Strauss-Kahn-Verfahren eingestellt Endlich frei, Karriere vorbei

Frankreichs Sozialisten sind erleichtert. In New York wird das strafrechtliche Verfahren gegen ihren einstigen Hoffnungsträger Dominique Strauss-Kahn eingestellt - doch die Karriere des Ex-IWF-Chefs ist trotzdem beendet. Selbst seine bisher treuesten Fans wenden sich von ihm ab.


Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage fallengelassen, Dominique Strauss-Kahn muss nicht mehr in New York vor Gericht - für Frankreichs Sozialisten ist das eine gute Nachricht. Nur drei Tage vor dem Sommertreffen des Parti socialiste (PS) in La Rochelle dürfte nun erst einmal Schluss sein mit all den Gerüchten, Mutmaßungen und Unterstellungen. Die angeblich versuchte Vergewaltigung von Nafissatou Diallo, Zimmermädchen des "Sofitel" New York - vordergründig ist das nun kein Thema mehr.

Nur zwei Monate vor den sozialistischen Vorwahlen zur Präsidentschaft im kommenden Jahr kann die Riege der PS-Kandidaten das Drama um ihren Genossen "DSK" als erledigt abhaken.

Die Erleichterung war den Parteigrößen anzumerken. "Ich bin sehr glücklich", sagte Martine Aubry, PS-Parteisekretärin und erklärte Anwärterin auf die Kandidatur ihrer Partei 2012. Ihr größter innerparteilicher Konkurrent, François Hollande, gab sich gleichermaßen erfreut über den Ausgang der Affäre "nach drei Monaten unerträglicher Belastungen". Hollande ist selbst ehemaliger Chef der Sozialisten und findet, es sei "außergewöhnlich schwer" gewesen, das Auf und Ab in der Sache zu ertragen.

Dabei ging es nämlich nicht nur um das private Los des ehemaligen IWF-Chefs - Gazetten und TV-Sender verbreiteten mit Lust am Detail Geschichten über seinen angeblich ausschweifenden Lebenswandel, seine Ehen und seine Fehltritte. Zugleich geriet auch das Ansehen von Frankreichs wichtigster Oppositionspartei durch den Skandal in Gefahr. Manuel Valls, ein DSK-Freund und ebenfalls Anwärter auf die PS-Kandidatur, wetterte damals über die Berichterstattung: "Welch unglaublicher Dreck." Doch damit sei nun Schluss.

"Lassen wir ihn erstmal in Frieden"

Indessen bleibt der Ruf Strauss-Kahns angeschlagen, eine Rückkehr zu einer politischen Karriere scheint aussichtslos. Selbst die treuesten Fans des ehemaligen IWF-Chefs glauben nicht mehr an dessen Teilnahme an den sozialistischen Vorwahlen. Der Wirtschaftsprofessor, der vor Monaten noch als gefährlichster Herausforderer von Präsident Sarkozy galt, könnte seinen Einfluss allenfalls geltend machen, indem er sich öffentlich hinter einen der fünf Kandidaten stellen würde. Martine Aubry, Parteichefin der Sozialisten, mit DSK einst per politischer Absprache verbandelt, darf nun mit seinem Segen rechnen.

"Er hat gewiss Kompetenzen, Erfahrung an der Spitze des IWF und zuvor als Wirtschaftsminister", sagt François Hollande. "Damit könnte er nützlich sein für sein Land."

Tatsächlich hat Strauss-Kahn unzweifelhaft viel politische Erfahrung. Die Frage ist aber, ob der Beistand dieses Mannes für einen angehenden Präsidentschaftskandidaten nicht eher Ballast wäre. DSK hat seinen Ruf weg, in der Öffentlichkeit gilt er als testosterongesteuerter Schürzenjäger - im Wahlkampf würde der Genosse eine gute Zielscheibe für den politischen Gegner abgeben.

Auf Besserung darf Strauss-Kahn in naher Zukunft nicht hoffen, es steht schon das nächste Verfahren an: Die heute 32-jährige Autorin Tristane Banon behauptet, sie sei bei Recherchen für ein Buch während eines Interviews von Strauss-Kahn 2003 sexuell belästigt und vergewaltigt worden - ein Vorgang, den sie nach eigenen Angaben damals auf Rat ihrer Mutter nicht zur Anzeige gebracht hat. Seit der jüngsten Klageerhebung ermittelt die Pariser Staatsanwaltschaft, befragte bereits die Mutter der Schriftstellerin, die damalige Frau Strauss-Kahns sowie François Hollande, seinerzeit Chef der Sozialistischen Partei.

Das scheint Grund genug für die PS-Führung, zwar öffentlich Anteilnahme und Solidarität zu versichern, aber dennoch vorsichtig Distanz zu halten, wenn es um die politische Zukunft des sperrigen Parteifreundes geht. "Lassen wir ihn erstmal in Frieden", sagt PS-Promi Pierre Moscovici über seinen ehemaligen Mentor Strauss-Kahn. "Wenn er seinen Platz in der öffentlichen Diskussion wieder einnehmen will, sollte er in der Lage sein, der Linken und dem Land in der derzeitigen Krise zu nützen. Aber lassen wir ihm erst einmal die Zeit und die Freiheit, die Entscheidungen zu treffen, die er für sinnvoll hält."

Moscovici hat es jedenfalls für sinnvoll gehalten, das Lager zu wechseln. Der Parteilinke, einst Unterstützer von DSK, arbeitet nunmehr als Koordinator für die Vorwahlkampagne von François Hollande.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Steve Holmes 24.08.2011
1. .
Zitat von sysopFrankreichs Sozialisten sind erleichtert. In New York wird das strafrechtliche Verfahren gegen ihren einstigen Hoffnungsträger*Dominique Strauss-Kahn eingestellt*- doch die Karriere des Ex-IWF-Chefs ist trotzdem beendet. Selbst seine bisher treuesten Fans wenden sich von ihm ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781877,00.html
Es ist nicht das erste mal dass Dominique Strauss-Kahn falsch beschuldigt wurde. Infolge eines Justizskandals, der mit seiner Tätigkeit als Anwalt in Verbindung stand, trat er 1999 von seinem Ministeramt zurück. Er wurde am Ende in der fraglichen Angelegenheit vollständig entlastet und stellte sich darauf für das Val-d’Oise erneut zur Wahl, um 2002 wiedergewählt zu werden. (http://de.wikipedia.org/wiki/Dominique_Strauss-Kahn) In dieser durch Wirtschaftskrisen gebeutelten Zeit könnte sich Frankreich keinen besseren Präsidenten wünschen. Seine Kompetenz ist unbestritten. Ich würde ihn noch nicht abschreiben.
Bernd_1961 24.08.2011
2. War doch so gewollt.
Endlich frei, Karriere vorbei Strauss-Kahn war der stärkste Konkurrent von Sarkoza bei den nächsten Wahlen in Frankreich. Also hat Sarkozy doch erreicht, was er wollte: Er hat seinen gefährlichsten Gegner unschädlich gemacht.
fabian03 24.08.2011
3. Parrallelen
Zitat von sysopFrankreichs Sozialisten sind erleichtert. In New York wird das strafrechtliche Verfahren gegen ihren einstigen Hoffnungsträger*Dominique Strauss-Kahn eingestellt*- doch die Karriere des Ex-IWF-Chefs ist trotzdem beendet. Selbst seine bisher treuesten Fans wenden sich von ihm ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781877,00.html
Natürlich ist es immer gut wenn ein offenbar Unschuldiger wieder frei kommt. Bedenklich finde ich aber, dass man auch mit frei erfundenen Vorwürfen einen Menschen zumindest soweit beschädigen kann, das seine Karriere beendet ist, aber gut, das kennen wir in D auch, wie der Fall Sarrazin erst letztes Jahr bewiesen hat. Beide Fälle haben auch gemein, das sich deren Opfer in einem Alter befinden, in dem sich die berufliche Karriere normalerweise eh dem Ende neigt. Ich war zwar ein Kritiker von DSK was seine Rolle in der €-Krise anging weil er die Statuten des IWF doch arg freizügig interpretiert hat und diese Organisation in Rettungspakete verwickelt hat, für die sie eigentlich nicht zuständig ist. Dennoch hat DSK ein solches Karriereende nicht verdient.
prüfling 24.08.2011
4. Gefahr beseitigt
So wie es nun aussieht, kann DSK nun nicht mehr französischer Präsident werden. Dies wird nun auch Angela mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. Man stelle sich nur mal vor, wenn DSK anläßlich eines Staatsbesuches von Angela seine üblichen heftigen Vereinigungsrituale in Gang setzen würde. Mon Dieu!
markus_wienken 24.08.2011
5. .
Zitat von Bernd_1961Endlich frei, Karriere vorbei Strauss-Kahn war der stärkste Konkurrent von Sarkoza bei den nächsten Wahlen in Frankreich. Also hat Sarkozy doch erreicht, was er wollte: Er hat seinen gefährlichsten Gegner unschädlich gemacht.
Bedauerlich Yep Wie hat er das gemacht?
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