Raketentest: Sicherheitsrat ächtet Nordkorea

China sperrt sich gegen eine scharfe Resolution, aber der Weltsicherheitsrat hat den Raketenstart Nordkoreas dennoch massiv kritisiert: Das Regime in Pjöngjang verstoße mit dem Test gegen Uno-Beschlüsse.

Raketenstart: Nordkorea bringt Satelliten in den Orbit Fotos
REUTERS/ KCNA

New York/Seoul/Berlin - Weniger als 24 Stunden nach dem umstrittenen Test einer Langstreckenrakete in Nordkorea haben fast alle Mitglieder des Weltsicherheitsrats das Vorgehen Pjöngjangs verurteilt. Es sei an der Zeit, Nordkorea "eine klare Botschaft zu übermitteln", sagte der deutsche Uno-Botschafter Peter Wittig am Mittwoch kurz vor der Sitzung.

Doch eine vor allem von den westlichen Ländern, auch Deutschland, geplante deutliche Resolution traf auf den Widerstand Chinas. Denn Peking ist ein traditioneller Verbündeter des kommunistischen Nachbarn und kann als permanentes Mitglied gegen jeden Beschluss des Uno-Gremiums ein Veto einlegen. Allerdings hatte auch China den Test Nordkoreas als "bedauerlich" bezeichnet.

Nordkorea feuerte nach eigenen Angaben am Mittwochmorgen (Ortszeit) erfolgreich eine Trägerrakete für Satelliten namens Unha-3 ab. Der Westen vermutet hinter dem Start dagegen einen unzulässigen Raketentest für das nordkoreanische Atomprogramm. Mehrere Nationen hatten das Land aufgefordert, auf das angekündigte Vorhaben zu verzichten.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Raketentest als "provokativen Akt" und klaren Verstoß gegen Resolutionen. Aus Sicht vieler Staaten verstieß der Test gegen die Uno-Resolution 1874. Diese war nach einem nordkoreanischen Atomwaffentest im Jahr 2009 verabschiedet worden und verbietet dem Land den Test von Langstreckenraketen. Ungeachtet der internationalen Kritik betonte Pjöngjang am Mittwoch sein "legitimes Recht, Satelliten ins All zu befördern". Das Weltraumprogramm werde weitergehen.

Westerwelle bestellte Nordkoreas Botschafter ein

Auch die USA bezeichneten den Test als "hochprovokativen Akt". Der Einsatz der Raketentechnologie durch Nordkorea bedrohe die regionale Sicherheit und sei ein direkter Verstoß gegen geltende UN-Resolutionen, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates in Washington, Tommy Vietor.

Die EU drohte mit neuen Sanktionen. "Die EU wird in enger Absprache mit wichtigen Partnern eine angemessene Reaktion in Betracht ziehen, darunter mögliche zusätzliche restriktive Maßnahmen", erklärte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.

In Berlin bestellte Außenminister Guido Westerwelle den Botschafter Nordkoreas ein. Deutschland werde sich "als Mitglied des Sicherheitsrates und im Rahmen der EU für eine angemessene Reaktion einsetzen", erklärte der FDP-Politiker in Berlin. Er hatte zuvor dem nordkoreanischen Botschafter "die Haltung der Bundesregierung unmissverständlich übermittelt" und den "völkerrechtswidrigen" Raketenstart "auf das Schärfste" verurteilt, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

als/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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    Seite 1    
1. China mit Veto
robert.haube 12.12.2012
Solange China sein veto einlegt, "ächtet" der Sicherheitsrat gar nichts und Nord-Korea kann den Übrigen eine lange Nase zeigen.
2. Selektiver Moralismus
Snedronningen 12.12.2012
Nur damit ich das richtig verstehe: Die Bösen, also Nordkorea, bringen mit einer Trägerrakete erfolgreich einen Satelliten in die Erdumlaufbahn und sind damit eine Bedrohung des Weltfriedens. Derweil testen die Guten, also die Amerikaner, Zündungen für Nuklearsprengköpfe mit dialable yield (einstellbarer Sprengkraft), um den Einsatzbereich ihres Atomwaffenarsenals zu erweitern. Pollux (latest experiment conducted at the Nevada National Security Site) (http://www.youtube.com/watch?v=9acompDIu7w) Tja, da ist man sprachlos. Vielleicht sollten man auch mal den deutschen Botschafter einbestellen, schließlich baut EADS (Shareholder u.a. Daimler AG / German state-owned bank KfW) M51/M45 Trägersysteme für französische Nuklearsprengköpfe. Der Slogan lautet: "Permanently ready to keep the peace. (http://www.astrium.eads.net/en/programme/m-51.html)"
3.
kilimandscharo 12.12.2012
Sehe ich auch so. NK hat das Recht Satelliten ins All zu befördern. Wovor hat die Uno eigentlich Angst? Als ob Nordkoreo Atombomben per Raketen auf die USA schießen würde. 1. kann man sowas inzwischen relativ zuverlässig abfangen 2. ist kein Land so dumm sowas zu machen, das ergäbe absolut gar keinen Sinn.
4. optional
darthkai 13.12.2012
Mit welchen Sanktionen will die EU denn bitte noch drohen? Nennenswerte Handelsbeziehungen zu NK bestehn wohl ohnehin kaum. Naja, vlt blockiert man bei der nächsten Hungersnot die Lebensmittelhilfen oder so, das würde die Führung schließlich hart treffen... Realistisch betrachtet hat die Weltgemeinschaft da herzlich wenig Handhabe. "Demokratisierung(tm)" ist viel zu gefährlich, und sonst hat dort außer den Chinesen ohnehin niemand politisches Gewicht. Die würden aber nur Druck für Reformen und vlt sogar eine Wiedervereinigung machen, wenn sich im Gegenzug die Amis von ihrer Fußmatte zurückziehen
5. optional
Freddy 13.12.2012
Dass der Sicherheitsrat sauer reagiert ist verständlich wird aber genauso ohne Folgen bleiben wie Israels Missachtung der Resolution von 1967, die den Rückzug aus den besetzten Gebieten forderte. Der Unterschied hier ist nur, dass der Westen Israel als "guten" Staat betrachtet während Nordkorea als Schurkenstaat angesehen wird. Beiden Staaten gemeinsam ist die Missachtung von UNO-Resolutionen; nur bei Israel drückt man ein Auge zu während bei Staaten wie Nordkorea, Iran sowie Irak mit der Keule droht bzw. diese benutzt. Ist das nicht Heuchelei?
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