Streit um Falklandinseln Kalter Krieg im Südatlantik

Der Konflikt um die Falklandinseln ist erneut entflammt. 30 Jahre nach Ausbruch des Kriegs um die Inseln im Südatlantik beharken sich Großbritannien und Argentinien mit politischen Provokationen. Es geht um nationalen Stolz - und um Erdöl.

REUTERS

Von Tobias Käufer, Bogota


Cristina Kirchner verlor nicht viel Zeit. Mitte der Woche hatte Argentiniens Präsidentin nach ihrer Schilddrüsenoperation gerade erst die Arbeit wiederaufgenommen. Und gleich zum Auftakt knöpfte sie sich ihren Lieblingsgegner vor: die Briten. "Ich habe gehört, dass man uns Argentinier als Kolonialisten bezeichnet hat. Aber bei den Vereinten Nationen sind noch heute 16 Kolonien verzeichnet und zehn davon gehören zu Großbritannien. Und die symbolträchtigste Kolonie sind die Falklandinseln."

Der Seitenhieb gegen London kommt nicht überraschend. Der Streit zwischen Argentinien und Großbritannien um die Inselgruppe im Südatlantik ist neu aufgeflammt. Mit entsprechenden Folgen: Bilder von wütenden Demonstranten vor der britischen Botschaft in Buenos Aires flimmern während der Abendnachrichten über die Bildschirme.

Und jetzt hat sich auch noch royaler Besuch angekündigt. In wenigen Tagen soll Prinz William seinen Dienst als Rettungspilot der Royal Air Force aufnehmen - ausgerechnet auf den Falklandinseln. Zwar ist die bevorstehende Stationierung des wohl prominentesten aller britischen Soldaten schon seit einiger Zeit bekannt. Aber nun ist das Klima der beiden früheren Kriegsgegner derart vergiftet, dass London vorsichtshalber die militärische Präsenz während des königlichen Gastspiels verstärken will.

Der Fall zeigt: Wenige Wochen vor dem 30. Jahrestag des Kriegsanfangs - der Falklandkrieg dauerte vom 2. April bis 20. Juni 1982 - liegen die Nerven in beiden Ländern blank. Seit Monaten beharken sich Argentinien und Großbritannien mit diplomatischen Winkelzügen und politischen Gemeinheiten. Argentinien verhängte jüngst einen Bann gegen alle Schiffe, die mit der Flagge der Falklandinseln in südamerikanische Häfen einlaufen wollen. Buenos Aires erhielt dafür Unterstützung des Wirtschaftsverbundes Mercosur.

Die britischen Behörden in der Falkland-Hauptstadt Stanely wiederum verweigerten jüngst dem überwiegend mit argentinischen Passagieren reisenden Kreuzfahrtschiff "Star Princess" einen außerplanmäßigen Zwischenhalt auf den Inseln. An Bord war zuvor eine Magen-Darm-Epidemie ausgebrochen. Offiziell begründeten die Behörden die Abfuhr damit, die Gesundheit der Bevölkerung schützen zu wollen. In den argentinischen Medien wurde der Vorfall dennoch als neuer Affront gegen Buenos Aires gewertet.

London wertet Argentiniens Verhalten als Provokation

Der Ausgangspunkt für die Auseinandersetzungen liegt bereits einige Monate zurück. Damals feierte Argentinien einen kleinen, aber bitterbösen politischen Erfolg: James Peck, Sohn eines britischen Inselbewohners, tauschte die britische Staatsbürgerschaft gegen einen argentinischen Pass ein. Der 44 Jahre alte Künstler war der erste Einwohner der "Islas Malvinas", der sich zu einem solchen Wechsel hinreißen ließ.

Prompt bat die argentinische Staatspräsidentin Kirchner am Jahrestag des Kriegsendes zum gemeinsamen Fototermin samt Pass und Peck, wohlwissend dass der Präzedenzfall die Briten zur Weißglut treiben würde. Denn Vater Terry Peck hatte während des Falklandkriegs eifrig Aufklärungsfotos von den argentinischen Truppen gemacht und dafür sogar einen militärischen Orden erhalten. Die Inselbewohner brachte der Sohn des Kriegsveteranen mit seiner Aktion gegen sich auf: "Es ist ekelhaft, dass ein Falkland-Insulaner so etwas macht", empörte sich die lokale Parlamentarierin Sharon Halford.

London wertet das Verhalten Argentiniens denn auch als Provokation: "Ungerechtfertigt und kontraproduktiv" sei das Vorgehen der Argentinier, kommentierte der britische Premierminister David Cameron wütend. Niemals werde Großbritannien die Souveränität der Insel gegen den Willen ihrer Bewohner aufgeben. Die Sorge über das "Säbelrasseln" aus Buenos Aires hält sich im britischen Verteidigungsministerium ohnehin in Grenzen. Argentinien habe "nicht die militärischen Möglichkeiten, um die Dummheit von 1982 zu wiederholen", sagte Gerald Howarth, hochrangiges Mitglied des Verteidigungsministeriums, laut "Telegraph".

Trotzdem legte Premier Cameron noch einmal nach. Die Bewohner der Falklandinseln sollten selbst entscheiden, ob sie weiterhin zum Vereinigten Königreich gehören wollten oder nicht. Würden die Argentinier diesen Willen nicht akzeptieren, so schlussfolgert der Premier, sei dies Kolonialismus in reinster Form. Nun bekam Cameron seine Antwort von Kirchner, die sich gerade von einer Krebserkrankung erholt hat, höchstpersönlich.

Neuer Konflikt - 30 Jahre nach Kriegsende

Vor gut 30 Jahren endete der Krieg um die "Islas Malvinas", wie die Argentinier die Inselgruppe nennen. Für die Angreifer aus Südamerika endete der Feldzug in einem militärischen Desaster. Die argentinische Militärdiktatur forderte damals mit der Besetzung der überwiegend von britischen Einwanderern bewohnten Inseln die Großmachtgefühle des britischen Empires heraus. Zwei Monate später war der blutige Konflikt entschieden. Die britische Flagge wehte wieder über der Hauptstadt Stanley. Rund tausend Menschen mussten in dem aberwitzigen Krieg ihr Leben lassen.

Der Streit um die Inselgruppe dürfte angesichts des bevorstehenden 30. Jahrestags des Falklandkriegs im April dieses Jahres wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Die Argentinier bestehen darauf, dass das britische Überseegebiet, das sie seit 1833 für sich beanspruchen, endlich die argentinische Flagge trägt.

Die neue politischen Offensive aus Argentinien hat einen handfesten wirtschaftlichen Grund: Ein britisches Ölunternehmen gab vor wenigen Monaten bekannt, ihre Experten hätten ein Potential von 350 Millionen Barrel in der Region ausfindig gemacht..

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Seite 1
edvjojo 28.01.2012
1. Ewigrückständige
Zitat von sysopDer Konflikt um die Falklandinseln ist erneut entflammt. 30 Jahre nach Ausbruch des Kriegs um die Inseln im Südatlantik beharken sich Großbritannien und Argentinien mit politischen Provokationen. Es geht um nationalen Stolz - und um Erdöl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810150,00.html
Die Engländer haben definitiv nicht mitbekommen, dass sich die Welt ändert. Demnächst sind die Schotten weg. Die Iren werden mit Sicherheit auch nicht mehr lange mitspielen und was die außer Erdöl uasbeuten auf den Falklands wollen, versteht eh keiner mehr. MAn ollte den Tommies den Autritt aus der EU und der UNO vorschlagen. Die sind eh bald allein auf der Welt.
benutzerdeluxe 28.01.2012
2.
Zitat von sysopDer Konflikt um die Falklandinseln ist erneut entflammt. 30 Jahre nach Ausbruch des Kriegs um die Inseln im Südatlantik beharken sich Großbritannien und Argentinien mit politischen Provokationen. Es geht um nationalen Stolz - und um Erdöl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810150,00.html
Liest bei spon keiner die Artikel gegen??
flower power 28.01.2012
3. Die Kolonnialzeit ist vorbei
Was haben den die Briten da zu suchen. Die Germanen waren auch schon überall. Die Falkland-Inseln gehören zu Argentinien. Die Briten sollen mal schon ihre Durchtrieben feiern.
meanministry 28.01.2012
4.
Zitat von sysopDer Konflikt um die Falklandinseln ist erneut entflammt. 30 Jahre nach Ausbruch des Kriegs um die Inseln im Südatlantik beharken sich Großbritannien und Argentinien mit politischen Provokationen. Es geht um nationalen Stolz - und um Erdöl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810150,00.html
Diese Aussage ist tatsächlich ziemlich lächerlich von einem Briten. Da geht man wohl nach dem Motto "wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ein kaum zu überbietendens Beispiel europäischer Arroganz. Klar, was die argentinische Diktatur damals abgezogen hat muß man auch nicht gut heißen. So viele Tote wegen so einem doofen Felsen aber auch... :( es ist schon traurig. Naja, ich werde demnächst mal ein paar Einwohnern ehemaliger britischer Kolonien vorschlagen die britischen Inseln in Besitz zu nehmen. Die Ureinwohner werden wir dabei nicht um Erlaubniss fragen (:
Ambermoon 28.01.2012
5.
Zitat von sysopDer Konflikt um die Falklandinseln ist erneut entflammt. 30 Jahre nach Ausbruch des Kriegs um die Inseln im Südatlantik beharken sich Großbritannien und Argentinien mit politischen Provokationen. Es geht um nationalen Stolz - und um Erdöl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810150,00.html
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