Streit um Haftbedingungen Clintons Sprecher tritt nach Manning-Affäre zurück

Philip Crowley kommt ein freimütiger Kommentar zu den Haftbedingungen des mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning teuer zu stehen. Der Sprecher von US-Außenministerin Hillary Clinton ist zurückgetreten. Er hatte Mannings Behandlung als "lächerlich" und "dumm" bezeichnet.

Ex-Sprecher Crowley: "Lächerlich", "kontraproduktiv", "dumm"
AFP

Ex-Sprecher Crowley: "Lächerlich", "kontraproduktiv", "dumm"


Washington - US-Außenamtssprecher Philip Crowley ist nach einem umstrittenen Kommentar über die Haftbedingungen des mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning zurückgetreten. Crowley hatte die Behandlung des Gefreiten in der Militärhaft im kleinen Kreis als "lächerlich", "kontraproduktiv" und "dumm" bezeichnet, nachdem berichtet worden war, Manning habe nackt schlafen müssen. US-Präsident Barack Obama war daraufhin während einer Pressekonferenz auf die Bemerkung hin angesprochen worden.

Mannings Anwalt hatte sich unlängst beschwert, sein Mandant habe wegen angeblicher Selbstmordgefahr mehrere Nächte lang nackt schlafen müssen. In einem von der britischen Zeitung "Guardian" am Freitag abgedruckten Brief Mannings hatte der 23-Jährige zudem geschildert, er müsse nackt vor Gefängniswärtern strammstehen.

"Angesichts der Auswirkungen meiner Äußerungen, für die ich die volle Verantwortung übernehme", habe er seinen Rücktritt als Sprecher des Außenministeriums eingereicht, teilte Crowley am Sonntag mit. Er habe mit seinen Äußerungen lediglich darauf hinweisen wollen, welche Auswirkungen eigentlich geheime Operationen amerikanischer Sicherheitsbehörden auf das weltweite Ansehen der USA haben könnten. In "schwierigen Zeiten" und angesichts einer "unnachgiebigen Medienwelt" müsse die "Ausübung von Staatsgewalt umsichtig und unter Berücksichtigung unserer Gesetze und Werte" stattfinden.

Clinton bedauert Crowleys Rücktritt

Außenministerin Hillary Clinton nahm das Rücktrittsgesuch "mit Bedauern" an und dankte Crowley, der seit Mai 2009 im Amt war. Präsident Obama äußerte sich bei der Pressekonferenz nicht dazu, ob er sich inhaltlich den Äußerungen Crowleys anschließen könne. Man habe ihm allerdings versichert, dass die Haftbedingungen Mannings den Standards entsprächen.

Nach einem Bericht des US-Senders CNN hatte Crowley im Freundeskreis die Befürchtung geäußert, dass eine Misshandlung Mannings zu Problemen bei der strafrechtlichen Verfolgung des Gefreiten führen könnte. Dem 23-jährigen Soldaten wird vorgeworfen, als geheim eingestufte Daten aus Pentagon-Computern an die Internet-Enthüllungsplattform WikiLeaks von Julian Assange weitergegeben zu haben. Am schwersten wiegt dabei der Vorwurf der "Kollaboration mit dem Feind". Im Falle einer Verurteilung droht ihm dabei die Todesstrafe. Die Militärstaatsanwaltschaft machte aber bereits klar, dass sie die Höchststrafe nicht fordern will.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte der US-Regierung schon Anfang des Jahres "unmenschliche Behandlung" des Gefreiten vorgeworfen. Obwohl er nicht verurteilt sei, werde er inhumanen Haftbedingungen ausgesetzt. Das Pentagon wies die Vorwürfe strikt zurück. Manning werde behandelt wie andere Häftlinge auch.

ffr/dpa/AP

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Haywood Ublomey 13.03.2011
1. Wenn es stimmt,
daß „die Haftbedingungen Mannings den Standards entsprechen“ – umso schlimmer! Sowas ist Standard?!
Kriegsgegner 13.03.2011
2. Unerhört...,
was da in den USA passiert. Erst die unmenschlichen Haftbedingungen in Guantanamo und jetzt die fragwür- dige Behandlung des USA-Soldaten in der Haft, obwohl er noch nicht einmal verurteilt ist. Die Amerikaner machen sich immer mehr in aller Welt verhasst.
Indigo76 13.03.2011
3.
Leider ist es in sehr vielen Ländern normal, dass die Untersuchungshaft härter ist als der eigentliche Strafvollzug. Auf diese Weise werden die Gefangenen mürbe und gestehfreudig gemacht. Eigentlich sollte man meinen, dass in sämtlichen Ländern in denen der Grundsatz "unschuldig bis zum Beweis der Schuld" gilt, es genau andersrum sei. Rechtlich gesehen ist ein Untersuchungsgefängnis voller unschuldiger Menschen. Die sollten entsprechend behandelt werden!
schmiedt 13.03.2011
4. Warum soll es dem Sprecher besser gehen als Herrn Manning?
Wer die Wahrheit sagt, muss dafür büßen. Insbesondere dann, wenn die Wahrheit unangenehm ist. Das darf ein Politiker gar nicht, wo kämen wir denn hin? Jämmerlich, noch schlimmer als bei uns (bekannt).
ThomasPr, 13.03.2011
5. .
Zitat von Kriegsgegnerwas da in den USA passiert. Erst die unmenschlichen Haftbedingungen in Guantanamo und jetzt die fragwür- dige Behandlung des USA-Soldaten in der Haft, obwohl er noch nicht einmal verurteilt ist. Die Amerikaner machen sich immer mehr in aller Welt verhasst.
1.) Der Mann ist selbstmordgefährdet. Irgendwie logisch, daß man ihm alles abnimmt, aus dem er sich einen Strick basteln könnte. 2.) Zig-tausende von Bundeswehrrekruten standen bei der Musterung nackt in Reihe vor dem Arzt/Ärztin, mußten sich die Hoden abtasten lassen und das A...loch inspizieren lassen. Seltsamerweise habe ich bisher keinen Aufschrei wegen der unmenschlichen Behandlung gehört.
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