Streit um Menschenrechte Saudi-Arabien weist kanadischen Botschafter aus

Kanada hat die Festnahme von Menschenrechtsaktivistinnen in Saudi-Arabien angeprangert - nun folgt die wütende Reaktion: Riad stoppt diplomatische und geschäftliche Beziehungen mit Ottawa.

Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland
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Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland


Saudi-Arabien hat am frühen Montagmorgen den kanadischen Botschafter des Landes verwiesen. Gleichzeitig rief die Führung in Riad ihren Botschafter in Kanada zu Konsultationen zurück, wie die saudische Agentur SPA berichtete. Zudem fror Saudi-Arabien ein erst vor Kurzem geschlossenes Handelsabkommen mit Kanada ein.

Hintergrund ist ein Streit um Menschenrechte. Die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland hatte am vergangenen Donnerstag zum Schicksal der Frauenrechtsaktivistin Samar Badawi getwittert und ihre Freilassung verlangt. Auch die kanadische Botschaft in Riad hatte sich "ernsthaft besorgt" über eine neue Welle von Festnahmen von Menschenrechtsaktivisten in Saudi-Arabien gezeigt und deren sofortige Freilassung gefordert.

Laut SPA sieht das saudische Außenministerium darin eine "eklatante und unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten des Königreichs", die man nicht akzeptieren werde. Es handle sich um einen Affront, der eine deutliche Reaktion erfordere.

Badawi war nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch vor rund einer Woche gemeinsam mit einer Mitstreiterin festgenommen worden, Nassima al-Sadah. Die beiden Frauen hatten jahrelang für das Recht gekämpft, in dem ultrakonservativen Königreich Auto fahren zu dürfen, berichtete die Organisation. Die Festnahmen seien ein Signal, dass das saudische Königshaus jeden friedlichen Widerspruch gegen seine autokratische Herrschaft als Bedrohung verstehe.

Samar Badawi (M.) mit Michelle Obama und Hillary Clinton (2012 in Washington)
REUTERS

Samar Badawi (M.) mit Michelle Obama und Hillary Clinton (2012 in Washington)

Samar Badawi ist die Schwester des inhaftierten saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi. Er wurde 2012 verhaftet und später zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Saudi-Arabien wirft ihm unter anderem vor, religiöse Werte angegriffen zu haben. Badawis Ehefrau lebt mit den drei gemeinsamen Kindern im kanadischen Quebec, erst vor wenigen Monaten wurden sie eingebürgert (ein Interview mit ihr aus dem Jahr 2015 können Sie hier nachlesen).

aar/dpa/AFP



insgesamt 84 Beiträge
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gandhiforever 06.08.2018
1. So etwas
So etwas braucht Donald Trump nicht zu befuerchten.
pflaume 06.08.2018
2. Und Deutschland?
Halten wir wieder mal den Mund? Um Waffenlieferungen an die Saudis nicht zu gefährden?
michred 06.08.2018
3. Anstand
Das ist anständig.
ulrics 06.08.2018
4.
Frauen misshandeln und dann so empfindlich bei Kritik. schämt euch.
YourSoul Yoga 06.08.2018
5. Viel schlimmer als Iran
Noch immer wird Saudi Arabien, der Exporteur von Terror und Fundamentalismus vom Westen hofiert. Wahabismus, Salafismus, Finanzierung von Al Qaida, IS und Extremisten in Syrien und Kaukasus bis hin nach Philippinen und Thailand, überall hat Saudi Arabien die Finger im Spiel. Und trotzdem hat sich der Westen auf den Iran eingeschossen. Ja, die Zustände im Iran sind miserabel, keine Frage. Das sollte aber nicht den Blick nach Saudi Arabien verschließen.
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