Reaktion auf Su-24-Abschuss Russland verhängt scharfe Sanktionen gegen die Türkei

Moskau will Vergeltung für den Abschuss seines Bombers durch die Türkei. Putin hat nun wie angekündigt die Einfuhr einiger türkischer Waren und Charterflüge gestoppt - außerdem dürfen russische Unternehmen keine Türken mehr einstellen.

Wladimir Putin zu Besuch in Ankara im Dezember 2014: Derzeit herrscht Funkstille
REUTERS

Wladimir Putin zu Besuch in Ankara im Dezember 2014: Derzeit herrscht Funkstille


Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit weitreichenden Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei auf den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs reagiert. In einem Erlass verbot oder begrenzte der Kreml-Chef vorübergehend die Einfuhr bestimmter türkischer Waren. Das teilte der Präsidentenpalast mit.

Reiseanbieter aus Russland dürfen demnach außerdem keinen Urlaub in der Türkei mehr anbieten. Russische Unternehmer sollen ab 1. Januar zudem keine türkischen Staatsbürger mehr einstellen können.

Die Sanktionen hatte die russische Regierung vergangene Woche bereits angekündigt - darunter schärfere Lebensmittelkontrollen. Geplant war ein Bündel wirtschaftlicher Strafmaßnahmen gegen die Türkei, Ministerpräsident Dmitrij Medwedew hatte seine Minister angewiesen, ein "System von Antworten" zu erarbeiten, das sich unter anderem auf den Handel, Tourismus und den Flugverkehr beziehe.

Der russische Präsident wies seine Regierung nun auch an, eine Liste mit türkischen Waren zu erstellen, deren Einfuhr vorübergehend verboten oder begrenzt werden soll. Russland führt laut dem Erlass zudem ab 1. Januar die Visumpflicht für türkische Bürger wieder ein.

Stark dürfte auch die Tourismusbranche leiden. Russische Reiseveranstalter können künftig keinen Urlaub in der Türkei mehr anbieten. Fluggesellschaften müssen zudem auf Charterflüge zwischen Russland und der Türkei verzichten. Dabei ist die Türkei eines der beliebtesten Reiseziele der Russen.

Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten am Dienstag einen russischen Bomber vom Typ Su-24 im türkisch-syrischen Grenzgebiet abgeschossen. Laut türkischer Armee war die russische Maschine trotz wiederholter Warnungen in den türkischen Luftraum eingedrungen. Ankara veröffentlichte Aufnahmen, die dies belegen sollen. Moskau bestreitet dies und erklärt, die Su-24 sei über syrischem Gebiet geflogen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte inzwischen: "Wir wünschten, es wäre nicht passiert." Die von Moskau geforderte Entschuldigung lehnte er jedoch ab.

Verschärfte Kontrollen des Verkehrs zwischen beiden Ländern plant Moskau deshalb ebenfalls. Türkische Lastwagen sowie Schiffe sollen an den Grenzen und in den Häfen stärker überprüft werden. Der Erlass trägt den sperrigen Titel "Über die Maßnahmen, um Russlands nationale Sicherheit zu gewährleisten und russische Bürger vor kriminellen und anderen illegalen Aktivitäten zu schützen, sowie die Anwendung der besonderen wirtschaftlichen Maßnahmen gegen die Türkei".

Einige der nun erlassenen Sanktionen waren informell bereits eingeführt worden. Der Kreml begründete sie mit Sicherheitsbedenken. Russland und die Türkei haben enge Wirtschaftsbeziehungen. Betrachtet man die 28 EU-Länder zusammengefasst, war Russland vergangenes Jahr der zweitwichtigste Handelspartner für die Türkei. Der gemeinsame Warenumsatz belief sich auf umgerechnet 24 Milliarden Dollar. Russland war das viertwichtigste Ziel türkischer Exporte und die zweitwichtigste Importquelle. Nach Deutschland kauft kein anderes europäisches Land in Europa so viel Gas von Russland. Die Türkei exportiert vor allem Kleidung sowie Obst und Gemüse.

apr/dpa/AP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 275 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
delta058 28.11.2015
1.
ANgesichts der fadenscheinigen Begründungen für den Boykott Russlands durch die EU (nach denen müßte die USA als Schurkenstaat behandelt werden) eine völlig normale Reaktion, leider. Vielen Dank USA für die Destabilisierung Europas, nachdem ihr schon den Nahen Osten in ein Trümmerfeld verwandelt habt. Wobei noch schlimmer sind die Europäer die das mit sich machen lassen.
osmanian 28.11.2015
2. Zum Lachen
Der Putin ist ja echt wie ein Kind. Der soll Geheimdienstler sein? Er grabt sein eigenes Grab mit Türkei. Alleine wenn Türken den Bosporus für russische Schiffe dicht machen ist Russland nicht mehr zu retten. Hinzu kommt der türkische Frühling in Turkvolkstaaten wenns so weiter geht. Denn internetzeitalter weckt mehr Menschen als vor 100 Jahren. Wenn Putin Türken angreift, passiert das was Hitler und Napoleon nicht geschafft haben ganz von allein!
rescue77 28.11.2015
3. Eine längst überfällige Maßnahmen Russlands. Dabei hätte eine Entschuldigung Erdoans den Schaden begrenzen
können. Was wäre eigentlich, wenn die Russen ein türkisches Flugzeug abgeschlossen hätten ? Da wäre dann doch sicher der Bündnisfall ausgerufen worden. Na ja, so ist das eben, wenn zwei das Gleiche tun, ist es eben nicht das Selbe.
Izmir..Übül 28.11.2015
4. Zar vs. Sultan
Ich bin zwar kein Fan von Putin (wie so viele hier), aber ich finde es gut, dass der größenwahnsinnige Erdogan endlich mal Gegenwind bekommt und das unmissverständliche Signal, dass es auch noch Länder und Regierungen gibt, die sich von ihm nicht alles bieten lassen.
abc-xyz 28.11.2015
5. Täglich spamt das Murmeltier
Zitat von delta058ANgesichts der fadenscheinigen Begründungen für den Boykott Russlands durch die EU (nach denen müßte die USA als Schurkenstaat behandelt werden) eine völlig normale Reaktion, leider. Vielen Dank USA für die Destabilisierung Europas, nachdem ihr schon den Nahen Osten in ein Trümmerfeld verwandelt habt. Wobei noch schlimmer sind die Europäer die das mit sich machen lassen.
Nachdem Russland zum gefühlt Tausends mal eine Grenze überschritten hatte und dies mal auch zurecht abgestraft wurde, sind es wieder die USA, die Schuld sind. Interessanter ist aber, dass Russland seine militärische bereitschaft gegen die Türkei verkündet hat, so als die Türkei in Russland eingedrungen wäre und nicht umgekehrt. Aber Russland hatte schon immer ein Problem zwischen Opfer und Täter zu unterscheiden. Warum sollte es auch hier anders sein..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.