Streit über Atomprogramm USA planen Aufrüstung von Irans Nachbarn

Offiziell warnen die USA vor einem Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm. Dies sei nur das letzte Mittel, sagt Verteidigungsminister Panetta. Doch die Planungen für den Ernstfall laufen. Verbündete am Golf sollen laut "Wall Street Journal" mit bunkerbrechenden Bomben aufgerüstet werden.

REUTERS

Washington - Im Atomkonflikt mit Iran halten sich die USA mit militärischen Drohgebärden zurück. Hinter den Kulissen allerdings rüsten die Vereinigten Staaten ihre Verbündeten offenbar für den Ernstfall auf. Das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Reuters berichten übereinstimmend unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen, das Pentagon plane den Verkauf von Waffen in die Golf-Region, genauer: an die Vereinigten Arabischen Emirate.

Dabei geht es den Angaben zufolge um bis zu 4900 bunkerbrechende Bomben des Herstellers Boeing. Diese sind besonders geeignet, unterirdische Bauwerke wie Bunker und Tunnel von der Luft aus anzugreifen. Der Westen geht davon aus, dass Iran sein Atomprogramm in solchen Anlagen vorantreibt.

Bereits im September hatten die USA einem Waffendeal mit den Emiraten zugestimmt, der den Verkauf von 500 Luft-Boden-Raketen vom Typ "Hellfire" vorsah. Zu dem neuen Plan hat sich das Pentagon bisher offiziell nicht geäußert. Die Vereinigten Arabischen Emirate pflegen zwar intensive Handelsbeziehungen zu Iran, doch die Regierung in Abu Dhabi gilt als politisch sehr zurückhaltend gegenüber den Machthabern in Teheran. Die Angst vor möglichen iranischen Atomwaffen hat die Führung der Emirate bereits mehrfach deutlich zum Ausdruck gebracht.

Warnung vor dem Militärschlag

Offiziell warnen die USA im Atomkonflikt mit Iran vor den "unbeabsichtigten Konsequenzen" eines Angriffs auf die Nuklearanlagen des Regimes. Verteidigungsminister Leon Panetta sagte am Donnerstag vor Journalisten in Washington, ein militärisches Vorgehen könne gravierende Auswirkungen auf die Region und auf die in dem Gebiet stationierten US-Soldaten haben.

"Es ist für uns wichtig sicherzustellen, dass wir die härtesten Sanktionen - wirtschaftlicher und diplomatischer Druck - gegen Iran anwenden, um sein Verhalten zu ändern", sagte Panetta. Allerdings schloss er einen Militäreinsatz nicht grundsätzlich aus. Dies bleibe das letzte Mittel, sagte der Verteidigungsminister.

Eine Bombardierung der iranischen Atomanlagen verzögere das Nuklearprogramm Teherans höchstens um drei Jahre, sagte Panetta. Die USA führten Gespräche mit ihren Verbündeten, in denen es um zusätzliche Strafmaßnahmen gehe, fügte er hinzu.

Iran will "mit eiserner Faust" zurückschlagen

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien hatte am Dienstag einen alarmierenden Bericht veröffentlicht. Darin dokumentieren die Atomwächter deutliche Hinweise auf ein geheimes Kernwaffenprogramm Teherans. Demnach hat Iran unter anderem Sprengkapseln getestet, die für eine Atombombe geeignet wären. Außerdem seien Raketen für Atomsprengsätze vorbereitet worden. In Israel wurde daher öffentlich über einen Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen diskutiert. Die Regierung in Jerusalem hat diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Alle Optionen seien auf dem Tisch, hieß es.

Während Israel, die USA, Frankreich und Deutschland als Konsequenz aus dem Bericht schärfere Strafmaßnahmen forderten, lehnte die Uno-Veto-Macht China am Donnerstag neue Sanktionen ab. "Wir glauben wie bisher, dass Dialog und Zusammenarbeit die einzigen zielführenden Wege sind, um die Frage des iranischen Atomprogramms richtig zu lösen. Druck und Sanktionen können den Kern des Problems nicht lösen", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Hong Lei am Donnerstag. Zuvor hatte sich Russland ebenfalls gegen weitere Strafen ausgesprochen.

Iran hatte die USA und Israel zuletzt mit scharfen Drohungen vor einem Angriff gewarnt: Ajatollah Ali Chamenei, geistlicher Führer des Landes, erklärte, sein Land würde "mit eiserner Faust" zurückschlagen. Die Warnung wurde am Donnerstag vom staatlichen iranischen Hörfunksender verbreitet.

hen/ffr/dpa/Reuters/dapd

insgesamt 180 Beiträge
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Seite 1
gweihir 11.11.2011
1. Die lernen nix aus ihren Fehlern...
Den Mist irgendwelche Nachbarn zu bewaffnen, die sich dann spaeter als Terrorlager herausstellen haben die USA ja schon unzaehlige Male gemacht. Iran, Irak, Afganistan,... Sind die wirklich so Dumm?
keppler 11.11.2011
2. Ich
Zitat von sysopOffiziell warnen die USA vor einem Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm. Dies sei nur das letzte Mittel, sagt Verteidigungsminister Panetta. Doch im Hintergrund laufen die Planungen für den Ernstfall. Verbündete in der Golf-Region sollen laut "Wall Street Journal" aufgerüstet werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797117,00.html
frage mich mehr u. mehr, warum die USA glauben, sich überall einzumischen. Ist das Sendungsbewußtsein, Hybris, oder einfach geldgeile Dummheit? Von Obama hätte ich besseres erwartet. Langsam glaube ich auch, dasser nur die Marionette der wirklich Mächtigen ist.
ugt 11.11.2011
3. Und wieder ....
Zitat von sysopOffiziell warnen die USA vor einem Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm. Dies sei nur das letzte Mittel, sagt Verteidigungsminister Panetta. Doch im Hintergrund laufen die Planungen für den Ernstfall. Verbündete in der Golf-Region sollen laut "Wall Street Journal" aufgerüstet werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797117,00.html
... rüstet die US Regierung ihre baldigen Feinde mit Waffen aus, dann werden willfährige Diktatoren eingesetzt und zum Schluss hat man wegen seiner stümperhaften, menschenverachtenden Politik einen Feind mehr.
taubenvergifter 11.11.2011
4. ...
Zitat von sysopOffiziell warnen die USA vor einem Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm. Dies sei nur das letzte Mittel, sagt Verteidigungsminister Panetta. Doch im Hintergrund laufen die Planungen für den Ernstfall. Verbündete in der Golf-Region sollen laut "Wall Street Journal" aufgerüstet werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797117,00.html
Wie innovativ. Manche Völker lernen nie aus der eigenen Geschichte.
mdhp 11.11.2011
5. Glückwunsch
Die USA haben es mal wieder geschafft. Mit viel panikmachender Information zum Iran bewegt man andere US-Waffen zu kaufen. So macht man Geld und stärkt die eigene Wirtschaft.
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