Streit über Exekutionstermin Amerikaner wollten Saddam-Hinrichtung verschieben

Der US-Botschafter im Irak soll versucht haben, die Hinrichtung Saddam Husseins zu verschieben. Schließlich gaben die Amerikaner aber doch nach - der irakische Ministerpräsident Maliki habe auf einer raschen Exekution bestanden, heißt es.


Bagdad - Aus irakischen Regierungskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters heute, dass der US-Botschafter Zalmay Khalilzad Iraks Premierminister Nuri al-Maliki gebeten hatte, die Hinrichtung Saddam Husseins um zwei Wochen zu verschieben. "Die Amerikaner wollten die Hinrichtung um 15 Tage aufschieben, weil sie nicht scharf darauf waren, dass er sofort hingerichtet wird", sagte demnach ein hochrangiger irakischer Regierungsvertreter, der mit dem Hinrichtungsgeschehen vertraut war und namentlich nicht genannt werden wollte.

Saddam-Anhänger in Tikrit, Saddams Heimatstadt: Wut unter den Sunniten über die Art der Hinrichtung
DPA

Saddam-Anhänger in Tikrit, Saddams Heimatstadt: Wut unter den Sunniten über die Art der Hinrichtung

"Aber im Laufe des Freitags stellte das Büro des irakischen Regierungschefs alle Dokumente zur Verfügung, nach denen die Amerikaner verlangt hatten. Als die Amerikaner merkten, dass der Premierminister sehr beharrlich in der Sache war, änderten sie ihre Meinung über einen Hinrichtungsaufschub."

Khalilzad habe demnach noch am Freitag gegenüber Premierminister Maliki erklärt, er werde den 69-jährigen Verurteilten nicht an die Iraker übergeben, sollten nicht die von den Amerikanern geforderten Dokumente vorliegen - einschließlich einer unterschriebenen Autorisierung des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani sowie eines Vollstreckungsbefehls von Maliki selbst. Das irakische Fernsehen zeigte Bilder, wie Maliki das Dokument mit roter Tinte unterschrieb.

Iraks Präsident Talabani, ein Kurde, hat sich bisher mit der Unterzeichnung von Todesurteilen sehr zurückgehalten. Die Verfassung räumt ihm gleichwohl keine Befugnis ein, Kriegsverbrecher zu begnadigen. Gerade viele der Kurden im Irak forderten die Todesstrafe für Saddam, da sie ihn des Völkermords beschuldigten. Nach Angaben aus Bagdad verfassten Talabanis Berater einen Brief für die Amerikaner, der offiziell bestätigte, dass eine präsidentielle Anordnung der Urteilsvollstreckung nicht erforderlich sei.

Am Ende ging es nur noch um Details

Am Ende der Debatte zwischen Amerikanern und Irakern über die Vollstreckung des Todesurteils an Saddam Hussein sei es nur noch um Details gegangen.

Mehrere irakische Regierungsvertreter hatten zuvor erklärt, die US-Streitkräfte hätten Saddam sehr kurze Zeit vor der Hinrichtung am Morgengrauen am Samstag an die Iraker übergeben, nachdem sich Premier Maliki und Vertreter der US-Botschaft über das weitere Vorgehen geeinigt hätten.

Die US-Botschaft in Bagdad lehnte jeden Kommentar zur Hinrichtung Saddams ab. Auch die amerikanischen Streitkräfte wollten sich heute nicht zu der Frage äußern, inwiefern sie zur Urteilsvollstreckung beigetragen haben.

Saddam Hussein war am Samstagmorgen gehenkt worden - vier Tage nachdem ein Berufungsgericht sein Todesurteil bestätigt hatte. Er hatte bis zu seinem Sturz im Jahr 2003 fast drei Jahrzehnte lang im Irak geherrscht. Das Todesurteil war von einem irakischen Gericht gefällt worden, das ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig sprach.

Video zeigt die komplette Hinrichtung

Die schnelle Vollstreckung des Todesurteils an Saddam hat die Autorität des als schwach und als "Marionette der Amerikaner" geltenden Regierungschefs Maliki unter den Schiiten gestärkt. Zugleich sind viele Sunniten - dieser islamischen Glaubensrichtung gehörte Saddam Hussein an - wütend: Ihr Zorn richtet sich auch gegen die Art der Hinrichtung. Seit Sonntag kursiert ein vermutlich von einem schiitischen Gefängniswärter mit einem Mobiltelefon aufgezeichnetes Video, das die komplette Hinrichtung Saddams zeigt. In wackligen Bildern ist zu sehen, wie Saddam getötet wird, noch während er ein Gebet spricht. Zudem sind Beschimpfungen und "Muktada"-Rufe zu hören - der radikalschiitische Geistliche Muktada al-Sadr gilt als der größte Widersacher des hingerichteten Ex-Präsidenten. Heute Morgen kam es unter den Sunniten wegen dieses Videos zu Protesten.

kaz/Reuters



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