Streit über Armenier-Gesetz: Erdogan wirft Frankreich Völkermord vor

Der türkische Regierungschef Erdogan hält Frankreichs Präsident Sarkozy "Hass gegen Muslime und Türken" vor, der Botschafter reist aus Paris ab. Grund ist der Streit über den Genozid an den Armeniern. Nun unterstellt Ankara auch den Franzosen Völkermord - in Algerien.

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REUTERS

Türkischer Regierungschef Erdogan: Botschafter aus Paris abgezogen

Istanbul - Schuld tragen die anderen, nicht wir: So lässt sich die Logik des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan verstehen, der am Freitag mit scharfen Worten Frankreich kritisiert hat.

Präsident Nicolas Sarkozy setze aus wahltaktischen Gründen auf "Hass gegen Muslime und Türken", sagte Erdogan. Er nahm damit Bezug auf einen Beschluss des Parlaments in Paris, das Leugnen des Völkermords an den Armeniern unter Strafe zu stellen.

Der Hintergrund: Zwischen April 1915 und Juli 1916 wurden rund zwei Drittel der Armenier, die auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebten, deportiert oder umgebracht. Bei den Massakern, organisiert von der Regierung des Osmanischen Reichs, kamen nach unterschiedlichen Schätzungen 200.000 bis 1,5 Millionen Armenier ums Leben.

Die meisten Historiker sind sich einig, dass es sich dabei um einen "Völkermord" gehandelt habe. Die Türkei weist diesen Vorwurf vehement zurück. "In unserer Geschichte wurde kein Völkermord begangen", sagt Erdogan.

"Algerische Bevölkerung durch die Franzosen massakriert"

Im Streit mit Frankreich ging Erdogan nun sogar noch einen Schritt weiter: Er warf Frankreich seinerseits vor, selbst als Kolonialmacht in Algerien einen "Völkermord" begangen zu haben. "Schätzungen zufolge wurden 15 Prozent der algerischen Bevölkerung durch die Franzosen ab 1945 massakriert. Es handelt sich um einen Völkermord."

Die Beziehungen zwischen Ankara und Paris sind wegen der Armenier-Frage mittlerweile schwer belastet. Der türkische Botschafter reiste am Freitag aus Paris ab, bilaterale Besuche sagte Ankara ab - und auch die Militärkooperation wurde auf Eis gelegt.

Frankreichs Außenminister Alain Juppé erklärte danach, es sei wichtig, Dialog und Kooperation zwischen den beiden Nato-Partnerländern aufrechtzuerhalten. Zuvor hatte er bereits vor einer "Überreaktion" der Türkei gewarnt.

Die Türkei sieht in dem französischen Armenier-Gesetz ein wahltaktisches Manöver Sarkozys für die etwa 500.000 armenischstämmigen Bürger in Frankreich. Sarkozy stellt sich im Frühjahr zur Wiederwahl.

hen/AFP/dpa

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1. Warum Erdogan lächerlich machen?
Heinz-und-Kunz 23.12.2011
Zitat von sysopDer Streit zwischen der Türkei und Frankreich eskaliert. Regierungschef Erdogan wirft Präsident Sarkozy "Hass gegen Muslime und Türken" vor, der Botschafter reist aus Paris ab.*Grund ist der Streit über den Genozid an den Armeniern. Nun unterstellt Ankara auch den Franzosen Völkermord - in Algerien. Streit über Armenier-Gesetz: Erdogan wirft Frankreich Völkermord vor - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805571,00.html)
Er macht es selbst man Besten. 1. Hat sich Frankreich in From von Präsident Chirac schon vor Jahren entschuldigt. 2. Ändern französische Untaten in Algerien nicht an der Tatsache des Völkermords an den Armeniern. Mit den Finger auf andere zeigen ist in dem Kulturkreis aber ein beliebtes Ablenkungsmanöver.
2. urkomisch
spiegel-hai 23.12.2011
Zitat von sysopDer Streit zwischen der Türkei und Frankreich eskaliert. Regierungschef Erdogan wirft Präsident Sarkozy "Hass gegen Muslime und Türken" vor, der Botschafter reist aus Paris ab.*Grund ist der Streit über den Genozid an den Armeniern. Nun unterstellt Ankara auch den Franzosen Völkermord - in Algerien. Streit über Armenier-Gesetz: Erdogan wirft Frankreich Völkermord vor - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805571,00.html)
Der springende Punkt ist ihm allerdings entgangen. Keiner wird in Frankreich für einen solche Behauptung eingeknastet.
3. Vom Nationalstolz komplett geblendet
PendlerRü 23.12.2011
Die Türken sind von Ihrem Nationalstolz komplett verblendet. Aber Stolz auf was ? Die Franzsosen wissen um Ihre begangenen Fehler und Verbrechen und haben diese eingeräumt und sind auch um Wiedergutmachung und Hilfe in den ehemaligen Kolonialstaaten bemüht. (mit Erfolg oder weniger sei mal dahin gestellt) Ein moralisches Werte System und das Einräumen eigenener vergangenen Fehler und Verbrechen ist ein Grundstein jeder zilivilisierten Gesellschaft. Dieses Eigenschaft fehlt der Türkei und den meisten Türken vollkommen. Viele Intellektuelle landen in Kerkern und Verliesen, weil ihre Reden gegen das "Türkentum" sein. Allein schon diese Formulierung und Vorgehensweise spricht für sich. Es werden noch Jahrhunderte vergehen bis die Türkei bei den eurpäischen Menschenrechten und Werten angekommen ist, wenn überhaupt jemals. Aber Vielleicht sollte man sich fragen, warum sollten sie? Brauchen wir so ein Land und solch eine unfreie Gesellschaft in unserer Gemeinschaft ? Ich für meinen Teil kann darauf sehr gut verzichten!
4. Einsichtig geht anders
bohemix 23.12.2011
---Zitat--- Präsident Nicolas Sarkozy setze aus wahltaktischen Gründen auf "Hass gegen Muslime und Türken", sagte Erdogan. ---Zitatende--- Billiger geht's ja wohl nicht. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie sich Erdogan als EU-Ratspräsident gebärden würde. Haß gegen Moslems kann sich kein französischer Präsident leisten. In Frankreich funktioniert das Zusammenleben noch einigermaßen. (Noch - aber das ist ein anderes Thema). Abgesehen davon spielen die Türken in F wirklich nur eine untergeordnete Rolle. Sie werden so gut wie gar nicht wahrgenommen.
5. Aggressive Propaganda
oups007 23.12.2011
Zitat von sysopDer Streit zwischen der Türkei und Frankreich eskaliert. Regierungschef Erdogan wirft Präsident Sarkozy "Hass gegen Muslime und Türken" vor, der Botschafter reist aus Paris ab.*Grund ist der Streit über den Genozid an den Armeniern. Nun unterstellt Ankara auch den Franzosen Völkermord - in Algerien. Streit über Armenier-Gesetz: Erdogan wirft Frankreich Völkermord vor - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805571,00.html)
Mit der derselben aggressiven Rhetorik hat Erdogan vor Jahren auch eine vergleichbare geplante Resolution der USA torpediert. Man sollte als Minimalvoraussetzung für Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU zwei Dinge fordern: Kompromißfähigkeit in der Zypernfrage und Anerkennung des Genozids an den Armeniern. Ob das mit dem nationalen SuperEgo der Türkei vereinbar wäre?
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