Strategiefehler Britischer Ex-Kommandeur rechnet mit US-Politik im Irak ab

Bis 2006 kommandierte er die britischen Truppen im Irak - jetzt rechnet der General a. D. Mike Jackson mit den USA und ihren Führern ab. Die Strategie im Irak sei "intellektuell bankrott", George W. Bush und die Neokonservativen hätten verheerende Fehler gemacht.


London - "Soldier" heißt die Autobiografie, die Sir Mike demnächst veröffentlichen wird - Ausschnitte wurden jetzt in Großbritannien veröffentlicht. Darin geht der pensionierte General, der zum Zeitpunkt des Einmarsches im Irak 2003 und bis 2006 Oberkommandierender der britischen Armee war, unter anderem mit dem damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hart ins Gericht. Rumsfeld und seine neokonservativen Verbündeten gehörten zu den Hauptverantwortlichen für das derzeitige Chaos im Irak.

US-Soldaten im Irak (im März 2006): Diplomatie und "nation building" vernachlässigt?
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US-Soldaten im Irak (im März 2006): Diplomatie und "nation building" vernachlässigt?

Rumsfeld habe sich geweigert, die Notwendigkeit des Einsatzes von viel mehr Soldaten zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung nach dem Sturz Saddam Husseins zu akzeptieren. Falsch sei auch die Entscheidung von US-Präsident Bush gewesen, dem Außenministerium die Nachkriegsplanung für den Irak zu entziehen und diese unter die Kontrolle des Pentagon zu stellen.

Die Art und Weise, wie die US-Regierung den Antiterrorkampf international führe, bezeichnet Jackson als "unangemessen". Sie sei zu stark auf die Militärmacht konzentriert statt auf die Schaffung einer nationalen Identität im Irak und Diplomatie. Die Irak-Politik der USA sei "intellektuell bankrott". Der Vorwurf des Generals werfe ein Schlaglicht auf die "Spannungen zwischen dem britischen Kommando und dem Pentagon" während der Irak-Invasion, schreibt die konservative britische Zeitung "Daily Telegraph", in der die Memoirenauszüge erschienen.

Der General macht in seinem Buch deutlich, dass er und andere hohe Offiziere Großbritanniens Zweifel an der Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak hatten, die von den Regierungen in Washington und London als Grund für die Invasion angegeben worden waren.

Jackson verteidigt dagegen das Vorgehen der britischen Armee in der von ihr kontrollierten zweitgrößten irakischen Stadt Basra, an dem es zuletzt Kritik aus den USA gegeben hatte. Die britische Armee sei für vier Provinzen im Südirak verantwortlich gewesen. Drei davon seien mittlerweile in die Zuständigkeit der Iraker übergeben worden. Für Basra bleibe dies noch zu tun. Derzeit sind etwa 5500 britische Soldaten im Irak stationiert.

itz/dpa/AFP



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