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Streit mit Iran: 100 Prominente fordern Freilassung der deutschen Reporter

Karl-Theodor zu Guttenberg ist sich mit Franz Beckenbauer, Josef Ackermann und Günther Jauch einig: 100 Prominente drängen Irans Führung, zwei inhaftierte deutsche Journalisten freizulassen. Die Reporter wollten über eine Frau berichten, die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt wurde.

Berlin - Die Minister Karl-Theodor zu Guttenberg und Guido Westerwelle sind dabei, auch Wirtschaftsbosse wie Telekom-Chef René Obermann und Bahn-Chef Rüdiger Grube. Insgesamt 100 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport haben einen Appell an die iranische Regierung gerichtet: Sie fordern die Freilassung der beiden inhaftierten deutschen Journalisten.

Die Solidaritätsaktion steht in der "Bild am Sonntag", deren Redaktion die Reporter angehören. Die Zeitung räumt dem Appell die ganze Titelseite und zwölf weitere Seiten ein.

Die beiden deutschen Reporter waren am 10. Oktober beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt der Iranerin Sakine Mohammadi Aschtiani zu interviewen. Aschtiani soll Angaben des Gerichts zufolge eine Beziehung mit dem Cousin ihres Mannes gehabt haben. Der Cousin habe den Ehemann später umgebracht. Nach Justizangaben soll die Frau an dem Mord beteiligt gewesen sein.

Außenminister Westerwelle (FDP) sagte: "Die beiden Reporter müssen so schnell wie möglich freikommen und nach Deutschland zurückkehren. Dafür werde ich mich auch im neuen Jahr mit ganzer Kraft einsetzen." Verteidigungsminister Guttenberg (CSU) warnte Iran vor Konsequenzen: "Ich appelliere an Iran, die beiden so schnell wie möglich freizulassen. Ein Staat, der wie Iran ständig um Verständnis wirbt, sollte darauf achten, dies nicht auf anderen Gebieten zu verspielen."

"Ein Gebot der Humanität"

Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte eine umgehende Freilassung der Journalisten: "Das ist nicht nur eine Frage der Pressefreiheit und der Menschenrechte, sondern auch ein Gebot der Humanität."

Ähnlich äußerten sich Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und der Vorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag, Gregor Gysi, sowie CSU-Chef Horst Seehofer. Für die Wirtschaft schlossen sich zum Beispiel noch der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, BMW-Chef Norbert Reithofer und Metro-Chef Eckhard Cordes der Forderung nach Freilassung an. Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche erklärte: "Ein Land, das in der Welt respektiert werden will, sollte auch die Pressefreiheit respektieren."

Zu den prominenten Sportlern, die die Freilassung der Journalisten fordern, gehören unter anderem Nationalspieler Philipp Lahm, Handball-Bundestrainer Heiner Brand, Trainer Felix Magath, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, Rennfahrer Michael Schumacher, Franz Beckenbauer und Günter Netzer.

Verurteilte Iranerin verklagt die Reporter

Die deutsche Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller äußerte die Befürchtung, dass Iran die beiden Journalisten "als Faustpfand benutzen will für andere Interessen". Sie erinnere der Umgang mit Frau Aschtiani "an die Schauprozesse der stalinistischen Diktaturen in Osteuropa".

Am Samstag hatte die inhaftierte Iranerin angekündigt, sie wolle die beiden Journalisten verklagen. Dieser Schritt kam womöglich auf Druck der iranischen Behörden. Aschtiani sagte, viele Menschen hätten ihren Fall "ausgebeutet" und behauptet, sie sei gefoltert worden. Das sei "eine Lüge".

Michael Backhaus, stellvertretender Chefredakteur der "Bild am Sonntag", nannte es "befremdlich, dass eine Frau, die in Iran zum Tode verurteilt worden ist, für einige Stunden das Gefängnis verlassen darf, um vor westlichen Medien anzukündigen, dass sie Journalisten, die über ihren Fall berichten wollten, anzeigen will".

cte/AFP

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1. Das hilft leider nichts
El Root 02.01.2011
Ich kann mir nicht vorstellen dass das irgendeinen Eindruck auf das Regimne im Iran macht so traurig das auch ist ... Diese "Regierung" hat schon des öfteren gezeigt dass Einmischung von aussen ignoriert wird .....
2. Eine Demokratie, in der Recht und Gesetz gelten
heinrichp 02.01.2011
Zitat von sysopKarl Theodor zu Guttenberg ist sich mit Franz Beckenbauer, Josef Ackermann und Günther Jauch einig:*100 Prominente*drängen Irans Führung, zwei inhaftierte deutsche Journalisten freizulassen. Die Reporter*wollten über eine Frau berichten, die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt wurde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737366,00.html
Eine Demokratie, in der Recht und Gesetz gelten - das muss die Zukunft Irans sein, schreibt Afshin Ellian in einem offenen Brief an Ajatollah Chamenei. In den achtziger Jahren wurden Tausende Iraner exekutiert, die mit Ihnen gegen den Schah gekämpft hatten. Sie wurden von einem Revolutionstribunal abgeurteilt, ohne dass es je eine offizielle Anklage gegeben hätte, ohne dass sie einen Verteidiger berufen durften. Unter denen, die damals getötet wurden, waren auch zwei Mitglieder meiner eigenen Familie; ein Verwandter wurde in einem Massengrab verscharrt. Allein 1988, und zwar binnen weniger Wochen, wurden Tausende politische Gefangene in einem Massenverfahren verurteilt, hingerichtet und in anonymen Gräbern beigesetzt - und dies geschah im Auftrag des Imam Chomeini. Den Gefangenen wurden genau drei Fragen gestellt: * Bist du Muslim? * Hast du heute gebetet? * Und hast du uns alles über deine Freunde gesagt, auf dass wir nun davon ausgehen können, dass du künftig die Gesetze der Scharia befolgst? http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/article-32769317.html
3. Wusst' ich's doch, Sonntagsfahrer
dasky 02.01.2011
Zitat von sysopKarl Theodor zu Guttenberg ist sich mit Franz Beckenbauer, Josef Ackermann und Günther Jauch einig:*100 Prominente*drängen Irans Führung, zwei inhaftierte deutsche Journalisten freizulassen. Die Reporter*wollten über eine Frau berichten, die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt wurde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737366,00.html
Frau Aschtiani sollte gleich auch noch Herrn von und zu Guttenberg (http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=6816615#postcount=19), Ackermann (http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=4314119&postcount=103), Jauch (http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=4161575&postcount=196) und Beckenbauer (http://www.youtube.com/watch?v=UftWjmOFKwQ) verklagen...
4. ds
FrankDr 02.01.2011
irgendwie hält sich mein Verständnis da in Grenzen. Die Journalisten wussten bereits vor Abfahrt: - Sie haben kein Journalistenvisum - sie wollen journalistisch tätig werden, obwohl sie nur mit Touristenvisum einreisen - Iran ist nicht Deutschland und wenn sie erwischt werden, gibts "Ärger" --> natürlich bin ich für Pressefreiheit usw., aber nun so einen Wind zu machen, obwohl von den Beiden wissentlich ausländische Gesetze gebrochen wurden... Sie waren sich des Risikos im Klaren und sind es wissentlich eingegangen und es ist schief gegangen.
5. Vom verhängnisvollen Leichtsinn spricht heute kaum noch jemand
Ben-99, 02.01.2011
... selbstverständlich bin auch ich gegen monatelange Inhaftierung und Demütigung von Journalisten – ganz gleich von welchem Sender oder welcher Zeitung. Aber man sollte bei dem Promi-Auflauf nicht die Ausgangssituation vergessen. Daher meine Frage: Wie oft haben eigentlich Spiegel-Reporter versucht, mit einem Touristen-Visum in ein nicht ungefährliches Land zu reisen, um dort riskante Interviews zu führen? Die Antwort kann ich mir denken, und dasselbe gilt wohl auch für andere seriöse Presseorgane. Insofern ist immer auch die Chefredaktion mitverantwortlich, die ihre Reporter nicht von einer Reise abgehalten hat, die schnell zum Himmelfahrtskommando werden kann.
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).
Chronik
Aufstieg von Mohammed Resa
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.
Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution
Getty Images
1978 mobilisieren Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte Massenproteste gegen den Schah. Zur Leitfigur des Protests wird Ajatollah Chomeini. Den landesweiten Streiks und Massendemonstrationen in Teheran schließen sich Hunderttausende an. Armee und Polizei gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Dennoch enden die Proteste mit dem Sturz des Schahs am 16. Januar 1979. Nach Chomeinis Rückkehr aus dem Exil in Frankreich, wohin er 1978 gedrängt worden war, spricht sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Islamische Republik aus, deren oberster Führer der Großajatollah selbst wird.

Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.
Phase der Islamisierung
REUTERS
Im Laufe des Kriegs treibt die Regierung die Islamisierung des Landes voran. Für Frauen gilt eine strenge Kleiderordnung, in öffentlichen Verkehrsmitteln die Geschlechtertrennung. Chomeini lässt linksgerichtete politische Häftlinge ermorden, vor allem Anhänger der Volksmudschahidin, die noch während der Revolution auf Seiten Chomeinis standen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.
Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad
AFP
Der als liberaler Geistlicher geltende Mohammed Chatami gewinnt 1997 die Präsidentschaftswahl. Seine innenpolitischen Reformbemühungen geraten allerdings ins Stocken, da er versucht, zu viele politische Lager zusammenzubringen, und die nach wie vor einflussreichen konservativen Hardliner erheblichen Widerstand leisten. Im Juni 2005 erobert der frühere Bürgermeister Teherans und konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad das Amt des Präsidenten. Außenpolitisch sorgt er vor allem durch Vorantreiben eines Atomprogramms und harsche verbale Angriffe gegen Israel für Ärger. Infolge seiner Wiederwahl als Präsident im Sommer 2009 kam es wegen Unregelmäßigkeiten zu wochenlangen Massenprotesten, die teils brutal niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Demonstranten wurden getötet, Hunderte Menschen verhaftet.
Entspannung gegenüber dem Westen
Bei der neuerlichen Präsidentenwahl im Sommer 2013 durfte Ahmadinedschad nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Es siegte der als gemäßigt geltende Kandidat Hassan Rohani, der seitdem mildere Töne nach außen anstimmt. Der Westen und Iran einigen sich im November auf einen "Gemeinsamen Aktionsplan" im Streit um das iranische Atomprogramm.


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