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Streit um Chinas Entscheidung: Bush protestiert gegen Einreiseverbot für Olympiasieger Cheek

Seine Kritik an Chinas Rolle in Darfur passte Peking offenbar nicht: Eisschnelllauf-Olympiasieger Joey Cheek aus den USA erhält kein Visum für die Reise zu den Sommerspielen. Das Weiße Haus fordert die sofortige Rücknahme der Entscheidung.

Olympiasieger Cheek: Die Chinesen sperren ihn aus
REUTERS

Olympiasieger Cheek: Die Chinesen sperren ihn aus

Peking - Die US-Regierung und das Olympische Komitee der USA kämpfen für ihn - bisher vergebens: Die chinesischen Behörden haben Joey Cheek kurzfristig die Einreisegenehmigung entzogen. Die chinesische Botschaft in Washington teilte lediglich mit, sie sei nicht verpflichtet, zu den Gründen des Visumentzugs Stellung zu nehmen.

Cheek, der bei den Winterspielen 2006 in Turin eine Goldmedaille über 500 Meter im Eisschnelllauf gewann, wollte zusammen mit 70 an den Sommerspielen in Peking teilnehmenden Athleten auf die umstrittene Rolle Chinas in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur aufmerksam machen. "Weniger als 24 Stunden vor meiner Abreise haben sie mein Visum widerrufen", sagte Cheek, der die Sportlervereinigung Team Darfur mitgegründet hat.

"Die Verweigerung meines Antrages ist ein Teil des systematischen Vorgehens der chinesischen Regierung, um Sportler einzuschüchtern, die sich für die unschuldigen Menschen in Darfur einsetzen", sagte Cheek, der bei der Abschlussfeier in Turin die US-Fahne getragen hatte.

China steht wegen seiner Waffenlieferung an die sudanesische Regierung international in der Kritik. In Darfur im Westsudan kämpfen seit Februar 2003 Rebellenorganisationen gegen regierungstreue Milizen. Nach Uno-Schätzungen kamen in dem Konflikt bis zu 300.000 Menschen ums Leben. 2,5 Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

Die USA kündigten an, gegen die Maßnahme formalen Protest einzulegen. "Wir nehmen die Sache sehr ernst", sagte die Sprecherin von US-Präsident George W. Bush, Dana Perino, die Bush auf seiner Asien-Reise begleitete. "Wir hoffen, dass sie (die Chinesen - d. Red.) ihre Meinung ändern."

Auch das Olympiakomitee der USA bemüht sich nach eigenen Angaben bei der US-Botschaft in Peking, dass der Widerruf des Visums aufgehoben wird.

Bush kritisierte auf seiner Asien-Reise mit ungewohnter Deutlichkeit die Menschenrechtslage in China. Er sei "tief besorgt", sagte der Präsident laut dem Manuskript für eine Rede, die er am Donnerstag in Bangkok vor ausländischen Diplomaten halten wollte - kurz vor seiner Ankunft zur Eröffnungsfeier der Spiele in Peking. Die USA seien entschieden gegen die Verhaftung von politischen Dissidenten, Menschenrechtlern und religiösen Aktivisten. Eindringlich forderte er dem Redetext zufolge China auf, Grundrechte wie Presse-, Versammlungs- und Religionsfreiheit zu garantieren.

Zuvor hatte auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch China massiv kritisiert. Sie warf Peking eine "massive Zunahme" von Menschenrechtsverletzungen vor. Sie verwies darauf, dass die chinesische Führung ihre Versprechen auf ganzer Linie gebrochen habe. "Die Pekinger Spiele haben eine Rückwärtsbewegung bei einigen fundamentalen Grundrechten ausgelöst", sagte Sophie Richardson, die Asien-Beauftragte der Menschenrechtsorganisation. Als Beispiel nannte sie Festnahmen, verschärftes Vorgehen gegen Meinungs- und Versammlungsfreiheit und die Vertreibung von Wanderarbeitern aus Peking.

als/AFP/dpa/sid/AP

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