Israels Siedlungspläne Briten und Franzosen erwägen Abzug der Botschafter 

Israel wird für neue Siedlungspläne im Westjordanland international hart kritisiert: Großbritannien denkt offenbar über den Rückruf des Botschafters nach. Ähnliche Pläne soll es in Frankreich geben. Die israelischen Vertreter in London und Paris wurden einbestellt.

Britische Botschaft in Tel Aviv: Ärger wegen israelischen Bauplänen
REUTERS

Britische Botschaft in Tel Aviv: Ärger wegen israelischen Bauplänen


Tel Aviv - Deutliche Kritik von Uno-Chef Ban Ki Moon gab es bereits - nun führen die Baupläne Israels im Westjordanland zu weiteren diplomatischen Verwerfungen. Aus Protest erwägt Großbritannien Kreisen zufolge den Abzug seines Botschafters aus Israel. Die Regierung in London werde noch am Montag eine Entscheidung treffen, sagte ein Diplomat, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Die britische Botschaft in Tel Aviv erklärte, sie habe die israelische Regierung dazu aufgefordert, ihre jüngste Entscheidung zum Bau neuer Wohnungen im Westjordanland noch einmal zu überdenken. Diese erschwere die Zwei-Staaten-Lösung und behindere die Verhandlungen im Nahost-Friedensprozess. Israel hatte am Freitag unmittelbar nach der Aufwertung der Palästinensergebiete durch die Vereinten Nationen grünes Licht für den Bau von 3000 neuen Wohneinheiten gegeben.

Die israelische Zeitung "Haaretz" hatte berichtet, auch Frankreich ziehe einen Abzug seines Botschafters in Erwägung. Die Pariser Regierung erklärte dazu lediglich, es gebe andere Wege, Kritik an den israelischen Plänen zum Ausdruck zu bringen.

Merkel ist äußerst besorgt

Sollten Großbritannien und Frankreich tatsächlich ihre Botschafter aus Israel abziehen, käme dies einer deutlichen diplomatischen Kritik am Vorgehen Israels gleich. Ungeachtet internationaler Entrüstung hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine aktuellen Siedlungspläne am Sonntag verteidigt. Die Vereinten Nationen hatten in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit dafür gestimmt, den Palästinensern den Status eines Beobachterstaats zu verleihen.

Uno-Generalsekretär Ban hatte Israels Baupläne als möglichen "Todesstoß" für den Friedensprozess im Nahen Osten bezeichnet. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fand ungewohnt deutliche Worte. Die Bundesregierung sei über diese neuen Siedlungspläne "äußerst besorgt", ließ sie über den Regierungssprecher mitteilen. "Israel untergräbt damit das Vertrauen in seine Verhandlungsbereitschaft."

Botschafter in London und Paris zum Rapport gebeten

Ein Abzug aus Tel Aviv ist zwar noch nicht beschlossen - trotzdem haben Frankreich und Großbritannien schon einmal die jeweiligen Botschafter Israels einbestellt. Ein Sprecher der israelischen Botschaft in Paris sagte am Montag, Botschafter Yossi Gal sei vom französischen Außenministerium einbestellt worden. Das Ministerium bestätigte den Vorgang.

Das britische Außenministerium teilte mit, der israelische Botschafter in London, Daniel Taub, sei zu einem Gespräch mit dem für den Nahen Osten zuständigen Außenstaatssekretär Alistair Burt einbestellt worden. Zuvor hatten Regierungsverantwortliche bereits eine "starke Reaktion" auf Israels Pläne angekündigt.

jok/Reuters/AFP

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sappelkopp 03.12.2012
1. Die haben im Gegensatz zu uns...
Zitat von sysopREUTERSIsraels wird für neue Siedlungspläne im Westjordanland international hart kritisiert: Großbritannien denkt offenbar über den Rückruf des Botschafters nach. Ähnliche Pläne soll es in Frankreich geben. Die israelischen Vertreter in London und Paris wurden einbestellt. Streit mit Israel: Briten und Franzosen erwägen Abzug von Botschafter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-mit-israel-briten-und-franzosen-erwaegen-abzug-von-botschafter-a-870613.html)
...Mumm in den Knochen. Es wird Zeit, dass mal jemand den Israelis die Grenzen aufzeigt.
dongerdo 03.12.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSIsraels wird für neue Siedlungspläne im Westjordanland international hart kritisiert: Großbritannien denkt offenbar über den Rückruf des Botschafters nach. Ähnliche Pläne soll es in Frankreich geben. Die israelischen Vertreter in London und Paris wurden einbestellt. Streit mit Israel: Briten und Franzosen erwägen Abzug von Botschafter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-mit-israel-briten-und-franzosen-erwaegen-abzug-von-botschafter-a-870613.html)
Und warum das Ganze? Wegen einer kindischen Trotzreaktion.... Letztenendes manövriert sich Israel immer mehr in eine Ecke die dem Land langfristig mehr schaden wird als wir jetzt überhaupt abschätzen können. Mit dem zunehmenden Wegbrechen der internationalen Unterstützung bringt Netanjahu das Land am Ende mehr in Gefahr als es Hamas und Co alleine jemals könnten. Aber das hat man halt davon wenn die Politik einer ganzen Region von Dogmatikern und Extremisten auf allen Seiten bestimmt wird.
kenterziege 03.12.2012
3. Extremisten
Zitat von sysopREUTERSIsraels wird für neue Siedlungspläne im Westjordanland international hart kritisiert: Großbritannien denkt offenbar über den Rückruf des Botschafters nach. Ähnliche Pläne soll es in Frankreich geben. Die israelischen Vertreter in London und Paris wurden einbestellt. Streit mit Israel: Briten und Franzosen erwägen Abzug von Botschafter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-mit-israel-briten-und-franzosen-erwaegen-abzug-von-botschafter-a-870613.html)
Es ist schlimm, wenn aus dem Gaza-Streifen Raketen auf Israel geschossen werden. Da wehren sich die Israelis zu Recht! Aber es gibt auch strukturelle Gewalt. Dazu gehört die provozierende Ausweitung der Siedlungsräume. Gaza abgeschnürt, Siedlungsräume ausgeweitet - so schafft man Hass! Ja - bestellt die Botschafter ein, und staucht sie zusammen. Diese extreme Politik wird den Israelis noch einmal auf die Füße fallen: Sie werden demografisch besiegt werden!
spon-facebook-1425926487 03.12.2012
4.
Und Deutschland? Macht nichts.. Wie üblich. Man fragt sich, ob man denn gar nichts aus der Vergangenheit gelernt hat..? Ist man nun gegen Unterdrückerregime- oder toleriert man sie unter gewissen Umständen eben doch? Wie passt das zusammen mit den deutschen 12 finstersten Jahren in seiner Geschichte?
TheBear 03.12.2012
5. Lächerlich
Zitat von sysopREUTERSIsraels wird für neue Siedlungspläne im Westjordanland international hart kritisiert: Großbritannien denkt offenbar über den Rückruf des Botschafters nach. Ähnliche Pläne soll es in Frankreich geben. Die israelischen Vertreter in London und Paris wurden einbestellt. Streit mit Israel: Briten und Franzosen erwägen Abzug von Botschafter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-mit-israel-briten-und-franzosen-erwaegen-abzug-von-botschafter-a-870613.html)
Zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber dennoch lächerlich. Ist von den Israelis schon mit einkalkuliert, denn bisher wurde nie etwas ernsthaftes gegen die Siedlungen unternommen. Eines müssen die Staaten, die an einer langfristigen Friedenslösung interessiert sind, begreifen: Palestinenser und Israelis sind unreif, wie kleine Kinder, man muss sie zu ihrem Glück zwingen, und das geht in der jetzigen Lage nur mit Massnahmen, die wehtun, also beim Geld, solange bis - Palestina ein richtiger Staat ist, der Israel anerkennt, und der von Israel anerkannt wird - Mauer und Siedlungen aus palestinesischem Gebiet entfernt, oder den Palestinensern verkauft (geschenkt?) worden sind. Solange dies nicht passiert geschieht nur eines: Die Extremisten in beiden Lagern werden gestärkt, und das wird dann richtig teuer.
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