Streit über versenktes Kriegsschiff Nordkorea versetzt Truppen in Kampfbereitschaft

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea spitzt sich zu: Berichten einer Dissidentengruppe zufolge hat Diktator Kim Jong Il seine Armee in Kampfbereitschaft versetzt. Die USA stellen sich demonstrativ hinter den Süden und kündigen gemeinsame Manöver an.

DPA

Seoul - Auf der koreanischen Halbinsel verschärft sich die Lage: Nach Angaben einer nordkoreanischen Dissidentengruppe hat Diktator Kim Jong Il die Truppen seines Landes in Kampfbereitschaft versetzt. Damit habe Pjöngjang auf die Veröffentlichung des internationalen Untersuchungsberichts reagiert, der Nordkorea den Torpedo-Angriff auf das südkoreanische Kriegsschiffes "Cheonan" im März zuschreibt. Bereits am Donnerstag vergangener Woche habe die nordkoreanische Regierung den entsprechenden Befehl erteilt, teilte die in Seoul ansässige Vereinigung North Korea Intellectual Solidarity (NKIS) an diesem Dienstag mit.

Demnach wurde die Anordnung von Machthaber Kim Jong Il von seinem Vizeminister für Nationale Verteidigung, O Kuk Ryol, im Rundfunk bekanntgegeben. Kim wolle zwar keinen Krieg, doch sei Nordkorea bereit, jeden Angriff des Südens zurückzuschlagen, habe es in der Erklärung geheißen. Der südkoreanische Geheimdienst wollte den Hinweisen nachgehen.

US-Seemanöver vor der koreanischen Halbinsel

Die Spannungen zwischen beiden Ländern nehmen immer mehr zu: Die südkoreanische Regierung nahm nach sechsjähriger Unterbrechung wieder ihre Propagandasendungen gegen den kommunistischen Norden auf. Die Regierung startete nach Militärangaben am Montagabend Propagandasendungen mit westlicher Musik, Nachrichten und Vergleichen zwischen der wirtschaftlichen und politischen Lage in Nord- und Südkorea. Am Dienstag sollten Flugblätter verteilt werden, um die Nordkoreaner über den tödlichen Angriff auf das Kriegsschiff "Cheonan" zu informieren. In den kommenden Wochen sollen an der schwer bewachten gemeinsamen Grenze zudem Dutzende Lautsprecher und elektrische Werbetafeln für Propaganda installiert werden, um nordkoreanische Soldaten zum Überlaufen zu bewegen.

Ein klares Signal gegen Nordkorea setzt derweil Washington. Als Reaktion auf die Versenkung des Kriegsschiffs "Cheonan" planen die USA und Südkorea zwei zuvor nicht vorgesehene Seemanöver vor der koreanischen Halbinsel. "Angesichts dieses besonderen Vorfalls sind diese beiden Aktionen wichtig, um unser starkes Fundament der Zusammenarbeit und Abschreckung auszubauen", sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, am Montag. Whitman nannte keine Details, wann die Manöver stattfinden oder wieviele Schiffe und Soldaten daran beteiligt sein werden. Bei den Übungen solle es aber darum gehen, U-Boote aufzuspüren und abzuwehren sowie Bedrohungen durch Schiffe zu begegnen. "Zukünftige Aggressionen" sollten durch die Manöver unterbunden werden, teilte das Weiße Haus weiter mit.

Südkorea hatte am Montag als Teil von Strafmaßnahmen gegen Nordkorea unter anderem einen Handelsstopp angekündigt. Auch soll der Fall vor den Uno-Sicherheitsrat gebracht werden.

Ein internationales Ermittlerteam war am Donnerstag vergangener Woche zu dem Schluss gekommen, dass beim Untergang des Kriegsschiffes "Cheonan" am 26. März im Gelben Meer alles auf einen nordkoreanischen Torpedo-Angriff hinweist. Die kommunistische Führung in Pjöngjang weist jede Schuld von sich. Beim Untergang der "Cheonan" waren 46 Matrosen ums Leben gekommen.

anr/AFP/apn/dpa

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aat 23.10.2009
1.
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
War eine sinnvolle Verständigung mit Nordkorea jemals möglich ?
maan, 23.10.2009
2. Nordkorea gegen den Rest der Welt?
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Erst dann, wenn sich China und Russland durch den Hasardeur selbst bedroht fühlen. Wichtig wäre es, China und Russland wegen der Unterstützung Nordkoreas in der Weltgemeinschaft zu ächten. Ohne Unterstützung hätte der Spuk schnell ein Ende.
Ghost12 23.10.2009
3. Tolle Ausgangsfrage
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Nein. Die provozieren schon wieder mit ihrer Passivität. Direkt Bomben abwerfen. Für Frieden und Demokratie.
tao chatai 23.10.2009
4.
Zitat von aatWar eine sinnvolle Verständigung mit Nordkorea jemals möglich ?
Na klar,vor dem ersten Ueberfall durch die USA,etwa 1864(ohne zu googeln)
Andreas Henn, 23.10.2009
5.
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Mit Nodkorea schon, warum auch nicht? Mit dem aktuellen Regime, nein, wie denn auch?
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