Straßenschlachten in Pariser Vororten Brennende Barrikaden und Schrotschüsse - Dutzende Polizisten verletzt

Die zweite Nacht in Folge brennen in Pariser Vororten Autos und Gebäude: Aufgebrachte Jugendliche lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, Dutzende Beamte wurden verletzt. Auch von Schüssen aus Schrotgewehren ist die Rede.


Paris - Die Krawalle bei Paris nach dem Unfalltod zweier Jugendlicher haben sich in der Nacht auf sechs Gemeinden ausgeweitet. Die zuständige Präfektur teilte mit, die Unruhen hätten von Villiers-le-Bel auf Ermont, Cergy, Goussainville, Sarcelles und Garges-lès-Gonesse übergegriffen. Bei Straßenschlachten von Jugendlichen mit der Polizei wurden nach unterschiedlichen Angaben der Polizei und französischer Sender zwischen 30 und 40 Beamte verletzt.

In den Pariser Vororten seien fünf Gebäude und mehr als 60 Fahrzeuge in Brand gesteckt worden, darunter auch ein Bus und ein Polizeifahrzeug. Erneut verwüsteten Randalierer auch Läden. Gegen ein Uhr früh habe sich die Lage entspannt, teilte die Polizei mit.

Die Krawalle in Villiers-le-Bel seien heftiger gewesen als in der Nacht zu Montag, sagten Vertreter der Sicherheitskräfte. Rund hundert wütende Jugendliche hätten sich hinter Mülltonnen verschanzt und die rund 160 Sicherheitskräfte mit Gegenständen beworfen, worauf diese Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt hätten. Mehrere Polizisten seien durch Schüsse aus Schrotgewehren verletzt worden, hieß es. Journalisten, die die Krawalle filmen wollten, wurden von Jugendlichen tätlich angegriffen, ein Journalist soll verletzt worden sein. Zwei Kameraleuten wurde die Ausrüstung gestohlen.

Erstmals überflog ein Helikopter den Vorort, um Unruhestifter zu aufzuspüren. Allein in Villiers-le-Bel hätten Randalierer eine Vorschule, eine Fahrschule und einen Kosmetiksalon in Brand gesteckt, sagte Augenzeugen. Auch Feuerwehrwagen wurden attackiert.

Zuvor hatten mehrere hundert Menschen bei einem friedlichen Schweigemarsch durch Villiers-le-Bel der beiden jungen Männer gedacht, die am Sonntag bei der Kollision ihres Minibikes mit einem Polizeiauto noch am Unfallort starben. Der Tod der 15 und 16 Jahre alten Jungen hatte schon am Sonntag zu gewaltsamen Ausschreitungen geführt, bei denen 40 Polizisten verletzt wurden. Die Staatsanwaltschaft leitete wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung Ermittlungen ein.

In Polizeikreisen hieß es, die Polizeiaufsicht habe bei ersten Untersuchungen festgestellt, dass die beiden Jungen "sehr schnell" mit einer Minicrossmaschine gefahren seien und die Vorfahrt missachtet hätten. Die Polizisten im Streifenwagen hätten den Unfall deshalb nicht verhindern können. Zeugen zufolge trugen die Jugendlichen keinen Helm, ihr Fahrzeug hatte zudem kein Licht und war nicht für den Straßenverkehr zugelassen.

phw/dpa/AFP/AP



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