Proteste in Bahrain: Tod eines 17-Jährigen löst Straßenschlachten aus

In Bahrain drohen sich die Spannungen zu verschärfen: Demonstranten und Polizisten lieferten sich heftige Straßenschlachten. Auslöser war der Tod eines 17-Jährigen, der bei einer Protestkundgebung von Sicherheitskräften erschossen worden war.

Ausschreitungen in Bahrain: Demonstranten bewerfen Polizisten mit Steinen Zur Großansicht
REUTERS

Ausschreitungen in Bahrain: Demonstranten bewerfen Polizisten mit Steinen

Manama - Der Tod des 17-jährigen Ali Hassan Namah bei einer Demonstration im Golfkönigreich Bahrain hat erneut zu Zusammenstößen zwischen Oppositionellen und Polizisten geführt. Tausende Menschen hatten zuvor an dem Trauermarsch für den Jugendlichen teilgenommen. Er war am Freitag bei einer nächtlichen Protestkundgebung von der Polizei erschossen worden.

Die Demonstranten skandierten Anti-Regierungs-Parolen und schwenkten bahrainische Flaggen. Anschließend lösten sich mehrere hundert Menschen von der Gruppe und schleuderten Steine auf die Polizisten, die mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Menge vorgingen.

In mehreren Dörfern riefen Anhänger der mehrheitlich schiitischen Opposition Slogans gegen die Regierung und den sunnitischen König Hamad bin Issa al-Chalifa. Die schiitische Wefak-Gesellschaft gab den Behörden die Schuld daran, dass der Junge "in Polizeigewahrsam verblutet ist".

Ali Hassan Namah war bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften in der Ortschaft Sadad, südwestlich der Hauptstadt Manama, getötet worden. Ein Demonstrant berichtete der Nachrichtenagentur dpa von dem Vorfall: "Es war ein friedlicher Protestmarsch, er ging vorneweg, sobald wir die Hauptstraße erreichten, eröffnete ein Polizist aus der Deckung heraus das Feuer". Nach Angaben des schiitischen Parteienbündnisses Al Wefak wurde er durch Vogelschrot getötet, mit dem die Polizei in Bahrain häufig gegen Demonstranten vorgeht.

Das Innenministerium bestätigte ein Todesopfer, sprach allerdings von einem Terroranschlag. Die staatliche Nachrichtenagentur BNA meldete am Samstag unter Berufung auf die Polizei, bei dem Getöteten handele es sich um einen "Terroristen", der Freitagnacht in dem Dorf Sadad gemeinsam mit einer großen Gruppe von Menschen eine Polizeipatrouille mit Brandbomben und Eisenstangen angegriffen habe.

Der Tod des Jugendlichen könnte die Spannungen in Bahrain noch weiter verschärfen. In dem Land kommt es seit fast 20 Monaten immer wieder zu Protesten der schiitischen Mehrheit gegen das sunnitische Königshaus. 114 Menschen kamen nach Angaben der Opposition seit dem Beginn der Proteste im Februar 2011 ums Leben.

lgr/dpa/dapd

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insgesamt 9 Beiträge
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1. USA schweigt zu Bahrain
robert.haube 30.09.2012
Wie wäre es mit einer Flugverbotszone über Bahrain, um die saudischen Panzer dort zu vernichten ? Die US-Marineflieger könnten das zwischen Frühstück und Mittagessen kurz erledigen. Sie sind ja mit ihrer riesigen Flottenbasis schon direkt vor Ort.
2. Diktatur?!
DrSeltsam 30.09.2012
Tja, traurig zu sehen, dass die Weltmächte bestimmen wer ein Diktatur ist und wer nicht...bei der UNO wirft Obama, Iran vor "ein Dikatatur" zu Unterstützen, was machen sie selbst in Bahrain?!
3. So ist es
TheBlackJack 30.09.2012
Es muss sich um Terroristen handeln, da Bahrain zu den guten Diktaturen gehört. Alle westlichen Vasallen die ihr Volk knechten sind gut. Den Höhepunkt der Heuchelei erkennt man in Syrien. Die "Weltgemeinschaft" spricht und spricht....und am Ende schaut es weg, wenn bei den "Freunden" jugendliche Zivilisten erschossen werden.
4. ...
ein anderer 30.09.2012
Zitat von sysopIn Bahrain drohen sich die Spannungen zu verschärfen: Demonstranten und Polizisten lieferten sich heftige Straßenschlachten. Auslöser war der Tod eines 17-Jährigen, der bei einer Protestkundgebung von Sicherheitskräften erschossen worden war. Straßenschlachten in Bahrain nach Tod von 17-Jährigem - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/strassenschlachten-in-bahrain-nach-tod-von-17-jaehrigem-a-858772.html)
Weshalb hat der Westen bisher nicht schon die "Freunde Bahrains" gebildet? Was in Bahrain zugelassen wird enttarnt unsere wirklichen Absichten in Syrien. Es geht den Strategen nicht um heehre Absichten, sondern hauptsächlich nur um Machtinteressen und Geostrategie. Unsere Strategen führen uns unter dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" in einen seit Jahrunderten geführten Konflikt zwischen 2 Glaubensrichtungen. Das kann nicht gut gehen. Auch deshalb nicht, weil sich der Westen gegenüber der Radikalisierung innerhalb der Sunniten blind stellt. Denn das Epizentrum dieser Radikalisierung liegt hauptsächlich in dem von den USA beschützten Saudi Arabien.
5.
porkypork 30.09.2012
In der Ostprovinz Saudi Arabiens kam es kürzlich auch zu Straßenschlachten. Davon war hier leider nichts zu lesen.
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