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Streit um Verfassung: Japans Vizepremier empört mit Lob für Nazi

Politiker Taro Aso: "Warum lernen wir nicht von ihrer Taktik?" Zur Großansicht
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Politiker Taro Aso: "Warum lernen wir nicht von ihrer Taktik?"

Japan erwägt eine Änderung seiner Verfassung, will endlich reguläre Streitkräfte. Vizepremier Taro Aso hat auch gleich ein Beispiel parat, wie so etwas ohne großes Aufsehen ablaufen könnte: die Machtübernahme der Nazis. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum forderte eine Erklärung.

Tokio - Mit einem Lob der politischen Taktik der Nationalsozialisten hat Japans Vize-Regierungschef Taro Aso für Kritik gesorgt. Dieser hatte erklärt, Japan könne von den Nazis bei der Umsetzung von Verfassungsreformen lernen.

"Die deutsche Weimarer Verfassung wurde, ohne dass dies auffiel, durch die Verfassung Nazi-Deutschlands ersetzt. Warum lernen wir nicht von ihrer Taktik?", sagte Aso laut Medienangaben bei einer Rede am Montag. Er bezog sich damit auf die geplante Änderung der japanischen Verfassung, die derzeit in den Medien sowie bei den Nachbarn China und Südkorea für Aufregung sorgt.

Die regierende Liberaldemokratische Partei von Ministerpräsident Shinzo Abe erwägt eine Änderung der Verfassung, die Japan auf Druck der USA seit dem Zweiten Weltkrieg auf eine pazifistische Außenpolitik festlegt. Angesichts aktueller Gebietsstreitigkeiten mit China und Südkorea sollen die japanischen Verteidigungskräfte nach dem Willen der Regierungspartei nun aber zu regulären Streitkräften aufgewertet werden.

Japans Regierungssprecher wollte sich am Mittwoch auf Nachfrage nicht zu Asos Rede äußern. Der stellvertretende Ministerpräsident sollte Fragen selber beantworten.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum forderte Aso dagegen auf, seine Äußerung zu erklären. "Die einzige Lehre zur Regierungsführung, welche die Welt aus dem Dritten Reich ziehen sollte, ist, wie die Machthabenden nicht handeln sollten", hieß es in einer Stellungnahme des Zentrums.

jok/AFP

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1.
moev 31.07.2013
Zitat von sysopAFPJapan erwägt eine Änderung seiner Verfassung, will endlich reguläre Streitkräfte. Vize-Premier Taro Aso hat auch gleich ein Beispiel parat, wie so etwas ohne großes Aufsehen ablaufen könnte: Die Machtübernahme der Nazis. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum forderte eine Erklärung. Streit um Verfassung: Japans Vize-Premier empört mit Nazi-Lob - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-um-verfassung-japans-vize-premier-empoert-mit-nazi-lob-a-914146.html)
Und wie genau würde sich diese Änderung bemerkbar machen? Die japanische "Nicht-Armee" verfügt über hunderttausende "Nicht-Soldaten" ausgestatet mit einem Fuhrpark an Kriegswaffen der sich nicht von regulären Armeen unterscheidet. Das ist so als ob man sagt Deutschland hätte während der beiden Weltkriege ja gar keine Armeen gehabt, da die ja ...wehr bzw. Wehr... hießen und daher ja nur rein der Verteidigung gedient haben können.
2. optional
hansmaus 31.07.2013
öhm mal ne doofe Frage, was fehlt denn der japanischen Armee um reine "reguläre Streitkraft" zu werden?
3. optional
kebochum 31.07.2013
Die Ausrüstung ist nur auf Landesverteidigung ausgelegt. Es gibt keine Offensivwaffen wie Mittel- und Langstreckenwaffen, keine Kampfschwimmer, keine Tankflugzeuge, sowie keine Einsatzrichtlinien und Ausbildung für Offensivoperationen. Zudem ist es Japan laut Verfassung verboten internationale Konflikte mit militärischen Mitteln zu lösen.
4. optional
kebochum 31.07.2013
Die Ausrüstung ist nur auf Landesverteidigung ausgelegt. Es gibt keine Offensivwaffen wie Mittel- und Langstreckenwaffen, keine Kampfschwimmer, keine Tankflugzeuge, sowie keine Einsatzrichtlinien und Ausbildung für Offensivoperationen. Zudem ist es Japan laut Verfassung verboten internationale Konflikte mit militärischen Mitteln zu lösen.
5. Vernünftig!
dimmuborgir 31.07.2013
Zitat von kebochumDie Ausrüstung ist nur auf Landesverteidigung ausgelegt. Es gibt keine Offensivwaffen wie Mittel- und Langstreckenwaffen, keine Kampfschwimmer, keine Tankflugzeuge, sowie keine Einsatzrichtlinien und Ausbildung für Offensivoperationen. Zudem ist es Japan laut Verfassung verboten internationale Konflikte mit militärischen Mitteln zu lösen.
Gerade letzteres sollte weiterhin den nur USA überlassen sein. da hat man wenigstens Garantie dafür das es fair, sauber und ohne unnötigen Kollateralschaden abgeht. Da hat man immerhin Jahrzehnte an Erfahrung und weiß wie man so etwas macht.
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