Streit um Raketenschild: Russland stationiert Abwehrraketen an Nato-Grenze

Der seit Jahren schwelende Streit um den US-Raketenschild in Europa eskaliert. Als Reaktion auf die Pläne verlagert Russland jetzt Flugabwehrraketen Richtung Westen. Nato-Generalsekretär Rasmussen reagiert erbost.

Streit um Nato-Abwehrschild: Russland verlagert Raketen Fotos
AFP

Moskau/Berlin - Kurz vor dem Treffen der Nato-Außenminister am Donnerstag eskaliert der Streit zwischen der Nato und Russland um den geplanten US-Raketenabwehrschirm. Nach einem modernen Radarsystem stationiert Russland nun auch Flugabwehrraketen in der Ostsee-Exklave Kaliningrad um das frühere Königsberg. Das System des Typs S-400 "Triumph" werde in Kürze nach einer Übung verlegt werden. Es solle künftig den Westen Russlands schützen, kündigte am Mittwoch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax an.

Die Raketen können sowohl gegen Kampfflugzeuge und Marschflugkörper als auch gegen Kurz- und Mittelstreckenraketen eingesetzt werden. Ebenfalls geplant ist die Stationierung von Boden-Boden-Raketen des Typs "Iskander" in der Region zwischen den Nato-Staaten Polen und Litauen.

Damit erhält der seit Jahren schwelende Konflikt eine neue Wendung. Hintergrund des Schwenks ist der Plan des Westens, in Polen und anderen mittel-osteuropäischen Ländern einen Raketenschild zu installieren, um sich gegen mögliche Angriffe aus Iran zu schützen. Moskau fühlt sich durch die Raketenabwehr bedroht und drängt die Nato seit langem, das Vorhaben zu stoppen.

Nato kritisiert russisches Manöver scharf

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen reagierte umgehend. Er forderte Russland zur Zusammenarbeit mit der Nato auf. Die von Moskau angekündigten Raketenstationierungen seien Geldverschwendung, kritisierte Rasmussen in Brüssel am Rande von Beratungen der 28 Nato-Außenminister.

"Es wäre definitiv Geldverschwendung, wenn Russland begänne, in Gegenmaßnahmen gegen einen künstlichen und nicht existierenden Feind zu investieren", sagte Rasmussen. "Dieses Geld könnte nutzbringender zum Wohle des russischen Volkes für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Modernisierung der russischen Gesellschaft ausgegeben werden."

Die Nato-Außenminister werden am Donnerstag mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow über die geplante Raketenabwehr sprechen. Das westliche Militärbündnis hat Russland eine enge Zusammenarbeit bei zwei miteinander verbundenen Abwehrsystemen angeboten. In Moskau wird jedoch befürchtet, eigene Raketen könnten von der Nato-Abwehr abgefangen werden. Zur Erhaltung des strategischen Gleichgewichts müssten daher russische Raketen nahe den Grenzen zur Nato stationiert werden.

Russland droht mit Ausstieg aus Abrüstungsvertrag

Rasmussen sagte, insgesamt habe es wesentliche Fortschritte in den Beziehungen zwischen dem Bündnis und Russland gegeben. "Bei der Raketenabwehr war der Fortschritt aber geringer als ich hoffte und erwartete", sagte er. Er hoffe, dass es beim Nato-Gipfel im Mai 2012 in Chicago noch eine Einigung über die Raketenabwehr gebe. "Es ist ein gemeinsames Interesse, unsere Bevölkerung gegen eine echte Bedrohung durch Raketen zu schützen."

Am Wochenende hatte bereits der russische Nato-Botschafter Dmitrij Rogosin die Tonlage verschärft. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview sagte er, er halte den amerikanischen Raketenschirm auf europäischem Boden für illegitim und deshalb für ein legitimes Angriffsziel. Zudem kündigte er den Ausstieg Russlands aus dem jüngsten Abrüstungsvertrag für Atomwaffen an, falls das Vorhaben nicht gestoppt würde.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurden die russischen "Triumph"-Raketen als Typ C-400 bezeichnet. Beim russischen "C" handelt es sich aber um das deutsche "S" - die Boden-Luft-Rakete heißt korrekt "S-400". Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

vme/dpa

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1. Die NATO ist selbst schuld
kellitom 07.12.2011
Die NATO hat mit ihren Raketenschild diese Reaktion Rußlands selbst provoziert. Da braucht sich Rasmussen gar nicht künstlich aufzuregen!
2. Der liebe Herr Rasmussen...
Werner655 07.12.2011
Zitat von sysopDer seit Jahren schwelende Streit um den US-Raketenschild in Europa eskaliert. Als Reaktion auf die Pläne verlagert Russland jetzt Flugabwehrraketen Richtung Westen. Nato-Generalsekretär Rasmussen reagiert erbost und wirft Moskau "Geldverschwendung" vor. Streit um Raketenschild: Russland stationiert Abwehrraketen an Nato-Grenze - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802294,00.html)
So, so! Der liebe Herr Nato Generalsekretär reagiert erbost und empfiehlt den Russen das Geld statt dessen für die russische Bevölkerung auszugeben... Herr Rasmussen ist durchaus bekannt, als altruistischer Vertreter der Friedfertigen. Als Friedenstaube unter den Friedfertigen, gewissermaßen. Und das mit Libyen, Irak, Afghanistan und weiteren mehr oder weniger bekannten Schauplätzen ließ sich ja nun wirklich nicht vermeiden. Da musste man militärisch eingreifen, das ging gar nicht anders. Alles nur zum Besten der Menschheit. Ich fasse es nicht! (Obwohl ich es grundsätzlich nicht mit den Russen habe).
3.
ObackBarama 07.12.2011
Die erprobte Methode... Wenn man in dem eigenem Land Probleme hat und nach der neuesten Wahl die Unterstützung in Bevölkerung schwindet, einfach mal davon ablenken mit den Kalter-Krieg-Spielchen..
4. Geldverschwendung ??
juergw. 07.12.2011
Zitat von sysopDer seit Jahren schwelende Streit um den US-Raketenschild in Europa eskaliert. Als Reaktion auf die Pläne verlagert Russland jetzt Flugabwehrraketen Richtung Westen. Nato-Generalsekretär Rasmussen reagiert erbost und wirft Moskau "Geldverschwendung" vor. Streit um Raketenschild: Russland stationiert Abwehrraketen an Nato-Grenze - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802294,00.html)
was hat denn Einsatz zur Befreiung Libyens gekostet ?? Der Raketenschild ist eindeutig gegen Russland gerichtet. Raketen aus dem Iran -über Europa nach den USA fliegen??!! Die USA wollen um Russland neue Raketen aufstellen. Sollte der Russe mal wieder in Cuba ein Raketenschild aufstellen. Wer soll denn diesen ganzen Wahnsinn noch finanzieren wo wir doch alle eigendlich pleite sind.
5. .
Andr.e 07.12.2011
lol.
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