Streit über Nuklearprogramm Nordkorea bricht Atom-Frist

Das nordkoreanische Regime hatte sich dazu verpflichtet, bis Ende 2007 seine Atomaktivitäten zu enthüllen und Atomanlagen unbrauchbar zu schließen. Doch nun hat es die vereinbarte Frist gebrochen und wirft den USA "feindselige Politik" vor. Die Amerikaner reagieren gelassen.


Seoul/Washington - Nordkorea hatte im November mit dem Abbau seiner Atomanlagen begonnen, bis zum Jahresende sollte das Atomprogramm lückenlos offengelegt und der einzige Atomreaktor des Landes außer Betrieb sein. Im Gegenzug wurde dem verarmten Land eine Million Tonnen Heizöl sowie eine internationale diplomatische Aufwertung zugesichert.

Nordkoreanische Atomanlage in Yongbyon: "Das ist unglücklich, wir werden weiter daran arbeiten müssen"
REUTERS

Nordkoreanische Atomanlage in Yongbyon: "Das ist unglücklich, wir werden weiter daran arbeiten müssen"

So lautete die Vereinbarung aus den sogenannten Sechs-Parteien-Gesprächen im Februar, an denen neben dem kommunistischen Regime die USA, Russland, Südkorea, China und Japan beteiligt waren. Am Montag, 17 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit endete die Frist. Nordkorea ließ sie verstreichen. Washington reagierte zurückhaltend auf die Verzögerung: "Das ist unglücklich, wir werden weiter daran arbeiten müssen", so US-Außenamtssprecher Tom Casey.

Die USA und Südkorea verlangen insbesondere Informationen über die Menge des vom Norden hergestellten Plutoniums und Antworten auf den Verdacht, das Land unterhalte ein geheimes Uran-Anreicherungsprogramm zum Bau von Atomwaffen.

"Pläne für eine Invasion"

In Nordkoreas staatlich kontrollierten Zeitungen warfen Kommentatoren der US-Regierung vor, den Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel mit Militärmanövern zu torpedieren. "Die Wirklichkeit zeigt einmal mehr, dass sich die Pläne der USA für eine Invasion nicht geändert haben", hieß es. Gespräche und Kriegsversuche würden aber nicht zusammenpassen.

Die USA müssten ihre "feindselige Politik" gegenüber Pjöngjang aufgeben. Zugleich wurde das eigene militärische Abschreckungspotential betont: "Wir sollten stets die militärische Stärke unserer Republik ausbauen." Das ganze Land müsse eine "allgemeine Offensive zum Aufbau einer wirtschaftlichen Macht" beginnen. Zurzeit gebe es allerdings keine dringlichere Aufgabe, als die Versorgungsprobleme des Landes zu lösen.

Zunächst war befürchtet worden, dass die Atom-Frist zum Jahresende wegen technischer Probleme nicht eingehalten werden könnte. Die japanische Nachrichtenagentur "Kyodo" berichtete jedoch, Nordkorea habe den Abbau absichtlich verzögert. Ein Sprecher der nordkoreanischen Führung hatte der Agentur zufolge erklärt, die versprochenen Energielieferungen seien nicht rechtzeitig eingetroffen.

Ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush warnte Nordkorea davor, die politischen und wirtschaftlichen Zugeständnisse aufs Spiel zu setzen. Die Atomverhandlungen mit Nordkorea seien ein Prozess Zug um Zug, bei dem ein Schritt der einen Seite den nächsten Schritt der anderen Seite erfordere.

Kurz vor Weihnachten hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice Nordkorea noch einmal eindringlich aufgefordert, sein Atomprogramm wie verabredet offenzulegen und einzustellen. Die komplette Beleuchtung aller bisherigen Nuklearaktivitäten sei der erste Schritt zu einer Verbesserung der diplomatischen Beziehungen, mahnte Rice an.

sef/AFP/Reuters/AP/dpa



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