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Subkontinent: Pakistan lässt Truppen an indischer Grenze aufmarschieren

Droht ein Krieg auf dem Subkontinent? Die pakistanische Regierung hat eine Urlaubssperre für die Streitkräfte verhängt, an der Grenze zu Indien marschieren Tausende Soldaten auf. Die Regierung in Delhi erhöht den diplomatischen Druck nun drastisch.

Islamabad - Die Situation an der Grenze zwischen Pakistan und Indien scheint zu eskalieren: Einen Monat nach dem Terrorangriff in Mumbai hat Pakistan seine Truppenpräsenz im Grenzgebiet zu Indien drastisch verstärkt. Die Regierung habe die Verlegung von 20.000 Soldaten angeordnet, verlautete am Freitag aus Geheimdienstkreisen. Die 14. Heeresdivision sei in die grenznahen Regionen Kasur und Sialkot geschickt worden. Außerdem wurde kurzfristig eine Urlaubssperre für die Streitkräfte verhängt.

Indische Truppen an der Grenze zu Pakistan: Zunehmende Spannungen
AP

Indische Truppen an der Grenze zu Pakistan: Zunehmende Spannungen

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete aus dem Bezirk Dera Ismail Khan, er habe 40 Militärtransporter mit Soldaten beobachtet, die aus der Provinz Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan abgezogen wurden. Bislang befanden sich dort und in anderen Nordwestregionen mehr als 100.000 Soldaten im Einsatz gegen islamische Extremisten.

Premierminister Yousaf Raza Gilani sagte am Freitag, Pakistan sei ein "verantwortungsbewusstes Land", dass keine militärische Eskalation wüsche. Auf einen Angriff werde man jedoch "mit Härte" reagieren.

Ein ranghoher Beamter des Verteidigungsministeriums äußerte sich ähnlich. Es solle keine "Kriegshysterie" geschürt werden, sagte er. Es müssten jedoch Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um "jegliche Bedrohung abzuwehren". Ein weiterer Sicherheitsbeamter sagte, es handele sich lediglich um eine geringe Anzahl von Soldaten, die an Orten stationiert worden seien, wo auf indischer Seite Truppenverstärkungen vermutet würden.

Inder bitten China und Saudi-Arabien um Hilfe

Die Regierung in Neu-Delhi erhöht nun ihrerseits den diplomatischen Druck auf das Nachbarland. Außenminister Pranab Mukherjee rief am Freitag China und Saudi-Arabien, zwei der wichtigsten Verbündeten Pakistans, dazu auf, Islamabad zu einem entschlossenem Handeln gegen Terroristen auf pakistanischem Staatsgebiet zu bewegen.

In einem Telefonat mit dem chinesischen Außenminister Yang Jiechi erklärte Indiens Außenminister Mukherjee, Pakistans gehe nicht entschieden genug die mutmaßlichen Drahtzieher der Terrorserie von Bombay vor. Auch Peking müsse daher Druck ausüben, damit die Regierung in Islamabad die "terroristische Infrastruktur" zerstöre, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung.

Terrorismus sei keine bilaterale Angelegenheit zwischen Indien und Pakistan, sondern ein globales Problem, sagte Mukherjee wenig später nach einem Treffen mit dem Außenminister von Saudi-Arabien, Prinz Saud al-Faisal, in Neu-Delhi. Alle Staaten müssten gemeinsam gegen die weltweiten Terrorismus vorgehen. Al-Faisal rief die Vereinten Nationen zur Gründung eines neuen Gremiums auf, dessen Aufgabe ausschließlich der Kampf gegen den Terrorismus sein müsse.

Indisches Außenministerium warnt vor Pakistanreisen

Das Außenministerium in Neu-Delhi rät indischen Staatsbürgern außerdem dringend von Reisen nach Pakistan ab. Es sei dort nicht mehr sicher. Grund seien Berichte pakistanischer Medien, wonach die Verhaftungen mehrerer Inder in Pakistan mit einem Bombenanschlag in der pakistanischen Stadt Lahore in Zusammenhang stehen sollen.

Indien wirft Extremisten in Pakistan vor, für die Anschläge in Mumbai verantwortlich zu sein. Bei Überfällen auf zwei Luxushotels und andere Ziele kamen Ende November mehr als 160 Menschen ums Leben. Beide über Atomwaffen verfügende Staaten haben erklärt, dass sie einen militärischen Konflikt vermeiden wollen. Indien hat eine militärische Option aber nicht ausgeschlossen, und Pakistan hat für diesen Fall mit einer aggressiven Antwort gedroht.

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan reicht in die Auflösung des britischen Kolonialregimes im Jahr 1947 zurück. Seitdem haben beide Staaten drei Kriege gegeneinander geführt. Im Jahr 2001 wäre es beinahe zu einer vierten bewaffneten Auseinandersetzung gekommen. Damals hatten indische Behörden pakistanische Terroristen für einen Anschlag auf das indische Parlament verantwortlich gemacht.

ffr/AP/Reuters/AFP/dpa

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