.

Auch im Zentrum der Hauptstadt Ankara ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen mehrere tausend Demonstranten vor. Mehr als hundert Menschen wurden festgenommen.

Die Proteste hatten sich im vergangenen Sommer an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am Rande des Istanbuler Taksim-Platzes zu bebauen. Sie richteten sich bald vor allem gegen Erdogans autoritären Regierungsstil.

kgp/dpa/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
optional_muenchen 13.03.2014
1. Immer wieder
Zitat von sysopAFPEs begann mit einem Trauerzug und endete in Straßenkämpfen. Bei Protesten in der Türkei sind zwei Menschen gestorben - ein Polizist und ein Demonstrant. http://www.spiegel.de/politik/ausland/strassenkaempfe-in-istanbul-zwei-tote-bei-protesten-in-der-tuerkei-a-958353.html
Sterben junge Menschen, und noch ein Polizist, und zwar durch das eingesetzte Tränengas. Mal sehen, ob sie jetzt endlich mal anfangen nachzudenken, wen sie da mit welchen Mitteln bekämpfen.
denkdochmal 13.03.2014
2. Erschütternd - wie immer...
Zitat von sysopAFPEs begann mit einem Trauerzug und endete in Straßenkämpfen. Bei Protesten in der Türkei sind zwei Menschen gestorben - ein Polizist und ein Demonstrant. http://www.spiegel.de/politik/ausland/strassenkaempfe-in-istanbul-zwei-tote-bei-protesten-in-der-tuerkei-a-958353.html
Meine Trauer gilt den Opfern, mein Mitgefühl den Nahestehenden. Zwei weitere Menschen sind tot. Opfer Erdogans und seiner Form von "Demokratisierung", die er in "Europa" stets beteuert... Es wird höchste Zeit, den Schmusekurs gegenüber dem klammheimlichen, diktatorischen Isamisten deutlich zu verschärfen und dennoch gegenüber dem türkischen Volk gerecht zu werden.
optional_muenchen 13.03.2014
3. Leichen pflasterten seinen Weg...
Zitat von sysopAFPEs begann mit einem Trauerzug und endete in Straßenkämpfen. Bei Protesten in der Türkei sind zwei Menschen gestorben - ein Polizist und ein Demonstrant. http://www.spiegel.de/politik/ausland/strassenkaempfe-in-istanbul-zwei-tote-bei-protesten-in-der-tuerkei-a-958353.html
wird man eines Tages über Erdogan lesen. Wieder sind junge Menschen gestorben. Wieder durch Kopfschuss, oder gar ein Polizist an den Folgen des Tränen- (oder Gift-??) Gaseinsatzes. Evtl. ist das ja mal ein Anstoß, dass sich Volkes Polizei mal Gedanken macht, mit welchen Mitteln sie wen gegen wen hier "beschützen". Aber ich zweifle daran...
nickleby 13.03.2014
4. Wie lange noch, Erdogan ...
willst Du der Menschheit zur Last fallen ? Erdogan ist ein Unbelehrbarer, wie alle Diktatoren vor ihm. Er kann sich in die Reihe der orientalischen Machthaber eingliedern. Ihn von der politischen Bühne zu vertreiben, ist das höchste Gebot in der Türkei, danach aburteilen und einsperren. Erst dann kann die Türkei einen demokratischen Neubeginn starten. Lehre : Religion hat nichts mit Politik zu tun, weil sie blind ist ( siehe AKP)
frure 13.03.2014
5. ich verstehe es nicht
da hatten die türken einen großen Politiker wie attatürk, der sie in die moderne führt. und dann wählen die ewig gestrigen einen erdogan...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.