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28. November 2015, 20:41 Uhr

Reaktion auf Su-24-Abschuss

Russland verhängt scharfe Sanktionen gegen die Türkei

Moskau will Vergeltung für den Abschuss seines Bombers durch die Türkei. Putin hat nun wie angekündigt die Einfuhr einiger türkischer Waren und Charterflüge gestoppt - außerdem dürfen russische Unternehmen keine Türken mehr einstellen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit weitreichenden Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei auf den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs reagiert. In einem Erlass verbot oder begrenzte der Kreml-Chef vorübergehend die Einfuhr bestimmter türkischer Waren. Das teilte der Präsidentenpalast mit.

Reiseanbieter aus Russland dürfen demnach außerdem keinen Urlaub in der Türkei mehr anbieten. Russische Unternehmer sollen ab 1. Januar zudem keine türkischen Staatsbürger mehr einstellen können.

Die Sanktionen hatte die russische Regierung vergangene Woche bereits angekündigt - darunter schärfere Lebensmittelkontrollen. Geplant war ein Bündel wirtschaftlicher Strafmaßnahmen gegen die Türkei, Ministerpräsident Dmitrij Medwedew hatte seine Minister angewiesen, ein "System von Antworten" zu erarbeiten, das sich unter anderem auf den Handel, Tourismus und den Flugverkehr beziehe.

Der russische Präsident wies seine Regierung nun auch an, eine Liste mit türkischen Waren zu erstellen, deren Einfuhr vorübergehend verboten oder begrenzt werden soll. Russland führt laut dem Erlass zudem ab 1. Januar die Visumpflicht für türkische Bürger wieder ein.

Stark dürfte auch die Tourismusbranche leiden. Russische Reiseveranstalter können künftig keinen Urlaub in der Türkei mehr anbieten. Fluggesellschaften müssen zudem auf Charterflüge zwischen Russland und der Türkei verzichten. Dabei ist die Türkei eines der beliebtesten Reiseziele der Russen.

Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten am Dienstag einen russischen Bomber vom Typ Su-24 im türkisch-syrischen Grenzgebiet abgeschossen. Laut türkischer Armee war die russische Maschine trotz wiederholter Warnungen in den türkischen Luftraum eingedrungen. Ankara veröffentlichte Aufnahmen, die dies belegen sollen. Moskau bestreitet dies und erklärt, die Su-24 sei über syrischem Gebiet geflogen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte inzwischen: "Wir wünschten, es wäre nicht passiert." Die von Moskau geforderte Entschuldigung lehnte er jedoch ab.

Verschärfte Kontrollen des Verkehrs zwischen beiden Ländern plant Moskau deshalb ebenfalls. Türkische Lastwagen sowie Schiffe sollen an den Grenzen und in den Häfen stärker überprüft werden. Der Erlass trägt den sperrigen Titel "Über die Maßnahmen, um Russlands nationale Sicherheit zu gewährleisten und russische Bürger vor kriminellen und anderen illegalen Aktivitäten zu schützen, sowie die Anwendung der besonderen wirtschaftlichen Maßnahmen gegen die Türkei".

Einige der nun erlassenen Sanktionen waren informell bereits eingeführt worden. Der Kreml begründete sie mit Sicherheitsbedenken. Russland und die Türkei haben enge Wirtschaftsbeziehungen. Betrachtet man die 28 EU-Länder zusammengefasst, war Russland vergangenes Jahr der zweitwichtigste Handelspartner für die Türkei. Der gemeinsame Warenumsatz belief sich auf umgerechnet 24 Milliarden Dollar. Russland war das viertwichtigste Ziel türkischer Exporte und die zweitwichtigste Importquelle. Nach Deutschland kauft kein anderes europäisches Land in Europa so viel Gas von Russland. Die Türkei exportiert vor allem Kleidung sowie Obst und Gemüse.

apr/dpa/AP/Reuters

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