Studie in acht Ländern: Europa der Intoleranten

Rechtspopulisten haben es in Europa leicht: In acht EU-Staaten haben Forscher die Menschen nach ihrer Zustimmung zu intoleranten Aussagen gefragt. Ein Drittel sieht eine natürliche Hierarchie zwischen Völkern, die Hälfte lehnt den Islam ab und eine Mehrheit ist sexistisch.

Niederländischer Islam-Kritiker Geert Wilders: Neue Studie warnt vor Diskriminierung Zur Großansicht
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Niederländischer Islam-Kritiker Geert Wilders: Neue Studie warnt vor Diskriminierung

Hamburg - "Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren - bis zur letzten Patrone", so donnerte CSU-Chef Horst Seehofer am Donnerstag in Passau vor seinen Parteifreunden. Bei vielen Menschen macht er sich damit nicht unmöglich, sondern beliebt. Mindestens Populismus muss sich Seehofer unterstellen lassen. In welchem Ausmaß übertriebener Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit bei den Deutschen auf Zustimmung stößt, hat im Oktober eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) gezeigt. Unter anderem stellten die Forscher eine erschreckend hohe Intoleranz gegenüber Muslimen fest.

Nun liegen erstmals vergleichbare Zahlen aus acht europäischen Ländern vor. Am Freitag stellte die FES die neue Studie "Die Abwertung der Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung" in Berlin vor. Die Bielefelder Wissenschaftler Andreas Zick, Beate Küpper und Andreas Hövermann stützen sich auf ausführliche, repräsentative Befragungen von jeweils 1000 Menschen in Deutschland, England, Frankreich, Niederlanden, Italien, Portugal, Polen und Ungarn.

"Zuwanderer, die hier leben, bedrohen meine persönliche Lebensweise und meine Werte", ist dann auch kein Spruch von Horst Seehofer zum politischen Aschermittwoch, sondern eine der Aussagen, zu denen die Befragten den Grad ihrer Zustimmung angeben sollten. Das Ergebnis der FES-Studie: Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, abwertende Einstellungen und Vorurteile gegenüber als "fremd" oder "anders" Empfundenen, ist in Europa weit verbreitet.

Große Einigkeit bei Islamfeindlichkeit

In den Niederlanden stießen die abwertenden Aussagen auf die geringste Zustimmung, in Polen und Ungarn auf die größte. Für Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit und Rassismus ermittelt die FES-Studie nur geringfügige Unterschiede zwischen den Ländern. Deutliche Unterschiede fanden die Forscher bei den Ausmaßen von Antisemitismus, Sexismus und Homophobie. Die Europäer vereint offenbar die Ablehnung von Fremden: "Rund die Hälfte aller europäischen Befragten ist der Ansicht, es gebe zu viele Zuwanderer in ihrem Land", heißt es in der Studie.

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Grafiken: Zustimmung zu intoleranten Aussagen in Europa
Rund die Hälfte verurteile den Islam pauschal als Religion der Intoleranz - ein Ausmaß, bei dem auch die Niederlande keine Ausnahme bildet. "Hier zeigt sich deutlicher gesellschaftspolitischer Handlungsbedarf", so Andreas Zick. Selbst in den osteuropäischen Ländern, in denen der Anteil der Muslime an der Bevölkerung gering ist, herrschen Vorurteile und Ablehnung. Der Islam stehe unter Generalverdacht. Vor allem in Deutschland und Polen erklärt eine Mehrheit, dass der Islam nicht mit der eigenen Kultur kompatibel sei.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die abwertenden Einstellungen handfeste Folgen haben können. Wer bereit ist, Menschen aufgrund ihrer Herkunft abzuwerten, sei mit größerer Wahrscheinlichkeit ebenso bereit, sich gegen Integration auszusprechen, Einwanderern die politische Teilhabe zu verweigern, sie zu diskriminieren oder sogar mit Gewalt zu begegnen.

Mehrheit für klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau

Auf antisemitische Vorurteile reagierten die Befragten in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich, so ein Ergebnis der Studie. In Polen und Ungarn ist Antisemitismus weit verbreitet. 69,2 Prozent der in Ungarn Befragten glauben, dass "Juden zu viel Einfluss ausüben", in Polen waren es 49,9 Prozent. In Italien und Frankreich sind antisemitische Einstellungen demnach weniger weit verbreitet als im Durchschnitt, in Großbritannien und den Niederlanden ist die Ausprägung am geringsten.

Zustimmung zu ausgewählten Fragen
Frage D GB F NL I PT PL HU
Was ein Land am meisten braucht, ist ein starker Mann an der Spitze, der sich weder um das Parlament noch Wahlen schert. 32,3 41,8 43,2 23,1 38,2 62,4 60,8 56,5
Untergeordnete Gruppen sollten an ihrem Platz bleiben. 19,4 13,2 6,7 15,6 26,9 23,9 24,9 28,5
Frauen sollten ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen. 52,7 53,2 57,0 36,4 63,2 67,9 87,2 88,4
Es gibt zu viele Muslime im jeweiligen Land. 46,1 44,7 36,2 41,5 49,7 27,1 47,1 60,7
Manche Kulturen sind anderen klar überlegen. 41,6 20,1 29,4 37,9 28,6 61,3 49,4 38,5
Zuwanderer, die hier leben, bedrohen meine persönliche Lebensweise und meine Werte. 9,9 18,6 14,7 12,2 17,3 15,4 5,8 28,6
Zustimmung zu der Frage in Prozent. Die Länder lassen sich untereinander nur eingeschränkt vergleichen. Quelle: FES 2011
Wer Ehen zwischen Menschen heller und dunkler Hautfarbe ablehnt und mit dem Unterschied der Hautfarbe eine "natürliche" Hierarchie begründet, den zählt die Studie als Rassisten. 30,5 Prozent der Menschen in Deutschland finden, dass es eine "natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern" gibt - mit Ausnahme von Italien (18,7 Prozent) fällt dieser Wert in den anderen Ländern noch höher aus, in Portugal, Polen und Ungarn am höchsten. Auf die Heiratsfrage reagierten die Europäer weit weniger ablehnend.

"Frauen an den Herd" ist nicht nur eine sexistische Aussage, sondern Konsens in Ungarn, Polen und Portugal. Auch in Deutschland, Großbritannien und Frankreich sprach sich eine Mehrheit der Befragten dafür aus, dass Frauen ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen sollten - die Ausnahme bilden die Niederlande. Eine Mehrheit will die Ehe Mann und Frau vorbehalten und lehnt gleichgeschlechtliche Ehen ab - knapp 88,2 Prozent der Polen, rund zwei Drittel der Portugiesen, Italiener und Ungarn, zwischen 40 und 50 Prozent in den übrigen Ländern. Die Ausnahme ist - wieder einmal - die Niederlande mit 17 Prozent.

"Der Populismus beschimpft, der Extremismus bekämpft"

Ausdrücklich warnt die Studie vor einer Zunahme des Rechtspopulismus. Viele Menschen seien nicht grundsätzlich an Politik desinteressiert, fühlten sich aber von den Politikern alleingelassen. Die Klagen dieser Menschen richteten sich aber nicht gegen die etablierten Parteien, sondern gegen Zuwanderer, Muslime und schwache Gruppen in der Gesellschaft. Die vielfach geäußerte Ablehnung von Vielfalt müsse als Gefahr für die Demokratie ernst genommen werden, so die Autoren.

Die weit verbreiteten Vorurteile, die in allen Ländern der Europäischen Union zu beobachten seien, ermöglichen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, so die Studie: "Der Populismus beschimpft, der Extremismus bekämpft." So seien Rechtspopulisten überall dort erfolgreich, wo sie ihre Gewaltneigung verbergen und an die Vorurteile und Ängste von Menschen anknüpfen können. Die Sarrazin-Debatte ist kein auf Deutschland beschränktes Problem, sondern Ausdruck einer in Europa verbreiteten Gemütslage, auf die Politiker eine Antwort finden müssen.

Die Abwertung und Ausgrenzung von Anderen sei vor allem kein Phänomen von politischen Randgruppen, sondern finde sich auch in der Mitte der Gesellschaft. Somit dokumentiere ihre Studie nicht nur bestehende Vorurteile, sondern nenne Ängste und Befürchtungen der europäischen Mehrheitsbevölkerung, schreiben die Autoren. Populisten würden damit die Diskriminierung und Ausgrenzung von Minderheiten rechtfertigen. Die Schlussfolgerung der Forscher: Gleichwertigkeit müssen zum zentralen Anliegen in Europa werden.

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insgesamt 526 Beiträge
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1. Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung
Georg33 11.03.2011
Ach, eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung also. Na, dann ist ja alles klar.
2. Man muss es
Hamburgues 11.03.2011
nur oft genug wieder undifferenziert darstellen und schon wird genug hängenbleiben. Wenn man Islamkritik, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus in einem Atmezug erwähnt, bleibt ein öffentlicher Eindruck zurück, dass alles irgendwie das Gleiche sei. Ich bin scharfer Islamkritiker und habe dafür gute Gründe. Ich habe diese Gründe seit Monaten in vielen Kreisen, auch hier im SPON-Forum sachlich und differenziert dargelegt. Aber mich als SPD-Wähler mit Rassismus, Sexismus und Antisemitismus auch nur irgendwie in eigene Ecke zu stellen, macht mich wütend. Ich bin überzeugter Demokrat, Laizist und bin der Überzeugung, dass alle (!) Menschen auf der Welt gleich an Würde und Rechten sind. Ich bekanne mich zur deutschen Geschichte und der ewigen Erinnerung an die unsäglichen Verbrechen im deutschen Namen. Eben, weil ich diese Werte durch den orthodxen Islam in Gefahr sehe (auf die tausend Gründe dafür verzichte ich an dieser Stelle), stehe ich dem Islam in Theorie und Praxis sehr kritisch gegenüber. Und seit der Sarrazin-Debatte gibt es für meine politischen Positionen nur die Gleichsetzung mit Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus.. Diese Entwicklung ist im Grunde unglaublich und grotesque, aber sie wird den Gruppen und Kreisen in die Hände spielen, die eigentlich an der Beseitigung unserer FDGO interessiert sind-egal von welcher Seite...
3. Stammtischansichten über Frauen und Muslime
Emil Peisker 11.03.2011
Zitat von sysopRechtspopulisten haben es in Europa leicht: In acht EU-Staaten haben*Forscher die Menschen nach ihrer Zustimmung zu intoleranten Aussagen gefragt. Ein Drittel sieht eine natürliche Hierarchie zwischen Völkern, die Hälfte lehnt den Islam ab und eine Mehrheit ist sexistisch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750172,00.html
Die Wilders, Le Pens, Sarrazine und Urbans in Europa ernten nun die Früchte ihrer Demagogie. Die Stammtischansichten über Frauen und Muslime zeigen auf, dass dumpfe Nationalismen auf dem Vormarsch sind. Man sollte sich aktiv dagegen aussprechen. Sonst bekommen wir die Meinung dieser Intoleranten immer häufiger in den entsprechenden Medien zu lesen, und die Face Book Generation wird ebenfalls infiziert.
4. Empörung
liberator_ 11.03.2011
Die Studie und ihre Wertung bei Spon strotzt mal wieder vor Empörung über Rassismus und Islamophobie. Die Ergebnisse sind nicht überraschend, es ist eine natürliche menschliche Schutzreaktion Angst vor dem Islam zu haben. Die Ergebnisse haben die Moslems selbst verursacht durch: - hohe Gewaltbereitschaft - Unterdrückung von Frauen - teilweise Ablehnung der Demokratie - hohe Arbeitslosigkeit - Einwanderung in die Sozialsysteme Das wirklich empörende ist dass die Politik diese Art der Zuwanderung zugelassen hat und nichts dagegen unternimmt.
5. Intolerant oder doch vernünftig ?
muffpotter 11.03.2011
Zitat von sysopRechtspopulisten haben es in Europa leicht: In acht EU-Staaten haben*Forscher die Menschen nach ihrer Zustimmung zu intoleranten Aussagen gefragt. Ein Drittel sieht eine natürliche Hierarchie zwischen Völkern, die Hälfte lehnt den Islam ab und eine Mehrheit ist sexistisch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750172,00.html
Was der Spiegel "Europa der Intoleranten" nennt ist in Wirklichkeit "Europa der Vernünftigen". Mehr ist dazu nicht zu sageen!
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